In Baden-Württemberg ist jetzt Schluss mit geschotterten Gärten, die keine Nahrung und keinen attraktiven Lebensraum für Insekten und andere Tiere bieten. Die grün-schwarze Landesregierung hat einen entsprechenden Gesetzentwurf vorgelegt. Dass ein Steingarten auch komplett anderes sein kann, sieht man in Leibertingen auf den ersten Blick.

Video: Johanson, Kirsten

Denn mit einer tristen Gleisbett-Kiesfläche hat der Vorgarten von Thomas Heinrich und Beatrice Lier rein gar nichts zu tun. „Bienen, Hummeln und Taubenschwänzchen geben sich täglich ein Stelldichein und summen um die Wette. Ein Steingarten kann also auch leben“, hatte Beatrice Lier dem SÜDKURIER in Aussicht gestellt.

Gartentipps von Beatrice Lier und Thomas Heinrich

Früher befand sich vor dem Haus des Ehepaares, das die Jugendherberge auf der Burg Wildenstein betreibt, ein Rasen. Doch vor drei Jahren beschloss Thomas Heinrich, von Beruf Gartenarchitekt, sich den Wunsch eines Steingartens zu erfüllen. Heimische Kalksteine sollten es sein, denn wozu Granit aus Vorarlberg, wenn in der Heimat die schönen gelb-weißen Steine buchstäblich vor der Haustür liegen?

Ein Traum in Pink-Violett: Zwischen Phlox, Lavendel und Bodendeckerrosen wächst Scheinsonnenhut (Echinacea purpurea). Die Staude wird wegen ihres stacheligen Zentrums auch Igelköpfchen genannt und ist ein wahrer Schmetterlings- und Bienenmagnet.
Ein Traum in Pink-Violett: Zwischen Phlox, Lavendel und Bodendeckerrosen wächst Scheinsonnenhut (Echinacea purpurea). Die Staude wird wegen ihres stacheligen Zentrums auch Igelköpfchen genannt und ist ein wahrer Schmetterlings- und Bienenmagnet. | Bild: Johanson, Kirsten

Zunächst trug er gut zehn Zentimeter Boden ab und breitete ein Unkrautvlies aus, damit zwischen den Steinen nicht allzu viel Unerwünschtes sprießt. Als Grundpflanzen wählte er sechs Buchskugeln aus, die zwar schon acht bis zehn Jahre alt, aber von der Größe nicht zu einnehmend sind. „Buchs ist langsam wachsend“, erklärt Thomas Heinrich. Drumherum gruppieren sich mehrjährige Stauden, die wärmeliebend und eher trockenheitsresistent sind.

Lavendel kommt gut mit Trockenheit und Hitze zurecht. Außerdem hält er Läuse fern.
Lavendel kommt gut mit Trockenheit und Hitze zurecht. Außerdem hält er Läuse fern. | Bild: Johanson, Kirsten

Die Steine speichern Wärme, was Pflanzen wie Lavendel besonders mögen. Und tatsächlich tanken jede Menge Bienen und Hummeln an den Blüten Nektar. Auch mehrere Taubenschwänzchen lassen sich blicken. Die Schmetterlinge sehen aus wie kleine Kolibris.

Gartensteckbrief: Alles, was Sie über diesen Garten wissen müssen

  • Größe: Der Vorgarten ist etwa zehn auf sechs Meter groß. Um ihn von einer Rasenfläche in einen toll bepflanzten Steingarten zu verwandeln, brauchte Thomas Heinrich gut 60 Stunden. Wer ein solches Projekt bei einem Gärtner in Auftrag gibt, muss mit Kosten von zirka 3000 Euro plus Pflanzen rechnen, schätzt Heinrich.
  • Farben: Im Vorgarten überwiegen jetzt im Sommer die Farben Weiß, Pink und Violett. Der Gemüsegarten ist kunterbunt, dafür sorgt unter anderem ein Wildblumenbeet. Die Samenmischung hierfür stammt von der Mössinger Saatgutmanufaktur.
  • Pflanzen: Frauenmantel und Katzenminze eröffnen den Frühsommer, für einen üppigen Flor sorgen aktuell weiße und rosafarbene Bodendeckerrosen, bald stehen Echinacea und gelber Sonnenhut in voller Blüte. Im Herbst sind es dann Fetthenne und Astern. Als dekorative Lückenfüller fungieren Hauswurz. Die Pflanzen kommen sehr gut mit Hitze und Trockenheit zurecht. Die Pflanzen im Vorgarten werden weder gespritzt noch gedüngt und auch nur dann gegossen, wenn es sehr trocken ist.
Selbstgemachte Gartendeko aus einem alten Brett mit eingesetzten Butzenscheiben.
Selbstgemachte Gartendeko aus einem alten Brett mit eingesetzten Butzenscheiben. | Bild: Johanson, Kirsten

Corona sorgte dafür, dass das Ehepaar nicht in der Jugendherberge arbeiten konnte. So nutzte es die Zeit im Garten. Erstmals legten die beiden einen großen Gemüsegarten mit Kartoffeln, Fenchel, Lauch, Kürbis, Sellerie, Roter Bete und vielen anderen Gemüsesorten an.

Einjährige Ringelblumen blühen von Juni bis Oktober. Wie Tagetes halten sie Schnecken aus dem Gemüsebeet fern.
Einjährige Ringelblumen blühen von Juni bis Oktober. Wie Tagetes halten sie Schnecken aus dem Gemüsebeet fern. | Bild: Johanson, Kirsten

Dazwischen setzen Kosmeen, Ringelblumen und Tagetes bunte Farbtupfer. Im März hat Thomas Heinrich den Gemüsegarten mit Pferdemist vom Nachbarhof gedüngt.

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