Die Firma Enercon plant auf der Gemarkung Krauchenwies/Mengen einen Windpark mit acht bis elf Anlagen. In zwei Informationsveranstaltungen wurde das Projekt den Bürgern zwar vorgestellt, aber in Rulfingen trafen sich nun etwa 100 Bürger, um das Für und Wider des Projekts zu diskutieren. Am Ende der Veranstaltung gab es ein Votum, wonach sich 83,3 Prozent gegen den Windradbau aussprachen und sich elf Prozent aufgrund der bisherigen Informationen noch keine Meinung bilden wollten. „Damit die Menschen vorbehaltlos diskutieren können, haben wir auf die Einladung der örtlichen Presse verzichtet“, erklärt Mitinitiator Sigurd Hüglin auf Anfrage des SÜDKURIER. Bei der Versammlung wurde moniert, dass die genauen Standorte weder von der Stadt Mengen noch vom Unternehmen genannt wurden.
 

„Wir gehen also von der qualitativ schlechten Karte aus, die die Firma Enercon auf ihrer Informationsveranstaltung präsentiert hatte und die acht Windkraftanlagen beinhaltet“, erläutert Hüglin. Die Gegner monieren, dass die Anlagen vom Typ E-141 EP4 mit einer Nabenhöhe von 159 Metern und einem Rotordurchmesser von 141 Metern mit der Gesamthöhe von 230 Metern sogar 14 Meter höher als der Stuttgarter Fernsehturm sei. Sie befürchten angesichts des vorgesehenen Abstandes von 1000 Metern zur Wohnbebauung erhebliche Lärmbeeinträchtigungen. Bezweifelt werden die von Enercon prognostizierten Lärmemissionswerte von 36 Dezibel. „Diese Geräuschkulisse hätte ich quasi Tag und Nacht“, erklärt dazu Reinhold Haller, der auf der Homepage „Windkraft Rulfingen“ als Ansprechpartner aufgeführt ist und der aus seiner grundsätzlichen Ablehnung von Windrädern keinen Hehl macht.
 

Die Versammlungsteilnehmer hätten die in Bayern gültige Reglung gefordert, wonach der Abstand zur Wohnbebauung das Zehnfache der Anlagenhöhe betragen muss. Bevor es zum Abschluss eines Pachtvertrages komme, müsse die Stadt Mengen eigene Gutachten bezüglich der Emissionswerte erstellen lassen, lautet eine weitere Forderung der Versammlungsteilnehmer.
 

Moniert wurden auch die dürftigen Informationen, wobei anwesende Stadträte bestätigten, dass man auch nicht mehr wisse. Wie andere ,befürchtet auch Reinhold Haller einen Wertverlust seiner Immobilie und berichtet aus der Nachbarschaft, wonach sich ein Kaufinteressent für ein Wohnhaus nach Bekanntwerden dieser Windkraftpläne zurückgezogen habe. Die Eigentümervereinigung Haus & Grund gehe von einem Wertverlust zwischen 30 Prozent und unverkäuflich aus. Ein Thema bei der Versammlung war nach Angaben von Sigurd Hüglin auch das in unmittelbarer Nähe befindliche Natura2000 Vogelschutzgebiet. Hier seien viele seltene Arten beheimatet, die womöglich durch die Anlagen „quasi gehäckselt“ würden.
 

„Wir sind im Moment ein loser Zusammenschluss besorgter Bürger. Die spätere Gründung einer Bürgerinitiative ist jedoch nicht ausgeschlossen“, antwortet er auf die Frage, wie es denn jetzt weitergeht. Jetzt will man eine eigene Informationsveranstaltung mit einem unabhängigen Referenten organisieren und die Stadt Mengen zu einer Vertagung ihrer Pachtpläne bewegen, damit sich die Räte besser informieren können.

 

Zeitplan

Für Krauchenwies hat Bürgermeister Jochen Spieß angekündigt, dass der Gemeinderat eine eigene Einwohnerveranstaltung am 6. Juni um 19.30 Uhr in der Waldhornhalle durchführen wird. Am 7. Juni wird die Stadt Mengen eine gleiche Veranstaltung anbieten. Die früheren Vorranggebiete, in denen Windkraftanlagen gebaut werden konnten, waren in den Regionalplänen enthalten und dort zurückhaltend ausgewiesen, was als „Verhinderungsplanung“ kritisiert wurde. Die grün-rote Landesegierung hat diese Regionalpläne aufgehoben und per Gesetz geregelt, dass man auf der Ebene der Regionalpläne und der Gemeindeverwaltungsverbände im Flächennutzungsplan der Windkraft „substanziell“ Raum geben soll. Der Gemeindeverwaltungsverband mit Mengen, Scheer und Hohentengen hat eine Konzentrationszone für Windkraft in deren Flächennutzungsplan bei Rulfingen ausgewiesen. (siv)