Der Start der Renovierungsarbeiten in der Meßkircher St.-Martinskirche liegt zwar erst zehn Tage zurück, doch ist bereits viel in Bewegung. Die Kirchenbänke sind schon abtransportiert, die Heizung ist abgebaut, die Seitenaltäre fast nahezu durch eine Verkleidung geschützt und der Boden des Chorraums ist abgedeckt. Auf der oberen Empore herrscht ebenfalls große Betriebsamkeit. Dort ist der Orgelbauer Josef Maier aus Hergensweiler bei Lindau zusammen mit seinen drei Mitarbeitern und einer Mitarbeiterin damit beschäftigt, die Orgel abzumontieren, die Teile in Kisten zu verpacken und diese zu beschriften.

Orgel mit Altersschwächen

Die Orgel in St. Martin, die halb im Stil des Barock, halb im Stil der Romantik erbaut und in den 1950er Jahren angeschafft wurde, zeigte starke Altersschwächen, zumal zur Zeit der Erbauung nicht die allerbesten Materialien zum Einsatz kamen. Dies stellte für die Organisten in den vergangenen 20 Jahren eine besondere Herausforderung dar, da sie behutsam mit den Eigenheiten des Instruments umgehen mussten, um die Raffinessen der Werke herauszuarbeiten. Die Orgel aus der Werkstatt der Gebrüder Späth, die aus Ennetach stammen, wurde zwar damals elektromechanisch aufgewertet, doch ist dies aus heutiger Sicht misslungen.

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„Die Anlage und das technische System der Orgel ist veraltet. Ein Wiederaufbau auf diese Weise ist schon aus denkmalschutztechnischen Gründen nicht erlaubt“, erklärt Orgelbauer Josef Maier. Bisher reichten die seitlichen Teile der Orgel auf der Empore bis in die Ecken und verdeckten dadurch die Wandflächen. Dies sei nicht mehr gewünscht. Ebenfalls entspreche die Elektrik nicht den heutigen Vorschriften.

Unter den aufmerksamen Augen von Josef Maier (links), Inhaber der Orgelbaufirma Maier, stapelt Werkstattleiter Wolfgang Florian in der St.-Martinskirche fachgerecht die Holzpfeifen auf dem Lastenlift.
Unter den aufmerksamen Augen von Josef Maier (links), Inhaber der Orgelbaufirma Maier, stapelt Werkstattleiter Wolfgang Florian in der St.-Martinskirche fachgerecht die Holzpfeifen auf dem Lastenlift. | Bild: Isabell Michelberger

Doch etwa 400 Orgelpfeifen von insgesamt 2000, die aus dem Jahr 1910 stammen, könnten für eine neue Orgel gesichert werden. Aufgrund einer Untersuchung sei bereits vorab klar geworden, in welchem Zustand sich die Orgelpfeifen befinden. „Den genauen Holzwurmbefall sieht man jedoch erst, wenn die Pfeifen ausgebaut sind“, erklärt der Orgelbauer. Zu Überraschungen in Bezug auf deren Zustand werde es jedoch nicht kommen.

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Zügig und professionell sind alle dabei, die Holz- und Zinnpfeifen aus ihrer Position zu nehmen, sie in Kisten zu packen, zu beschriften und per Lastenaufzug nach unten zu befördern. Der Orgelbauer und für Intonation zuständige Reinhard Gunz hebt die eckigen Holzpfeifen vorsichtig aus ihrer Verankerung heraus und reicht sie an die Auszubildende Nicole Assies weiter, die unterhalb des Podests steht.

Der Lastenlift ist ein wertvolles Hilfsmittel beim Abbau der Orgel.
Der Lastenlift ist ein wertvolles Hilfsmittel beim Abbau der Orgel. | Bild: Isabell Michelberger

Martin Seitz, ebenfalls Orgelbauer, verstaut die Pfeifen sorgfältig in Holzkisten und beschriftet diese, bevor sie im Herz-Jesu-Heim gelagert werden. Werkstattleiter Wolfgang Florian legt die Kisten auf den Lastenaufzug und Josef Maier koordiniert die Arbeiten und packt zu, wo gerade Unterstützung gebraucht wird. Eine Woche lang ist das Team damit beschäftigt, bis alles ausgeräumt ist. Es ist nicht das erste Mal, dass Josef Maier mit seinen Mitarbeitern in Meßkirch zu tun hat. Seine Firma war bereits mit der Renovierung der Orgel in der Liebfrauenkirche beschäftigt.

Zwei Orgeln pro Jahr restauriert

Die Firma Maier restauriert pro Jahr etwa zwei Orgeln und baut eine neu. „Vor etlichen Jahren war das Verhältnis gerade umgekehrt. Da bauten wie zwei Orgeln neu und restaurierten eine“, erläuterte er die Entwicklung. „Das Orgelkonzept für die St.-Martinskirche ist noch nicht geschrieben“, erklärte der Fachmann. Auch steht noch nicht fest, wer dieses umsetzt. Es wird auf alle Fälle zu einer ganz neuen Orgelarchitektur kommen.

Abbau der Orgel.
Abbau der Orgel. | Bild: Isabell Michelberger