Ab dem 19. Jahrhundert sind zahlreiche Flüsse in Deutschland an vielen Stellen begradigt worden, darunter auch die Donau. Ziel dieser Maßnahmen war, die fruchtbaren Böden der Donauauen landwirtschaftlich zu nutzen und durch schnelleren Abfluss auftretendes Hochwasser und dessen Ausuferung entgegenzuwirken. Die Gewässer gruben sich jedoch immer tiefer in die ihnen aufgezwungenen Flussbette und durch das Fallen der Oberflächenwasserstände sanken auch die umgebenden Grundwasserstände, was sich negativ auf die Landwirtschaft und auch auf Gebäudefundamente auswirkte. Man erreichte also genau das Gegenteil von dem, was man sich erhofft hatte.

Weil man diesen Auswirkungen entgegentreten wollte, beschloss die Landesregierung Baden-Württemberg am 28. Januar 1992 das integrierte Donauprogramm (IDP). Es handelt sich dabei um ein ganzheitliches Konzept, das Hochwasserschutz und Ökologie gleichgewichtig berücksichtigt. Damit will man Maßnahmen zur Verbesserung der Gewässerstruktur, der Durchgängigkeit für Fische und andere Tiere, der Vernetzung von Lebensräumen mit den Erfordernissen des Hochwasserschutzes vereinen.

Die Donau zwischen Blochingen und Hundersingen ist damals eines der ersten Gebiete gewesen, das renaturiert wurde. Jetzt hat das Regierungspräsidium Tübingen zu einer Führung an den Aussichtspunkt Sandwinkel zwischen Blochingen und Beuren eingeladen, um diese IDP-Maßnahme vorzustellen. Helmfried Meinel aus dem Umweltministerium hatte dabei eine gute Nachricht im Gepäck: Trotz einsetzender „Haushaltsmittel-Demenz“ sei weiter Geld vorhanden. Man müsse nicht befürchten, dass für die Gewässerökologie und den Hochwasserschutz das Geld ausgehe.

Die Gewichtung der Veranstaltung zeigte sich durch die Teilnahme von Ministerialdirektor Helmfried Meinel, Amtschef im Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft, und dem Tübinger Regierungsvizepräsidenten Utz Remlinger. In Vertretung von Bürgermeister Stefan Bubeck wies CDU-Gemeinderätin Brunhilde Raiser auf die Wichtigkeit des IDP hin. Sie schloss aber auch die Frage an, wie das Gleichgewicht der verschiedenen Interessen hergestellt werden könne. „Wer braucht was und was passt?“ Darüber wünsche sie sich fruchtbare Streitgespräche, denn auch die Belange der Kommune müssten berücksichtigt werden. „Wir bleiben selbst aktiv“, fügte Raiser an.

Der seinerzeit für das Projekt verantwortliche Biologe Helmut Klepser stellte die einzelnen Schritte am Teilstück der Donau vor. Als großen Vorteil nannte er die Tatsache, dass das Land 25 Hektar Fläche an einem Stück erwerben konnte. Lobend erwähnte Klepser auch die Mitwirkung der Flurbereinigung sowie aller Landkreise, von Donaueschingen bis nach Ulm. Durch die Renaturierung habe sich der Lauf der Donau um bis zu 40 Prozent verlängert.

Das Programm

Das integrierte Donauprogramm (IDP) ist ein ganzheitliches Konzept, das Hochwasserschutz und Ökologie gleichgewichtig berücksichtigt. Es beinhaltet Projekte wie Renaturierungsmaßnahmen, Bau von Fischaufstiegen und Umgebungsrinnen sowie Ausweisung von Naturschutzgebieten.

Bisher wurden 34 zentrale und dezentrale Maßnahmen an 43 Gewässerstrecken der baden-württembergischen Donau umgesetzt. Darin sind 31 Querbauwerke für Fische und andere Wasserlebewesen enthalten. Der Naturschutz konnte 17 neue Naturschutzgebiete, vier Gebiete als Flora-Fauna-Habitat und vier Vogelschutzgebiete entlang der Donau ausweisen. Informationstafeln entlang des Donauradwegs stellen die Projekte vor und liefern allgemeine Information zum Gewässer.

Informationen unter der Telefonnummer 0 73 71/18 73 44, per E-mail an poststelle@rpt.bwl.de oder im Internet: www.rp-tuebingen.de