Meßkirch – Riesiges Glück hatte die SÜDKURIER-Wandergruppe, dass das Wetter während des Wandernachmittags stabil blieb, denn die Schlechtwetterfront mit dunklen Wolken und bedrohlich grollendem Donner blieb im Norden von Gnadenweiler hängen. So konnten sich die Teilnehmer mit Walter Knittel, Geschäftsführer von Donaubergland in Tuttlingen, gen Süden auf den Kapellen-Rundweg begeben. Er führte von der Kapelle "Maria, Mutter Europas" in Bärenthal-Gnadenweiler an markanten Aussichtsfelsen vorbei. Die etwa 50 Wanderfreunde genossen die herrliche Natur mit ihren erstaunlichen Felsformationen, den grandiosen Ausblick ins Bäratal, das fröhliche Miteinander und die kenntnisreichen Erläuterungen von Walter Knittel, der an allen Plätzchen etwas Interessantes berichten konnte.

"Es ist ein touristisches Phänomen, das sich hier abspielt", erläuterte Knittel zu Gnadenweiler. Mit der Kapelle und dem benachbarten Café habe sich der Weiler geradezu zu einer Sehenswürdigkeit entwickelt. Walter Knittel erzählte, dass der Weiler 1832 gegründet wurde. Er sei eine Schenkung des Fürsten von Sigmaringen gewesen, der sechs Bewohnern erlaubt habe, sechs Hektar Land zu bewirtschaften. Die Urbevölkerung habe es allerdings schwer gehabt in dieser unwirtlichen Gegend. Allein die Not wegen des starken Bevölkerungswachstums habe sie zu diesem Schritt getrieben.

Wie die Gruppe später von Rosemarie Dreher in der Kapelle "Maria, Mutter Europas" erfuhr, hätten die sechs ursprünglichen Bewohner wieder aufgegeben. Danach sei eine Gruppe von sieben Personen in den Weiler gezogen, die auf der kleinen Infrastruktur der Vorgänger aufbauen konnten und auch durchhielten. "Ich bin eine Eingeborene in der fünften Generation", lachte die Gnadenweilerin, die das Café in der Nähe der Kapelle betreibt. Sie erläuterte die Geschichte der Kapelle sowie deren Symbolik mit Freude.

Erstmals um die Jahrhundertwende hätten die Einwohner den Versuch unternommen, eine Kapelle in ihrem Gnadenweiler zu errichten, doch innerhalb kürzester Zeit seien sie bankrott gewesen. Den zweiten Versuch stoppte das Nazi-Regime in den Dreißigerjahren. Erst dem Elan und Durchsetzungswillen von Pater Notker aus Beuron sei es zu verdanken gewesen, dass genügend Geld zusammenkam, um die Kapelle "Maria, Mutter Europas" zu bauen. Als eine von fünf Kapellen in Europa soll sie nach dem Wunsch ihres Initiators den Glauben in Europa stärken und als Friedenssymbol dienen. Sie bietet durch Glaswände an zwei Seiten einen herrlichen Blick in die Landschaft. Die beiden anderen Wände sind aus heimischem Kalkstein gebaut, der an die historischen Ruinen denken lässt, die vormals Schutz und Sicherheit boten. Jedes Detail in der Kapelle, wie den Erläuterungen von Rosemarie Dreher zu entnehmen war, ist exakt durchdacht und mit Symbolik durchtränkt.

Die Tour führte über Wald- und Wiesenwege. Auf dem Kreuzleweg konnten die Wanderer etliche Kreuze bestaunen, die Adam Bisely in Erinnerung an seinen Vater, der im Dreißigjährigen Krieg starb, errichten ließ. Auf dem Däleweg, den die Wanderer hinaufschnauften, hatten früher die Ochsen das Wasser nach Gnadenweiler gezogen. Jeder konnte nachvollziehen, wie mühsam das Leben auf dem Hochplateau gewesen sein muss. Doch für die SÜDKURIER-Wanderer war alles entspannt. Wenn eine kleine Pause angesagt war, unterhielt Walter Knittel mit Informationen zur Region. Auch einige Mitwanderer trugen "G'schichtle" bei.

Die nächste Wanderung

Die SÜDKURIER-Sommer-Wanderungen gehen in der kommenden Woche weiter. Am Donnerstag, 10. August, wird Donaubergland-Geschäftsführer Walter Knittel ins Schäfertal und auf den Donauberglandweg bei Mahlstetten einladen. Alle Leser sind herzlich dazu eingeladen, sich an dieser Wanderung zu beteiligen, die wieder mit informativen Details gespickt sein wird. Gestartet wird um 13.30 Uhr am Wanderparkplatz beim Landgasthof Lippachmühle, an der Straße von Mühlheim/Donau nach Mahlstetten, teilt Walter Knittel mit. Eine nähere Beschreibung der Wegstrecke folgt nächste Woche in unserer Dienstagsausgabe. Nach dieser Wanderungen geht es mit den Sommertouren im Bereich der Redaktion Pfullendorf weiter. (mos)