"Die Feste auf den Dörfern waren Ende der sechziger Jahre noch nicht so alltäglich wie heute. Und auch in Rengetsweiler war es neu", sagt Kille, der, als aktiver Musiker, 1969 den Vorschlag einbrachte, ein kleines Fest zu machen, um die Finanzen der Rengetsweiler Musikanten zu stärken. Als Platz wurde der alte Steinbruch mit dem schattigen Wäldchen Richtung Kappel hergerichtet. Die Ausstattung und der Verkauf sei damals sehr bescheiden gewesen. "Einige Bierbänke und Tischen von der Adler-Brauerei standen bereit und für die Gäste gab es Flaschen Bier, Sprudel und für die Kinder Sinalco." Auch das Essen sei einfach gewesen: "Heiße Würste aus dem großen, mit Holz geheizten Waschkessel und ein Brötchen dazu."

Ein Bild vom ersten Hammellauf beim Waldfest.
Ein Bild vom ersten Hammellauf beim Waldfest.

Als der Regen einsetzte

Als Festtag habe der Pfingstmontag gegolten und zur Unterhaltung "und zum abendlichen Tanz auf der kleinen Bühne, die mit ein paar farbigen Glühbirnen beleuchtet war, spielten wir in den Anfangsjahren selbst noch", wie Weißhaupt ergänzt. Erst in den Folgejahren seien Musikkapellen aus der Umgebung zur Unterhaltung eingeladen worden. Und der Hammellauf, der damals schon die Attraktion gewesen sei, sei bis heute fester Bestandteil des Rengetsweiler-Waldfests.

"Im zweiten Jahr gab es eine Überraschung, als beim Fest der Regen einsetzt, sodass man schnellstens einige Planen besorgen musste." Um vom Wetter unabhängig zu sein, erinnern sich die Senioren, sei ein Membrane-Zelt aufgestellt worden. Dann sei der Platz in der Sandgrube für eine Vergrößerung zu klein gewesen, sodass die Musiker in Absprache mit der Gemeindeverwaltung außerhalb des Dorfes, am Waldesrand beim Sportplatz, den neuen Standort mit Elektro- und Sanitäranlagen sahen. "Mit dem größeren Zelt war es dann auch möglich, bekannte Musikkapellen für das Waldfest zu engagieren, das zwischenzeitlich teils auf vier Tage, von Freitag bis einschließlich Montag, ausgelegt war", erinnert sich Kille. "Das verlangte natürlich von den aktiven Musikern und ihrem damaligen Vorsitzenden Anton Liehner und ihren Familienangehörigen und auch von den vielen freiwilligen Helfern ein enormes Arbeitspensum.

Partygänger kommen ebenfalls beim Waldfest auf ihre Kosten und mit dem Auftritt von Anita und Alexandra Hofmann soll es auch kommende Woche wieder so sein.
Partygänger kommen ebenfalls beim Waldfest auf ihre Kosten und mit dem Auftritt von Anita und Alexandra Hofmann soll es auch kommende Woche wieder so sein.

Schlagerparty 2.0

Aber es waren auch immer wieder besondere Erlebnisse dabei", wie Kille hervorhebt. "Denn unser Unterhaltungsprogramm wurde immer vielseitiger, so waren es in den Siebziger- und Achtzigerjahren Musikgruppen, die von Funk und Fernsehen bekannt waren, die auch die Besucherzahl des Fests auf zwischen 2500 bis 3000 Personen steigerten. "Die Blaumeisen die Flippers oder die Kaiserlich Böhmischen und selbst die Kastelruther traten unter anderen beim Waldfest schon auf die Bühne", sagt Weißhaupt. "Auch Anita und Alexandra Hofmann traten auf und wollen bei unserem 50-Jährigen mit ihrer Schlagerparty 2.0 groß feiern." Eine ganz tolle und außergewöhnliche Boxveranstaltung habe das Waldfest zwischen dem ehemaligen Boxclub Meßkirch und den Sportlern des Boxsportvereins Singen erlebt und "auch ein Fallschirmspringen mit der Bundeswehr war ein Höhepunkt unseres Fests", stellt Kille fest, der sich auch daran erinnert, dass es zum 20. Geburtstag des Waldfests einen Holzboden und eine Heizung durch den Festzeltbetrieb Fetscher gab, mit dem die Organisatoren seit Beginn an zusammenarbeiteten. "Und das setzen wir seither auch zum großen Vorteil unseres Fests ein."

Qualitativ hochwertige Blasmusik ist seit Jahren ein Kennzeichen des Waldfests und hat mit für seinen Bekanntheitsgrad gesorgt.
Qualitativ hochwertige Blasmusik ist seit Jahren ein Kennzeichen des Waldfests und hat mit für seinen Bekanntheitsgrad gesorgt.

"Nach dem Fest ist vor dem Fest"

Das Einzugsgebiet reicht heute vom Bodensee und vom Raum Ravensburg bis in den Großraum Tübingen-Reutlingen sowie in Richtung Balingen und Rottweil hinein. "Das bezeugen nicht nur die Autokennzeichen, sondern auch die jährlichen Anfragen", wie Monika Huber, Vorsitzende der Rengetsweiler Musikanten, ergänzt. "Und nicht vergessen wollen wir Anton Liehner und Josef Diener, deren Leitspruch es war: 'Nach dem Fest ist vor dem Fest'", fügt sie an. Denn diese Beiden seien über Jahre hinweg die treibenden Kräfte, oder besser gesagt die Manager für das Rengetsweiler-Waldfest gewesen. "Sie standen hinter der Sache, wie auch heute die nachkommende Generation, die sich über die Jahre hinweg mit dem jährlichen Waldfest vertraut gemacht hat und es als ein großes Aushängeschild für den 400 Einwohner-Ort sieht, der das Dorf weit über die Heimatgrenzen hinaus zum Begriff gemacht hat." "Die viele lustige Episoden übertreffen dabei immer wieder den Arbeitsaufwand", stellt auch Siegbert Blum fest, der zusammen mit Thomas Liehner ebenfalls zu den wichtigsten Kräften beim Waldfest zählt. Ortsvorsteher Berthold Sauter schließlich erkennt noch einen weiteren positiven Effekt des Waldfests: "Ich verbinde damit auch viele schöne Erinnerungen und Kontakte, die durch das Waldfest zu unserem Dorf entstanden sind."

Das Programm

Donnerstag: Party (20 Uhr) mit Anita und Alexandra Hofmann, Papi's Pumpels, Julian David. Samstag: Party (18 Uhr) mit der Trachtenkapelle Hausen a. A. und der Alpenmafia. Sonntag: MV Bottenau ab 11 Uhr, Hammellauf, MV Wald (14 Uhr) und die Oberschwäbischen Dorfmusikanten (17 Uhr). Montag: Hotzenplotzer Musikanten und der MV Roggenbeuren ab 16.30 Uhr. (mos)