Die pfarrerlose Zeit in der alt-katholischen Pfarrgemeinde Singen/Meßkirch ist nun vorbei. Mit Pfarrer David Birkman (34) zieht ein neuer Geistlicher ins Singener Pfarrhaus ein. Sein Lebensgefährte ist der 35 Jahre alte Einzelhandelskaufmann Heiko Grund. Birkman ist für rund 400 Alt-Katholiken, davon 300 in der Gemeinde Singen und etwa 100 in Sauldorf und Meßkirch, verantwortlich.

Am kommenden Sonntag wird sich der 34-Jährige im Anschluss an die Eucharistiefeier offiziell der Gemeinde in Sauldorf vorstellen. Der Singener Kirchenbasis hatte sich der Theologe bereits am 1. Adventssonntag vorgestellt. Derzeit wohnen Birkman und sein Partner noch in Schlatt, einem Singener Stadtteil. Sobald die Renovierungsarbeiten im Singener Pfarrhaus abgeschlossen sind, stehe dem Umzug in das Stadtzentrum nichts mehr im Wege, erzählt der Geistliche.

Das könnte Sie auch interessieren

Aufgewachsen in den USA

Der Weg von David Birkman in sein neues Wirkungsgebiet war so nicht abzusehen: Er ist in den USA aufgewachsen. Sein Vater allerdings stammt aus Schweden. "Deshalb liegen meine religiösen Wurzeln in der schwedisch-lutherischen Kirche in den Staaten", erzählt Birkmann. Seine deutschen Großeltern mütterlicherseits sind aus politischen Gründen während der Hitler-Diktatur in die Vereinigten Staaten geflüchtet.

Seit 2012 in Deutschland

Birkman hat einen Teil seiner Jugend in Schweden verbracht. Sowohl Englisch als auch Schwedisch sind deshalb die Muttersprachen des neuen Gemeindeleiters. Nach dem theologischen Grundstudium in seiner Heimat stand der angehende Theologe vor der Frage, ob er sich in Europa für Schweden oder für Deutschland entscheiden solle. Der neue Pfarrer wählte die Bundesrepublik. Nach einem Vorbereitungslehrgang beim Goethe-Institut kam Birkman 2012 nach Deutschland.

Das könnte Sie auch interessieren

Deutsche Staatsbürgerschaft beantragt

Wer mit ihm redet, merkt zwei Dinge: Zum einen deutet sein Akzent unmissverständlich auf seine nordamerikanische Herkunft hin, zum anderen ist sein Deutsch nahezu perfekt. Birkman macht aber eine kleine Einschränkung: "Nur der alemannische und der schwäbische Dialekt ist für mich noch etwas schwierig zu verstehen." Er zeigt sich aber zuversichtlich, auch diese Barriere in kurzer Zeit meistern zu können. Optimistisch meint der junge Pfarrer mit einem verschmitzten Lächeln: "Ich habe auch schon Sächsisch gelernt." Noch ist der Neuling auf der alt-katholischen Kanzel US-amerikanischer Staatsbürger. Er geht aber davon aus, 2020 in Deutschland eingebürgert zu werden. Er hoffe sehr, bei der nächsten Bundestagswahl mit abstimmen zu dürfen.

Pastoralreferent in Mannheim und Ludwigshafen

"Ich bin noch relativ neu im alt-katholischen Bistum", erzählt der zukünftige Hausherr im Singener Pfarrhaus. Als absoluter Anfänger in Sachen Gemeindearbeit will er sich aber nicht verstanden wissen: "Seit März war ich in der Gemeinde Mannheim/Ludwigshafen als Pastoralreferent unterwegs, um mich etwas als Hauptamtlicher im alt-katholischen Bistum einzuarbeiten. Davor arbeitete ich in der evangelischen Landeskirche in Württemberg als Pfarrer im Vorbereitungsdienst." In den alt-katholischen Bereich kam David Birkman, weil er schwedisch-lutherisch aufgewachsen ist. Deshalb liege ihm der alt-katholische Ritus mit seiner Liturgie und seinen theologischen Aussagen näher, als das reine Luthertum der Württembergischen Landeskirche, erklärt er.

Studium in den USA, in Berlin und Tübingen

Über seinen Werdegang sagt Birkman: "Nach meinem Schulabschluss studierte ich evangelisch-lutherische Theologie am Luther Seminary in Minnesota. Dort habe ich auch ein vierjähriges Pfarrpraktikum und eine klinische Seelsorgeausbildung gemacht." Später setzte Birkman seine theologischen Studien in Deutschland in Berlin und in Tübingen fort. Derzeit absolviert der Deutsch-Amerikaner noch ein Aufbaustudium in alt-katholischer Theologie in Bonn. Als einen Schwerpunkt seiner zukünftigen Gemeindearbeit bezeichnet Birkman die Kinder- und Jugendarbeit.