Wie sieht der Alltag von Frauen auf dem Land aus? Welche Probleme haben sie, welche Bedürfnisse? Um speziell für diese Frauen maßgeschneiderte Förderprogramme anbieten zu können, hat das Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz auf Anregung der Arbeitsgemeinschaft der baden-württembergischen Landfrauenverbände eine Studie bei der Universität Freiburg in Auftrag gegeben. Ziel ist es, die Lebenswirklichkeit der Frauen repräsentativ abzubilden, um darauf Angebote aufzubauen, die die Zukunft der Familien in der Landwirtschaft sichern. An der Studie können sich Frauen ab 16 Jahren beteiligen, die in der Landwirtschaft leben oder arbeiten.

Wie sieht der Alltag von Frauen in der Landwirtschaft in der Region aus? Sabrina Heckler kam 2011 durch ihre Hochzeit mit Tobias Heckler in die Landwirtschaft in Sauldorf. 2008 hatte Familie Heckler auf ihrem Hof "Hecklers Hofladen" als zweites Standbein eröffnet. Die 31-jährige Sabrina Heckler kümmert sich heute hauptsächlich um diesen Hofladen und um die Erziehung ihrer fünf und drei Jahre alten Kinder. Der Hofladen ist zweimal pro Woche geöffnet, Verkauf, Organisation und Bestückung mit regionalen Lebensmitteln nehmen rund acht bis zehn Stunden pro Woche in Anspruch. Dazu füllt Sabrina Heckler zwei bis drei Mal täglich das Eier- und Kartoffelhaus auf. Auf dem Hof leben drei Generationen. Aktuell ist der Betrieb mitten in der Umstellungsphase auf ökologische Landwirtschaft nach Bioland-Richtlinien. "Ein großer, aber unserer Meinung nach der richtige Schritt", sagt Sabrina Heckler. Der Familie sei die Nachhaltigkeit sehr wichtig. Für sich selbst findet Sabrina Heckler Förderprogramme zum Marketing ganz wichtig. Doch viele Fortbildungen sind weit entfernt und ihr sei die Teilnahme durch ihre kleinen Kinder und den laufenden Betrieb schlecht möglich, bedauert sie. Auf dem Hof arbeiten Tobias und Sabrina Heckler, die Schwiegereltern, eine Vollzeitkraft, ein Auszubildender und zwei Aushilfskräfte. Alle vier Wochen ist Schlachtwochenende. "Wir schlachten nur so viele Tiere, wie Fleisch vorbestellt ist", unterstreicht sie.

Eine der Hauptaufgaben von Sabrina Heckler aus Sauldorf ist der Hofladen.
Eine der Hauptaufgaben von Sabrina Heckler aus Sauldorf ist der Hofladen. | Bild: Sandra Häusler

 

Peter und Reinhilde Rebholz aus Rohrdorf führen einen landwirtschaftlichen Betrieb mit rund 200 Hektar Grün- und Ackerland zusammen mit Schwager Friedbert Rudolf aus Thalheim als Betriebskooperation. Beide Familien packen mit an. "Es ist ein Miteinander", beschreibt Reinhilde Rebholz. Die Familien wechseln sich beim Melken der rund 100 Milchkühe ab, auch sonntags beim Stalldienst. "Das ist herrlich. Wenn es die Arbeit zulässt, dann machen wir alle vierzehn Tage Samstag und Sonntag stallfrei", unterstreicht Reinhilde Rebholz. Ihre tägliche Arbeitszeit auf dem Hof beziffert sie auf durchschnittlich sechs Stunden. Ihre Hauptaufgabe sind die Kälberaufzucht und ein Melkdienst am Tag. Die dreifache Mutter erwachsener Kinder unterstützt ihren Mann bei Arbeiten, je nachdem, was anfällt, auch gern mit dem Traktor auf dem Feld. Nachhaltigkeit ist auch bei Familie Rebholz ein großes Thema. Dazu zählt die Pflege der rund 100 Streuobstbäume. Die 48-Jährige arbeitet bereits fast 30 Jahre auf dem Hof und freut sich über das allmähliche Umdenken in der Gesellschaft. Sie sagt, die Menschen wählten bewusster, was sie essen, Regionalität sei immer mehr gefragt. Doch ihrer Meinung nach werden viele Bäuerinnen von außen gedrängt, neben der vielen Arbeit auf dem Hof ein Bauernhofcafé, Ferienwohnungen oder einen Hofladen zu gründen.

Reinhilde Rebholz aus Rohrdorf ist in der Betriebsgemeinschaft für die Versorgung der Kälber zuständig.
Reinhilde Rebholz aus Rohrdorf ist in der Betriebsgemeinschaft für die Versorgung der Kälber zuständig. | Bild: Sandra Häusler

Die Selbstversorgung durch Nebenerwerbslandwirtschaft war Rosmarie Schmid aus Leibertingen-Lengenfeld schon immer ein großes Anliegen. Zwei Jahre nach der Hofübernahme stiegen sie und ihr Mann Herbert auf biologische Landwirtschaft um. Seit 2001 ist der Betrieb ein anerkannter Bioland-Bauernhof, erzählt die 53-Jährige. Lange hatte die sechsfache Mutter erwachsener Kinder die Arbeit vor die eigenen Bedürfnisse gestellt. Dann wurde es zu viel Bürokratie. 2017 vollzog sich ein Wandel. "Im Kleinen kann man gar nicht mehr bestehen", bedauert Rosmarie Schmid die Entwicklung. Nun baue die Familie nur noch hauptsächlich für den Eigenverbrauch an und die grünen "Albleisa", die Alblinsen, für die Erzeugergemeinschaft. Rosmarie Schmids Steckenpferd ist die Behandlung von Tieren mit Homöopathie. Auf dem Krautland baut sie alte Gemüsesorten an und zieht rund 20 Hühner auf. "Ich würde mir wünschen, dass in der Politik die Nahrungsmittel und die Arbeit der Nebenerwerbsbetriebe mehr wertgeschätzt würden", sagt sie. Jeder trage die Verantwortung für sich selbst und das, was er tue.

Rosmarie Schmid aus Leibertingen-Lengenfeld zieht die Hühner auf dem Hof selbst auf.
Rosmarie Schmid aus Leibertingen-Lengenfeld zieht die Hühner auf dem Hof selbst auf. | Bild: Sandra Häusler

 

Online-Umfrage

An der Studie können sich Frauen ab 16 Jahren beteiligen, die einen Bezug zum landwirtschaftlichen Betrieb im Haupt- oder Nebenerwerb haben, die dort arbeiten, leben oder gelegentlich mithelfen. Die Studie wird ausschließlich als Online-Befragung bis 15. April durchgeführt. Das Ausfüllen des Fragebogens nimmt rund 25 Minuten in Anspruch und kann nicht unterbrochen werden. Die gesammelten Daten bleiben anonym und werden vertraulich ausgewertet. Sie lassen keine Rückschlüsse auf den Betrieb zu.

Der Online-Fragebogen im Internet:www.landfrauen.uni-freiburg.de