Sie wollen nur kurz mit dem Auto ihr Kind am Kindergarten oder an der Schule absetzen, sind damit aber nicht alleine: Sogenannte Elterntaxis führen im Landkreis Sigmaringen zu einem erhöhten Verkehrsaufkommen. Die Stadt Mengen hat darauf reagiert und den Ideenwettbewerb "Weg vom Auto" mit einem Preisgeld von insgesamt 1500 Euro ausgelobt. Bis 19. März können Eltern, Kinder, Schulen, Lehrer und andere ein Projekt einreichen, das schon umgesetzt oder künftig denkbar ist. Die ersten Ideen gibt es bereits, wie eine Informationsveranstaltung gezeigt hat.

"Es gibt Schulbusse, man kann Rad fahren oder laufen", fasst Eva Schultz von der Mengener Stadtverwaltung einige Alternativen zum Elterntaxi zusammen. In Mengen sind die besonders an der Ablachschule ein Problem, denn Eltern fahren dafür in eine Sackgasse und wenden laut Konrektorin Stefanie Klein häufig über den Lehrerparkplatz. Gerade beim Rückwärtsfahren komme es dann zu gefährlichen Situationen. Laut Cornelia Hund, städtische Mitarbeiterin im Hochbau, werde man künftig über bauliche Maßnahmen nachdenken müssen, wenn sich die Situation nicht bessert.

Klein berichtet von einer Projektgruppe, die sich seit einem Jahr für einen sicheren Schulweg einsetzt. In der Zwischenzeit habe sich auch etwas getan: Die Zahl der Fußgänger unter ihren Schülern habe sich von 24,8 Prozent in 2011 auf 30,3 Prozent im März dieses Jahres erhöht. Doch beim Thema Elterntaxi stoße man auf wenig Reaktionen. Dabei gebe es in einer Entfernung von weniger als 400 Metern einige Möglichkeiten, sein Kind abzuliefern oder abzuholen. Außerdem gibt es seit sieben Jahren den sogenannten Laufbus. Dabei begleitet je eine Mutter die Kinder von mehreren Sammelstellen aus auf dem Schulweg. Dieses Projekt wird Klein einreichen, wie sie sagt – auch in der Hoffnung, dass künftig eine zweite Strecke angeboten werden kann.

Einige Vorschläge kamen dabei direkt von betroffenen Kindern wie Tobias Frohnmüller. Der Viertklässler vertrat Mama Pauline, wie er sagte, die dem elfköpfigen Arbeitskreis "Weg vom Auto" angehört. Tobias Frohnmüller schlug eine Schranke vor, mit deren Hilfe nur Busfahrer in Schulnähe fahren können. Und wer ins Hallenbad möchte, bekommt eine Berechtigtenkarte. Ihn stört der viele Verkehr, an diesem Mittag sei wieder sehr viel los gewesen und er habe nur kurz über die Straße können. Auch Tabea Schultz, die ihre Mutter und Arbeitskreismitglied Ina Schultz begleitete, hatte eine Idee: Mit besseren Busfahrplänen würden vielleicht mehr Menschen den Bus nutzen.

Gesamtelternbeiratsvorsitzende Britta Boes ermunterte dazu, auch große Lösungen anzudenken, die eine allgemeine Verbesserung bringen. Sie sitzt in der fünfköpfigen Jury, die bei ihrer Auswahl Kriterien berücksichtigt wie gesellschaftlicher, sicherheitstechnischer, gesundheitlicher und wirtschaftlicher Nutzen, außerdem die Einsparung von CO². Der Termin der Preisübergabe wird noch bekannt gegeben.

Projektbeschreibung online unter www.mengen.de, Projekte nimmt Eva Schultz entgegen unter Mail eva.schultz@mengen.de

Elterntaxis sind im Kreis ein Thema

Mengen ist nicht die einzige Stadt, die ein Problem mit Autoverkehr in der Nähe von Kindergärten oder Schulen hat.

  • Sigmaringen: "Es ist regelmäßig zu den Stoßzeiten ein erhöhtes Fahrverkehr- und Parkaufkommen festzustellen", schreibt Anja Heinz als Pressesprecherin der Stadt Sigmaringen. Es seien bereits bauliche und verkehrsrechtliche Maßnahmen umgesetzt, um das sicher zu lenken, sie nennt eine Bring- und Abholzone an der Geschwister-Scholl-Schule als Beispiel. Auch Schulwegpläne mit Empfehlungen seien erstellt worden. Die Stadt rät: "Frische Luft, Bewegung und soziale Kontakte sind für Ihr Kind wichtiger als Bequemlichkeit."
  • Bad Saulgau: Hier gibt es bereits seit drei Jahren den "Laufenden Schulbus" mit mal mehr, mal weniger Resonanz, berichtet Pressesprecher Thomas Schäfers. Zu Schuljahresbeginn gebe es teils Geschwindigkeitskontrollen und bei der Berta-Hummel-Schule mache man sich Gedanken um die Verkehrssituation. Beispiele etwa aus Mengen seien aber wegen der spezifischen baulichen Situation schwer vergleichbar.
  • Pfullendorf: Laut Simon Klaiber vom Ordnungsamt Pfullendorf sind sogenannte Elterntaxis besonders an Schulen ein Thema. "Die Ergebnisse aus Mengen wird man sich anschauen und gegebenenfalls auf Pfullendorf übertragen", sagt er. Sein Tipp: Falls man doch mit dem Auto unterwegs ist, stets auf die Kinder Rücksicht nehmen und nicht immer das direkte Umfeld der Schule anfahren.
  • Meßkirch: "Wie überall, gibt es auch in Meßkirch einige Schüler, die mit dem Auto gebracht oder geholt werden", bestätigt Hauptamtsleiter Matthias Henle. Er rät, die Gegebenheiten der jeweiligen Schule im Blick zu behalten: "In Meßkirch haben wir an der Realschule und dem Gymnasium beispielsweise inzwischen eine gute Lösung über einen Neubau von Parkplätzen und Busschleife oberhalb der Schulen finden können." Ergebnisse aus Mengen werde man sich ansehen.