Die Museumsgesellschaft widmet sich seit dieser Zeit mit der Inventarisierung der Werkstatt und möchte sie im zukünftigen Heimatmuseum der Öffentlichkeit zugänglich machen. In Buchheim sind die Erinnerungen an den ehemaligen Mitbürger noch wach. Ruth Riester, Hans-Peter Fritz und Erika Kiene können noch einiges über ihn erzählen.

Karl Kretz schuf ebenso Gedenktafeln für Gräber auf dem Friedhof.
Karl Kretz schuf ebenso Gedenktafeln für Gräber auf dem Friedhof. | Bild: Isabell Michelberger

Zwei der Arbeiten von Karl Kretz sind mitten im Ortszentrum von Buchheim präsent: die Reliefs an der Außenfassade des Gasthauses zum Freien Stein. Auf der Seite zur Beuronerstraße ist die Schutzmantelmadonna aus dem Jahr 1963 zu sehen und auf der Seite zur Donautalstraße ein gefülltes Römerglas, über dem eine Weintrauben-Dolde mit Blatt abgebildet ist. Ebenso von außen sichtbar sind die Motive in den Fenstern des Gastraums. Von innen entfalten sie jedoch erst ihre richtige Leuchtkraft. Dort treffen seine Nichte Ruth Riester, sein Neffe und Gasthausbesitzer Hans-Peter Fritz sowie die Heimatforscherin Erika Kiene zusammen, um sich über den Bildhauer auszutauschen.

Der Künstler und seine Arbeit

Der gesamte Gastraum im „Freien Stein“ ist geprägt von der Handwerkerfamilie Kretz. Schreiner Bruno Kretz, Bruder von Karl Kretz, stellte die Holzverkleidung für Decke und Seitenwände her. Über dem Stammtisch hängt eine Lampe, auf deren Steg ein aus Holz geschnitzter Bauer sein Korn aussät. Die linke Hand hält das umgehängte Tuch, in dem sich die Saat befindet, die rechte Hand greift elegant nach hinten aus, um mit gezieltem Schwung die Saatkörner zu verteilen. Die Jahreszahl dokumentiert, dass Karl Kretz die Lampe im Jahr 1959 zur Eröffnung des „Freien Steins“ herstellte.

Der säende Bauer schmückt die Lampe über dem Stammtisch des Gasthauses.
Der säende Bauer schmückt die Lampe über dem Stammtisch des Gasthauses. | Bild: Isabell Michelberger

Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete Karl Kretz in der väterlichen Schreinerei im Gründelbuchweg in Buchheim mit, die Bruder Bruno nach dem Tod des Vaters übernommen hatte. In dieser Zeit arbeitete der Bildhauer auch intensiv in der Beuroner Kunstwerkstätte zusammen mit Bruder Wolfgang. „Er hat viel für das Kloster geschafft“, weiß Heimatforscherin Erika Kiene. „Er war fast schon im Kloster zu Hause“, ergänzt Ruth Riester, Tochter von Bruno Kretz und Nichte von Karl Kretz. Karl habe beispielsweise mitgeholfen, die Beuroner Kirche zu rebarockisieren.

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„Im Kloster fertigten die Brüder Kretz viele Kreuze und Beuroner Madonnen“, erzählt Erika Kiene. Diese sakralen Schnitzereien müssen bei Pilgern und Touristen beliebt gewesen sein. Da diese Tätigkeit jedoch nicht so viel Geld einbrachte, um eine Familie zu ernähren, und die Auftragslage nach dem Zweiten Weltkrieg nicht gut war, wanderte Karl Kretz mit Frau und zwei Kindern 1950 nach Argentinien aus, wo sein Bruder Alfred bereits eine Existenz aufgebaut hatte. Diesem half er dabei, Stilmöbel herzustellen. 1954 kehrt er jedoch wieder nach Deutschland zurück. „Damals ging es nach einer wirtschaftlichen Hochphase in Argentinien wieder abwärts“, erzählt Hans-Peter Fritz. „Und den Kindern bekam das Klima nicht“, weiß Ruth Riester. Karl Kretz zog also nach Rohrdorf, wo er in seiner Werkstatt etliche Kunstwerke schuf, die noch heute in der Region zu sehen sind.

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In Buchheim ist Karl Kretz als ruhiger und angenehmer Mensch in Erinnerung. „Er war mit seiner Tätigkeit ausgefüllt und hat sich nicht aus der Reserve locken lassen“, beschreibt Ruth Riester ihren Onkel. Sie selbst absolvierte damals eine Schreinerlehre bei ihrem Vater Bruno Kretz. Ihr Mann, Adolf Riester, ist gelernter Wagnermeister und hat dann auf Schreiner umgeschult, um den Schreinerbetrieb von Bruno Kretz übernehmen zu können. Das Ehepaar ist, trotz Erlangung des Rentenalters, bis heute an den Maschinen tätig.

Möbel und künstlerische Arbeiten

Erika Kiene, die gerne in Archiven zur Heimatgeschichte von Buchheim forscht, entdeckte einiges zum Stammbaum von Karl Kretz. Unter seinen Vorfahren hätten sich bereits Künstler gefunden, wie Kallixtus Butsch, der als Bruder Aegidius in Kloster Ettenheimmünster tätig gewesen sei. Während Bruno Kretz die Buchheimer mit Möbeln versorgt habe, habe sich sein Bruder Karl um die künstlerische Arbeit gekümmert. Zahlreiche Buchheimer Familien besitzen Kreuze oder Madonnen, die Karl Kretz schnitzte. Er schuf Grabkreuze und auch das Gedenkkreuz an Stephan Hund, der von 1933 bis 1946 Pfarrer in Buchheim war. Das Denkmal steht im Wald, den man von der Fridinger Straße aus erreicht.

Das ausdrucksstarke Porträt aus Gips zeigt die 13-jährige Gretl Hagen.
Das ausdrucksstarke Porträt aus Gips zeigt die 13-jährige Gretl Hagen. | Bild: Isabell Michelberger

Wie Ruth Riester berichtet, habe sie einen Kachelofen, dessen Kacheln Karl Kretz mit Landschaftsmotiven aus der Region gestaltete. Dass der Bildhauer auch ausdrucksstarke Porträts schuf, zeigen das Bildnis von Conrad Gröber an der Nepomukkapelle in Meßkirch oder das Porträt der 13-jährigen Gretl Hagen (später verheiratete Frey), das Kretz im Auftrag des Vaters, Sattlermeister Hagen, 1936 schuf. So gibt es einige Buchheimer, denen Karl Kretz noch vertraut ist, die ihn als Zeitgenossen schätzten und eine Schnitzerei ihr Eigen nennen können.