An allen Ecken müssen Sabine Anderson und Manfred Tremmel vom Landratsamt Sigmaringen sowie Kurator Roland Specker anpacken, um die sperrige Holzwand sicher in den Aufzug zu befördern. Da ist Erfahrung gefragt und Millimeterarbeit erforderlich, bis alles drin ist und sich die Aufzugstüre schließen lässt. Der Weg nach oben kann beginnen.

In den Ausstellungsräumen reihen sich bereits die leeren Vitrinen aneinander, daneben die Pulte, auf denen neun Faksimiles zur Ansicht ausgelegt werden. Der eigentliche Schatz der Ausstellung, passt auf einen Tisch und einen Rollwagen. Um den Besuchern ihre ganze Pracht vor Augen zu führen, müssen sie gut präsentiert werden. Daran wird das Aufbauteam die nächsten zehn Tage arbeiten. "Wir werden in den Vitrinen Spiegel anbringen, so dass auch die Unterseite der kunstvollen Bücher zu sehen sein wird", erläutert Manfred Tremmel.

Fünf Jahre dauerte es vom ersten Gespräch in Meßkirch bis zur jetzigen Realisierung der Ausstellung, wirft Roland Specker einen Blick zurück. "Die Idee habe ich schon sehr viel länger im Kopf", erzählt der Kurator und pensionierte Veterinär. Im Jahr 2011 habe er diesbezüglich bei Bert Geurten zum ersten Mal angefragt. Damals habe ihm daran gelegen, Schwung in das Projekt Campus Galli zu bringen. Doch erst im Jahr 2013 nahm Specker dann Kontakt zu Kreisgalerieleiter Edwin Ernst Weber auf.

"Es war damals ein Schock für mich, als ich hörte, dass die Galerie bis 2016 mit Ausstellungen belegt war", beschreibt Specker. Doch nun habe alles geklappt, der Bestand hätte sich sogar noch um einige Exponate erweitert. Große Hilfe und Unterstützung habe er durch den Quaternio-Verlag und den Adeva-Verlag erfahren. "Es war ein Vergnügen, mit ihnen zusammenzuarbeiten", erklärt der Kurator. Allerdings ärgert er sich enorm über zwei weitere Verlage, die ihm Faksimiles als Leihgabe zugesichert hatten, dieses Angebot aber zurückzogen. "Zwei ganz wichtige Faksimiles hätte ich von einem spanischen Verlag als Leihgabe erhalten sollen, unter anderem die Bibel von Sankt Paul von Karl dem Kahlen", erklärt Specker. Dies sei die schönste Vollbibel aus der Karolingerzeit. Doch die Leihgebühr von 7000 Euro sei schlichtweg indiskutabel.

Vollkommen unverständlich ist für ihn trotz mehrerer schriftlicher Zusicherungen die Absage des Bertelsmann-Verlags, für die Ausstellung das Godescalc Evangeliar sowie das Wiener Krönungsevangeliar zur Verfügung zu stellen. "Ich habe noch nicht einmal ein Begründung erhalten", drückt Specker sein Unverständnis aus.

Doch die nahezu 80 schmuckvollen Exponate, die ab Sonntag, 3. Juli, im Schloss zu sehen sein werden, geben einen umfassenden Eindruck von zehn Jahrhunderten Buchkunst.

 

Die Ausstellung

Zur Eröffnung am 3. Juli, 16 Uhr, wird Barbara Schedl, Privatdozentin für Kunstgeschichte an der Universität Wien den Festvortrag zu "Buchmalerei im Mittelalter" halten. Führungen gibt es am 17. Juli und am 18. September, 15 Uhr. Am letzten Wochenende der Ausstellung, 7./8. Oktober, findet eine Tagung zum Thema "Herrschaft, Kirche und Bauern im nördlichen Bodenseeraum in karolingischer Zeit" statt. Veranstalter ist die Gesellschaft Oberschwaben für Geschichte und Kultur, der Kreis Sigmaringen sowie die Stadt Meßkirch.