Die Mitglieder der Bürger-Energiegenossenschaft Leibertingen eG (BEG) trafen sich zur Jahresversammlung im Bürgersaal Alte Schule in Kreenheinstetten. Es ging um nicht weniger als die Fragen, wie sich die Genossenschaft in künftigen Jahren aufstellt, wo sie investiert oder wie die Zukunft generell aussehen könnte. Eine Grundsatzentscheidung stand an und die Mitglieder zeigten entsprechend großes Interesse.

Laufzeit endete im April

2009 errichtete die Energie Baden-Württemberg AG (EnBW) auf der Gemarkung von Leibertingen einen Solarpark. Die EnBW bietet bei solchen Projekten Beteiligungen für die Bevölkerung an, um mehr Akzeptanz zu erreichen. In Leibertingen wurde hierzu die BEG gegründet. Insgesamt 300 000 Euro investierte die BEG im Jahre 2010 als Darlehen in den Solarpark. Die Laufzeit von zehn Jahren lief Ende April 2020 aus. Die Bemühungen der BEG um neue Möglichkeiten für Investitionen für dieses Geld zu finden, erwiesen sich bisher erfolglos. Vorstandsmitglied Uli Schmid bemerkte dazu, „das geht vielen Bürger-Energiegenossenschaften so!“

Zwei Angebote der Beteiligung

Ingo Schievink, Projektleiter Erneuerbare Energien der EnBW, stellte in der Versammlung zwei Angebote für eine Beteiligung der BEG am neuen Solarpark Leibertingen 2 vor. Seit August 2019 ist dieser Solarpark in Betrieb. Auf sieben Hektar stehen Solarmodule, die für rund 1570 Haushalte den jährlichen Strombedarf abdecken können. Die Anlage ist erfolgreich. Dieses Jahr sind bis 7. Oktober bereits 5101 Megawattstunden (MWh) erzeugt worden. Das entspricht 97 Prozent des Planwerts für 2020.

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Als Angebot steht eine direkte Beteiligung am Unternehmen einer rein finanziellen Beteiligung gegenüber. Im ersten Fall käme eine Unternehmensbeteiligung mit mindestens 15 Prozent und höchstens 49,9 Prozent in Frage. Mit Anteilen von 25,1 Prozent könnte die BEG ungewollte Beschlüsse des Unternehmens verhindern. 934 000 Euro wären zum 1. Januar 2021 für eine 25,1-Prozent-Beteiligung fällig, war von Schievink zu erfahren. Der mögliche Ertrag aus der Beteiligung wurde mit drei Prozent angegeben.

Garantierte Festverzinsung

Das zweite Angebot der EnBW ist eine Beteiligung mit einem Nachrangdarlehen. Die Laufzeit beträgt zehn Jahre, die garantierte Festverzinsung 3,25 Prozent. Dies gilt für eine Darlehenssumme bis zu 400 000 Euro. Vertragspartner wird die EnBW Zweckgesellschaft, die 100-prozentige Tochter der EnBW Solar GmbH ist, die wiederum 100-prozentige Tochter der EnBW AG ist.

Vorstand kritisch zu Unternehmensbeteiligung

Nach Auffassung des Vorstands BEG würde eine Unternehmensbeteiligung nur Sinn machen, wenn mindestens eine 25,1 Prozent-Beteiligung abgeschlossen würde. Mitglieder müssten zusätzlich viel Geld investieren oder entsprechend neue Mitglieder gefunden werden, was beides als unwahrscheinlich gilt. Eine Bank würde ein größeres Darlehen geben. Die Gemeinde kann sich auch beteiligen. Für Bürgermeister Armin Reitze kommt dies jedoch nicht in Frage.

Befürchtung von Zahlungsschwierigkeiten

Nach Aussagen von Schmid würde die Investition mit Bankdarlehen eine Dividende an die Mitglieder der Genossenschaft für mindestens zehn bis 15 Jahre sehr gering halten bis ganz ausfallen lassen. Deshalb befürchtet der Vorstand, dass Mitglieder ihre Anteile an der Genossenschaft kündigen könnten. Dies würde zu Zahlungsschwierigkeiten wegen geringem Eigenkapital der BEG führen. „Die Zahlen haben uns nicht überzeugt“, bemerkte Schmid als Fazit des gesamten Vorstands.

Unternehmensbeteiligung könnte sich langfristig lohnen

Etliche Stimmen im Saal sprachen sich trotzdem für eine Beteiligung am Unternehmen aus. So würde man der Idee der Investition in erneuerbare Energie in eigener Hand mehr gerecht. Jörg Dürr-Pucher sieht „zu wenig Feuer“ im Engagement der Genossenschaft. Auch wenn längere Jahre kaum Dividende anfiele, könne sich doch langfristig alles lohnen. Fritz Mayer ist für das Darlehen. Zugleich warb er dafür, eigene Projekte im näheren Umfeld zu suchen. Die Entscheidung fiel nach langer Diskussion mit etwa zweidrittel der Stimmen für das Nachrangdarlehen mit Festzins von 3,25 Prozent.

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Die BEG betreibt derzeit drei Solar-Dachanlagen in Altheim, Thalheim und Kreenheinstetten, die Gewinn abwerfen. Auch hier stellt sich die Frage, was sein wird, wenn die Anlagen nach 20 Betriebsjahren aus der EEG-Förderung fallen. 2030 ist dies für Altheim und Kreenheinstetten der Fall.

Dividendenausschüttung von ein Prozent

Bei der Abstimmung zur Verwendung des Jahresüberschusses für 2019 wurde auf Vorschlag des Vorstands für eine Dividendenausschüttung von ein Prozent gestimmt, um die Liquidität zu sichern.

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