An vier Tagen haben die Mengener Heimattage das Bild und auch den Rhythmus der Fuhrmannstadt am vergangenen Wochenende bestimmt. Zu diesem nur alle vier Jahre stattfindenden Fest kamen nicht nur die Einheimischen und Gäste aus der Umgebung, sondern auch ehemalige Mengener, die teilweise auf anderen Kontinenten wohnen. Besuche aus den Vereinigten Staaten von Amerika oder gar aus Australien sind daher keine Seltenheit. Was sie nach Mengen lockt, ist auch die Vielseitigkeit: Die Heimattage bieten historische Kelten, Musik, Kunst, Zapfenstreich und Festumzügen sowie ein großes Feuerwerk.

In diesem Jahr stellten Künstler aus der kroatischen Partnerstadt Novska im Stadtmuseum Alte Posthalterei ihre Werke aus. Nach der Vernissage füllte sich der Platz vor dem Rathaus mit Menschen, die dem Sternmarsch aller Musikkapellen aus dem Stadtgebiet und dem Spielmannszug der Bürgerwache entgegen fieberten. Ein buntes Bild bot sich, als sich die verschiedenen Trachten der Musiker zum Gesamtchor nach Registern aufstellten. Im gut besetzten Festzelt erklärte Bürgermeister Stefan Bubeck nach einem gekonnten Fassanstich die diesjährigen Mengener Heimattage für eröffnet.

Und das war nur der Startschuss für zahlreiche Programmpunkte in der gesamten Stadt. So herrschte beispielsweise am Samstag ein buntes Treiben im Zentrum der Altstadt. Handwerker und Bauern zeigten, wie und mit welchen Werkzeugen sie früher ihre Arbeit verrichten mussten. Liebhaber von betagten Autos, Traktoren, Motorräder, Roller und Mopeds stellten ihre Schätze zur Schau. Die Schaubühne vor der Volksbank war am laufenden Band belegt von musizierenden und singenden Gruppen, die starken Zulauf und viel Beifall bekamen. Für das leibliche Wohl sorgten nicht nur die Angebote aus Buden, sondern auch ansässige Gastronomen. Die Alt-Mengener und ihre Jahrgänger waren am Nachmittag von der Stadtverwaltung im Zelt zu einer reich gedeckten Kaffeetafel eingeladen. Und an den Tischen gab es dann massenhaft Gesprächsstoff aus der Kinder-, Schul- oder Jugendzeit. 

Den Höhepunkt des zweiten Festtags bot die historische Bürgerwache im Ablachstadion mit einer Formationsparade und der Aufführung des Großen Zapfenstreichs. Bevor die uniformierte Truppe mit Abordnungen der Schützenkompanien aus Neustift und Schlanders (Nord- und Südtirol) im Gefolge einmarschierten, entstiegen der Museumskutsche der vormaligen Königlich Württembergischen Post die Kinder der kleinen Bürgerwache. Deren Kommandant meldete sogleich an Bürgermeister Stefan Bubeck und erntete dafür viel Beifall vom Publikum. Im Gefolge der Bürgerwache zogen die "Original Royal Sulgemer Crown Swamp Pipers" mit ihren Dudelsäcken, Trommeln und Pfeifen auf und fügten sich in die Aufstellung beim Musikzug ein. Ein paar durchziehende Regenwolken zwangen Zuschauer zwar zum Öffnen ihrer Schirme, aber der von Franz Feinäugle ausgearbeiteten Choreografie der Parade tat das keinen Abbruch.

Andere Klänge eröffneten den Sonntag: Kanonendonner von den Höhen des Missionsbergs und Musik vom Spielmannszug in den Straßen weckte frühmorgens die Bevölkerung. Der große Festumzug am Nachmittag zog mehrere tausend Zuschauer in das Städtchen und an die Hauptstraße. Angeführt von den Herolden zu Pferd des Reitvereins Aach-Linz bis zur Bürgerwache nahmen nahezu 80 Gruppen, aufgeteilt in zwei Thementeile, den Weg durch die Stadt zum Festplatz. Ein schweres Gewitter zwang am Abend für kurze Zeit zur Räumung des Festzelts, zog jedoch in abgeschwächter Form donauabwärts und erlaubte beinahe pünktlich das Abbrennen des Feuerwerks.

Den Kindern und Jugendlichen gehörte der Montag. Alle Kindergärten und Schulen der Stadt beteiligten sich am Schülerfestzug. Dabei gab es vier Themenblöcke: Spiele und Märchen aus aller Welt, der fröhliche Alltag aus Schule, Sport und Arbeitswelt, Menschen im Spiegel der Jahrhunderte und die Geschichte von Mengen und Umgebung. Auf dem Sportgelände bauten Feuerwehr und Vereine eine Spielstraße auf, wo Kinder ihre Geschicklichkeit beweisen konnten.

Organisation

Jeweils im Jahr vor den Heimattagen lädt die Stadtverwaltung zu einem Treffen ein, bei dem ein Ausschuss gebildet wird. Daran beteiligen sich Vertreter örtlicher Vereine, Schulen, Kindergärten, Feuerwehr, Polizei, Lokalpresse und der beiden Kirchen. In Abständen von mehreren Wochen trifft sich dieser Ausschuss und bespricht die bereits getätigten und die noch ausstehenden Vorbereitungen, bis alle Punkte kurz vor Beginn erledigt sind. Die Heimattage finden alle vier Jahre statt, der nächste Termin ist 2021.