Heinrich Sturm

Der Distelhummelhof kann in der Gemeinde Leibertingen bleiben. Die Betreiber, Julianna Ranzmeyer und Carsten Weber, haben in einem der Bannhöfe südöstlich der Ortschaft Leibertingen einen neuen Standort gefunden. Bereits am Samstag sind sie mit den ersten Tieren umgezogen. Da die neue Hofstelle nicht weit entfernt vom alten Standort liegt, machten sich die beiden mit ihren acht Eseln und zahlreichen Helfern zu Fuß auf den etwas über zwei Kilometer langen Weg. Bald werden die anderen Tiere folgen.

Neuer Standort nach sieben Jahren

„Wir waren fast schon soweit, das Projekt Distelhummelhof aufzugeben“, sagt Julianna Ranzmeyer. Sie könne ihr Glück noch gar nicht fassen, ergänzt sie. „Dass wir den neuen Hof gefunden haben, ist wie ein Sechser im Lotto“, freut sich auch Carsten Weber, dass es mit dem Distelhummelhof weiter gehen kann. Den beiden war im Juli nach sieben Jahren auf der alten Hofstelle endgültig gekündigt worden. Der Kündigung war ein langer Streit mit dem Eigentümer vorausgegangen.

Nach einer langen Phase der Ungewissheit können Ranzmeyer und Weber nun am neuen Standort neu beginnen. Das vornehmliche Ziel des Distelhummelhofs, die Artenvielfalt zu fördern, bleibt weiter bestehen. Im Mittelpunkt steht dabei wie bisher die Produktion und Verarbeitung von hochwertiger Rohwolle, die von den aktuell 170 Schafen auf dem Hof stammt. Fast alle 200  Tiere auf dem Distelhummelhof einschließlich der Schafe dienen zur Landschaftspflege. Der neue Hof bietet aber auch neue Möglichkeiten: Die beiden können sich beispielsweise vorstellen, eine barrierefreie Ferienwohnung einzurichten. Auf die Idee kam Julianna Ranzmeyer, weil eines der beiden Häuser einen Aufzug besitzt, den die Vorbesitzerin für ihren erkrankten Ehemann einbauen ließ. „Wir haben gehört, dass sich die Gemeinde Leibertingen stärker touristisch ausrichten will, da passt das vielleicht ins Konzept“, sagt Carsten Weber.

Stiftung Naturschutz engagiert sich

Die beiden hatten doppeltes Glück. Sie haben auf dem Bannhof nicht nur einen neuen Arbeits- und Lebensraum gefunden, mit der „Stiftung Naturschutz“ gibt es nun auch einen langfristigen Unterstützer für ihr Projekt. Die in Speyer ansässige Organisation hat den Bannhof und die Grünflächen gekauft und an die beiden verpachtet. Der Vorsitzende, Jochen Bresch, hatte über eine Mitarbeiterin von der Notlage des Distelhummelhofs erfahren. „In unserer Grundordnung ist Eigentum der stärkste Schutz“, begründet Bresch den Kauf von Hof und Fläche für den Naturschutz auf Nachfrage des SÜDKURIER. Bresch hofft, dass sich auf den Flächen durch die geplante Beweidung Arten ansiedeln, die auf der Roten Liste stehen.

Julianna Ranzmeyer und Carsten Weber sind froh, dass sie mit dem neuen Standort für den Distelhummelhof beruflich und privat wieder eine Zukunft haben. „Wir sind den Helferinnen und Helfern, die uns insbesondere in der letzten Zeit so intensiv unterstützt haben, sehr dankbar. Wir haben so viel Beistand erhalten“, sagt Ranzmeyer. Und Weber: „Wir sind sehr erleichtert und glücklich, dass wir in der Region bleiben können.“

Das könnte Sie auch interessieren