Das Wandbild in einem Aufenthaltsraum der Leibertinger Wildenstein-Grundschule bleibt. Mit diesem einstimmig gefassten Beschluss wies der Gemeinderat das Ansinnen einer Petition zurück, das Bild zu übermalen. Die Urheber der Petition und 30 Unterzeichner sehen in dem Bild eines Schlosses aus der Märchenwelt von 1001 Nacht Werbung für den Islam. Sie machen das besonders an den Halbmonden fest, mit denen die Schlosstürme gekrönt sind. Das Pikante an der Eingabe ist, dass das Bild bereits seit neun Jahren existiert.

Gemeinde befindet als Schulträger über die Petition

Einer der beiden Urheber der Petition ist der Leibertinger Michael Koppatz, ein langjähriges Mitglied des AfD-Kreisvorstandes. Die Unterschriften wurden bereits im März gesammelt. Weil es sich um eine öffentliche Eingabe an die Schule und damit an die Gemeinde als Schulträger handelt, musste sich der Gemeinderat mit der Petition beschäftigen.

Urheber der Petition fordern, dass das Bild unkenntlich gemacht wird

In der Petition begründen Michael Koppatz und Mitinitiator Patrick Biselli ihr Engagement mit dem Hinweis, dass die Kinder durch dieses Bild "zwangsweise mit dem Islam und seinen Symbolen" konfrontiert würden. Davon sollten die Schüler "verschont" werden. In der Einleitung wird betont: "Wir protestieren hiermit entschieden, dass unsere Wildenstein-Schule für religiös-politische Ziele Einzelner missbraucht wird und fordern eine umgehende Unkenntlichmachung des eindeutig islamischen Motivs in dem Freiarbeitsraum."

Malerin des Bildes unterstellt Antragstellern Instrumentalisierung

Mit diesem Satz fühlt sich Annette Feldheim angesprochen. Sie arbeitet heute als Erzieherin im Kindergarten. 2010 war sie allerdings als 450-Euro-Kraft in der Schule engagiert. Sie wirkte maßgeblich bei der Einrichtung des Schülerarbeitsraumes mit und malte auch das jetzt in die Kritik geratene Bild. Sie kontert die Ausführungen der Petitenten in ihrer offiziellen Stellungnahme so: "Es sind wohl eher die Antragssteller, die ein harmloses Märchenbild instrumentalisieren, um ihre persönliche politische Haltung zum Ausdruck bringen zu können und ihr Gedankengut zu verbreiten." Im Gespräch mit dieser Zeitung betont die Erzieherin, sie habe lediglich etwas Schönes für die Kinder schaffen wollen und keine Beziehungen zum Islam. Sie wirft den Initiatoren vor, das Bild "im Interesse einseitiger politischer Auffassungen" zu interpretieren.

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Initiatoren wollen Unterzeichner nicht benennen

Die Eingabe wurde nach Angaben von Patrick Biselli und Michael Koppatz von 31 Personen unterzeichnet. Die Urheber der Eingabe weigerten sich, die Unterschriftenliste im Vorfeld der Gemeinderatssitzung an die Verwaltung weiterzuleiten, wie aus einem Schreiben an Bürgermeister Armin Reitze hervorgeht. Sie begründen ihre Haltung mit dem Hinweis, Unterzeichner seien von einzelnen Mitbürgern im Ort als "Nazis" verleumdet worden. In dem Schreiben heißt es weiter: "Wir möchten die betreffenden Personen vor Diffamierungen verschonen und erst die Gemeinderatssitzung abwarten."

Neun Unterstützer haben Kinder an der Leibertinger Grundschule

Bürgermeister und Gemeinderat bekamen stattdessen für ihre Sitzung eine statistische Auswertung der 31 Unterschriften übermittelt. Danach sind neun Unterzeichner direkt betroffen, weil ihre Kinder die Leibertinger Grundschule besuchen. 20 Unterschriften stammen von Vätern oder Müttern, deren Söhne und Töchter weiterführende Schulen besuchen oder noch im Kleinkindalter sind. Unterschrieben hätten auch kinderlose Bürger und zwei Auswärtige aus umliegenden Gemeinden. Koppatz schreibt, man sei gerne bereit, dem Bürgermeister die Liste vorzulegen.

Schulleiter warnt Initiatoren vor "blinder Bilderstürmerei"

Schulleiter Hubert Stekeler, der sich derzeit im Urlaub befindet, betont in einer schriftlichen Stellungnahme an den Bürgermeister, dass er keinen Anlass sieht, das Bild zu übermalen. Er habe den Petitenten aber vorgeschlagen, das von ihnen angebotene Übermalprojekt mit einem Landschaftsbild an einer anderen Wand in der Schule zu verwirklichen. In seiner Antwort an Koppatz und Biselli warnt der Schulleiter vor "blinder Bilderstürmerei", der die Schule nicht zustimmen oder gar beitreten wolle. Die Gesamtlehrerkonferenz teile die Einschätzung des Rektors. Die Pädagogen verweisen auf das Selbstverständnis der Grundschule, nach der die Schule "christlich orientiert" und gleichzeitig "weltoffen für das nicht wertende Kennenlernen und Erfahren der kulturellen Verschiedenheiten auf der Welt" sei. Nach den Osterferien, so kündigte Stekeler gegenüber der Verwaltung an, werde eine Schulkonferenz einberufen.

Gemeinderäte zeigen kein Verständnis für Petition

Im Gemeinderat stieß die Petition auf kein Verständnis. Ratsmitglieder äußerten die Einschätzung, das Bild sei harmlos und habe mit dem Islam nichts zu tun. Deshalb sei die Neutralitätspflicht der Schule unberührt.