Sie ist die erfolgreichste deutsche Sportlerin aller Zeiten bei den Paralympics – den Olympischen Spielen für Sportler mit Behinderung. Insgesamt zwölf Mal Gold gewann sie im Biathlon und Skilanglauf. Allein fünf Goldmedaillen errang sie 2010 in Vancouver. Sie wurde mit dem Laureus World Sports Award und dem Bambi in der Kategorie Sport ausgezeichnet. Die Rede ist von Verena Bentele. Die blinde Spitzenathletin war Hauptreferentin beim Volksbankabend der Volksbank Bad Saulgau. Mehrere Hundert Menschen kamen ins Bürgerhaus Ennetach, um zu hören, was die 36-Jährige zum Thema Vertrauen zu sagen hat.

Volksbank-Vorstandsmitglied Klaus Remensperger sprach in der Begrüßung von kundenorientiertem Handeln, das in den 22 Filialen mit 223 Mitarbeitern praktiziert werde. Neue digitale Angebote und erweiterte Beratungsmöglichkeiten sollen zur Stärkung der Kundenbindung beitragen. 63 Prozent der Kontoinhaber würden bereits das Online-Banking nutzen. Welche digitalen Möglichkeiten es darüber hinaus gibt, zeigte ein Video, das unter anderem das Bezahlen per Smartphone in Afrika veranschaulichte.

Dort war auch Verena Bentele schon unterwegs. 2013 bestieg sie den Kilimandscharo (5895 Meter hoch), den höchsten Berg Afrikas. Und als erster blinder Mensch auch den 100 Kilometer südwestlich gelegenen Mount Meru (4562 Meter). Außerdem bestritt sie 2013 und 2014 den 540 Kilometer langen Radmarathon von Trondheim nach Oslo. Ihre Bestzeit liegt bei 22 Stunden und 23 Minuten. Es blieb der nicht erfüllte Wunsch nach einer Zeit von unter 20 Stunden. Dafür machte sie einmal mehr die Erfahrung, wie wichtig Vertrauen ist. Denn ohne dieses hätte sie keinen ihrer sportlichen Erfolge erzielen können, sagt Bentele. Sie ist von Geburt an blind und immer darauf angewiesen, dass sie jemanden an ihrer Seite hat, der sie führt. Auch beim Skifahren. Ob Abfahrt oder Langlauf. Sie braucht Hinweise, wo es langgeht.

Die junge Frau schloss ihr Studium der Literaturwissenschaften an der Ludwig-Maximilians-Universität München mit der Note "sehr gut" ab und ließ sich zum Systemischen Coach ausbilden. Um sich als Expertin für Personalentwicklung zu etablieren, beendete sie Ende 2011 nach 15 Jahren ihre Sportkarriere. Seitdem ist sie als Rednerin auf Kongressen unterwegs und schult Führungskräfte.

In Ennetach steht sie auf der Bühne und erzählt so lebendig, dass während der 60 Minuten nie Langeweile aufkommt. Nur ein paar Stichworte in Blindenschrift hat sie auf einem Kärtchen. „Wenn du blind bist, musst du viel Kontrolle über alles Mögliche haben, damit du im Alltag zurechtkommst“, sagt sie. Immer wieder ist sie aber darauf angewiesen, fremden Menschen zu vertrauen. Wenn sie in Berlin ist, dann vertraut sie auf eine spezielle App ihres Handys. Doch wenn die Technik versagt, dann muss sie jemanden nach dem Weg fragen und darauf vertrauen, dass sie nicht fehlgeleitet wird.

„Kontrolle führt ans Ziel, Vertrauen führt aufs Siegertreppchen“, sagt die ehemalige Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, die seit Mai Bundesvorsitzende des Sozialverbandes VdK ist. Für sie ist klar: „Wirklich blind ist, wer nicht vertrauen kann.“ Am Sonntag ist sie sportlich unterwegs: Der Marathon in München steht in ihrem Terminkalender. Bentele ist dabei auf die Hilfe eines Begleitläufers angewiesen. „Aber ich kann ihm voll vertrauen.“ Sie stammt aus Wellmutsweiler bei Tettnang und konnte sich auf dem elterlichen Demeter- Bio-Bauernhof zusammen mit ihrem ebenfalls blinden Bruder austoben. "Dort musste ich mit anpacken und habe gelernt, Verantwortung zu übernehmen und selbstständig zu werden."

Ohne Vertrauen in ihre Eltern, in ihre Helfer beim Sport und viele andere Menschen, die sie bislang begleitet haben, wäre ihr Erfolg nicht möglich gewesen, erzählt sie.

„Barrierefreiheit ist ein wesentliches Thema“

Klaus Remensperger ist seit 1. Juni 2013 Vorstandsmitglied der Volksbank Bad Saulgau.

Verena Bentele ist auch Bundesvorsitzende des VdK. Der setzt sich sehr für Barrierefreiehit ein. Wie hält es die Volksbank damit?

Für uns ist Barrierefreiheit insbesondere hinsichtlich der Gestaltung der eigenen Filialen und Einrichtungen ein wesentliches Thema. Hier wurden bereits in den vergangenen Jahren Investitionen getätigt. Der Neubau der Hauptstelle in Bad Saulgau wurde komplett barrierefrei gestaltet. Stufenlose Eingänge, rollstuhlgerechte Geldausgabe, Automaten und behindertengerechte Kundentoiletten wurden hier realisiert. Auch bei unseren Beratungszentren und den meisten Filialen wurde der barrierefreie Zugang geprüft und wo machbar auch umgesetzt.

Barrierefreie Wohnungen werden wohl ein Zukunftsmarkt sein. Wie engagiert sich die Volksbank in diesem Segment?

Das Segment „altersgerechtes Wohnen“ ist bei vielen Immobilienvorhaben der letzten Jahre ein mitentscheidender Faktor. Eine große Rolle spielt dabei die Umsetzung der Barrierefreiheit. Diese ist bei bei vielen Neubauten von Anfang an fester Bestandteil, findet aber auch bei der Modernisierung und Sanierung von bestehendem Wohnraum immer mehr Berücksichtigung. Wir begleiten als Wohnbaufinanzierer ihre Kunden in der Umsetzung dieser Vorhaben. Dabei werden natürlich sämtliche öffentliche Fördermittel in einer Finanzierung mitberücksichtigt und angeboten. Auf dem ehemaligen Parkplatzgelände der Volksbank wurde erst kürzlich eine Wohnanlage für altersbetreutes Wohnen eröffnet. Wir haben unser Gelände gerne für die Realisierung dieses Vorhabens zur Verfügung gestellt.

Fragen: Karlheinz Fahlbusch