Wegen unerlaubten Erwerbs von Betäubungsmitteln in 55 Fällen und wegen unerlaubten Besitzes in einem Fall hat das Amtsgericht Sigmaringen einen 20-Jährigen aus Meßkirch zu einer Geldauflage von 700 Euro verurteilt. Aus der Anklage ging hervor, dass der Mann in den vergangenen drei Jahren regelmäßig Marihuana für den Eigenbedarf erworben hatte, bis die Polizei dem mit einer Hausdurchsuchung im Juni 2018 ein Ende bereitete. In drei weiteren Fällen wurde auf Antrag der Staatsanwältin die Anklage vom Gericht per Beschluss eingestellt.

Je zwei Gramm zum Eigengebrauch

In der Verhandlung zeigte sich der Angeklagte weitgehend geständig. Wie bereits bei der Polizei zu Protokoll gegeben, habe er die Drogen in kleinen Mengen von zwei Gramm zum Preis von 25 bis 27 Euro in Pfullendorf, Meßkirch, Laiz und im Raum Tuttlingen für den eigenen Verbrauch gekauft. Eigentlich sei er bei der Drogenbeschaffung immer nur der Fahrer gewesen.

Nach Hausdurchsuchung „am Boden zerstört“

Der 20-Jährige erklärte, dass er nach der Hausdurchsuchung „echt am Boden zerstört“ gewesen sei. Nicht nur sein Vater, sondern auch sein ganzer Wohnort und sein Arbeitgeber wüssten darüber Bescheid. Danach habe er sofort mit dem Marihuana-Rauchen aufgehört. Viele Menschen, darunter auch sein Chef und seine Arbeitskollegen, unterstützten ihn auf diesem Weg.

Führerschein ist weg, Lehrzeit musste verlängert werden

Nach einer entsprechenden Mitteilung der Polizei habe ihm das Landratsamt den Führerschein entzogen. In der Zwischenzeit habe er jeglichen Kontakt zum einstmaligen Freundeskreis abgebrochen und bereits mit zwei Urinproben bewiesen, dass er keine Drogen mehr nehme. Aufgrund der Belastungen aus der Geschichte habe er seine Lehrzeit verlängern müssen.

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Jugendhilfe: „Jugendtypische Verfehlung“

Wolfgang Renn von der Jugendhilfe bezeichnete das Ganze als eine jugendtypische Verfehlung. Im Gespräch mit dem Angeklagten habe er erfahren, dass nach der Hausdurchsuchung „gehörig dicke Luft“ im Elternhaus geherrscht habe. In der Zwischenzeit habe der 20-Jährige bereits zwei negative Urinproben hinter sich gebracht und an der Vorbereitung für die medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU) teilgenommen, um seinen Führerschein wieder zu erhalten. Wolfgang Renn empfahl dem Gericht, Jugendstrafrecht anzuwenden. Eine Verwarnung und eine Geldauflage wären ausreichend.

Aus dem Auszug des Bundeszentralregisters ging hervor, dass der 20-Jährige ein Mal mit dem Gesetz in Konflikt geraten war. Das Verfahren war eingestellt worden.

Gegenstände werden nach Hausdurchsuchung eingezogen

In ihrem Plädoyer stellte die Staatsanwältin fest, dass sich die Anklage bestätigt habe. Der Angeklagte habe sich voll geständig gezeigt. Mit Blick auf die aktuelle Entwicklung des Angeklagten plädierte auch sie für die Anwendung von Jugendstrafrecht und hielt eine Geldauflage. Sie beantragte jedoch, die Gegenstände einzuziehen, die bei der Hausdurchsuchung sichergestellt wurden. Dazu zählten Hanfsamen, Tütchen und anderes.

Richterin warnt 20-Jährigen vor weiteren Straftaten

Das Gericht entsprach den Anträgen der Staatsanwältin. Neben der Geldauflage muss der Angeklagte die Kosten des Verfahrens bezahlen. In ihrer Urteilsbegründung warnte die Richterin den 20-Jährigen vor weiteren Straftaten. Ab dem 21. Lebensjahr sei endgültig Schluss mit der Anwendung des Jugendstrafrechts. Bei einer Verurteilung nach dem Erwachsenenstrafrecht müsse sie für jede angeklagte Tat eine Einzelstrafe auswerfen. „Denken Sie daran, was da mit 56 Einzelstrafen zusammen kommen würde.“

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