Weihnachten, Ostern, Sommerferien – und der Wildensteiner Jahrmarkt. So sieht die Reihenfolge der wichtigen Termine bei vielen Freunden des Leibertinger Mittelaltermarktes aus. Zur 43. Auflage strömten am Sonntag wieder Tausende von Besuchern in den kleinen Ort. 68 Marktstände luden zum Verweilen, Ansehen und natürlich auch zum Kaufen ein. Dazu gab es ein buntes Rahmenprogramm, das den Jahrmarkt wie aus den Vorjahren gewohnt zu einem Erlebnis für die gesamte Familie machte. Gleichzeitig fand auf dem Segelflugplatz das Drachenfest der Flugsportgemeinschaft Leibertingen statt.

Die Angebote der Marktbeschicker waren vielfältig und nicht immer alltäglich und fanden beim Jahrmarktspublikum großes Interesse.
Die Angebote der Marktbeschicker waren vielfältig und nicht immer alltäglich und fanden beim Jahrmarktspublikum großes Interesse. | Bild: Steinmüller, Hermann-Peter

Das besondere Flair des Nostalgiemarktes ist auch 43 Jahre nach der Premiere hautnah spürbar. Bis auf wenige Ausnahmen verzichteten die Markthändler auf moderne Verkaufsstände. Viele Akteure trugen mittelalterliche Kleidung. Volkstanz und volkstümliche Musik trugen zu einer fröhlichen Marktatmosphäre bei.

Das nostalgische Kinderkarussell fand bei älteren und jüngeren Marktbesuchern viel Aufmerksamkeit.
Das nostalgische Kinderkarussell fand bei älteren und jüngeren Marktbesuchern viel Aufmerksamkeit. | Bild: Steinmüller, Hermann-Peter

Auch das nostalgische Kinderkarussell entwickelte sich zu einem Anziehungspunkt mitten im Marktgelände. Nicht nur Kinder freuten sich auf die gemütliche Rundfahrt. Erwachsene blieben stehen, genossen den Anblick und erlebten so einige Momente der Entschleunigung vom hektischen Geschäfts- und Berufsalltag. Für die jüngsten Besucher gab es noch mehr – das Kasperle-Theater im Kindergarten, die Kutschfahrten durch das Dorf oder das Kinderschminken.

Aufmerksame Beobachter fanden die Campus-Galli-Bauleute bei ihrer Vorführung mittelalterlicher Handwerkstechniken.
Aufmerksame Beobachter fanden die Campus-Galli-Bauleute bei ihrer Vorführung mittelalterlicher Handwerkstechniken. | Bild: Steinmüller, Hermann-Peter

Der Reiz des Wildensteiner Jahrmarkts liegt auch im Miteinander privater und kommerzieller Anbieter und dem intensiven Engagement der Vereine. An manchen Stellen auf der Ein-Tages-Marktmeile waren Flohmarkt-Einsprengsel willkommene Gelegenheit zum Stöbern. Handgemachte Körbe, Ledergürtel, Honig aus der Schulimkerei, Produkte aus heimischer landwirtschaftlicher Produktion oder Kinderhandschuhe gegen die bevorstehenden winterlichen Kältegrade sind nur einige Stichworte aus dem breit gefächerten Angebot für die Marktbesucher. Dazu kam das gewohnt leckere Speisenangebot.

Die Schattenplätze beim alten Rathaus waren bei den spätsommerlichen Temperaturen begehrte Orte für eine kleine Rast beim Marktrundgang
Die Schattenplätze beim alten Rathaus waren bei den spätsommerlichen Temperaturen begehrte Orte für eine kleine Rast beim Marktrundgang | Bild: Steinmüller, Hermann-Peter

Der Gasthof „Adler“ und einige Vereine und Gruppen teilten sich die Aufgabe, die zahlreichen Gäste mit Kaffee und Kuchen, Kartoffelpuffern, Schupfnudeln oder Fischegrichten und Getränken zu versorgen. Dabei ist regionale Produktion natürlich Ehrensache. So beispielsweise bei der Feuerwehr und den von ihren Helfern angebotenen Schupfnudeln. Elisabeth Sauter gehörte zu diesem Helferkreis. Sie arbeitete während der Mittagszeit an der Essensausgabe der Wehr. Die starke Nachfrage nach den gerollten und mit Sauerkraut servierten Teigprodukten sorgte dafür, dass kaum Zeit blieb, die Fragen des SÜDKURIER-Mitarbeiters zu beantworten. Immerhin konnte Sauter feststellen: „Selbstverständlich haben wir die Schupfnudeln wieder selbst gemacht.“ Während sie die mit den Teigprodukten gefüllten Schüsseln an die teilweise schlangestehenden Marktbesucher abgab, sorgten im Hintergrund vier Männer für Nachschub. Maik Weiß, Christian Wolf, Thorsten Karpf und Hermann Wolf hatten an den Bratpfannen das Sagen, in denen Sauerkraut und Schupfnudeln für den Verzehr vorbereitet wurden.

Bei seiner 43. Auflage war der Wildensteiner Jahrmarkt am Sonntag wieder Anziehungspunkt für Tausende von Besuchern aus der gesamten Region.
Bei seiner 43. Auflage war der Wildensteiner Jahrmarkt am Sonntag wieder Anziehungspunkt für Tausende von Besuchern aus der gesamten Region. | Bild: Hermann-Peter Steinmüller

Wer noch tiefer ins Mittelalter eintauchen oder dem Andrang auf dem Marktgelände entgehen wollte, hatte dazu auf der Burg Wildenstein die Chance. Bei geführten Besichtigungstouren zeigten der Leiter der in der Burg eingerichteten Jugendherberge Thomas Heinrich, sein Sohn Max Heinrich und Donautal-Guide Armin Hafner Teile der Burg, die normalerweise für die Öffentlichkeit nicht zugänglich sind. Für jede dieser Führungen war jeweils eine halbe Stunde eingeplant. Thomas Heinrich: „2018 hatten wir zwischen 200 und 300 Teilnehmer an den Burgführungen. Auch 2019 gehen wir von einem ähnlich starken Interesse an unserer Burg aus.“ Und das war dann auch so.

Die Volkstanzgruppe der Narrenzunft aus Weingarten brachte fröhliche Stimmung auf das Marktgelände
Die Volkstanzgruppe der Narrenzunft aus Weingarten brachte fröhliche Stimmung auf das Marktgelände | Bild: Steinmüller, Hermann-Peter

Erfolgreicher Markt mit eigenem Flair

Heinrich Güntner gehörte als langjähriger Bürgermeister Leibertingens zu den wichtigsten Geburtshelfern des Wildensteiner Jahrmarktes. In diesem Kurzinterview zieht der 80-Jährige eine Bilanz.

Heinrich Güntner
Heinrich Güntner | Bild: Steinmüller, Hermann-Peter

Herr Güntner, was sind Ihre Empfindungen beim 43. Jahrmarkt?

Niemand von uns, ich einbegriffen rechnete bei der Premiere damit, dass sich der Mittelaltermarkt über Jahrzehnte halten könnte.

Warum wurde der Markt überhaupt eingeführt?

Wir brauchten nach der Gemeindereform ein gemeinsames Fest für die vier Teilgemeinden. Wir überlegten, entweder ein Zeltfest zu organisieren oder den Mittelaltermarkt. Der Anstoß für den Wildensteiner Jahrmarkt war 1977 die 900-Jahr-Feier der Burg.

Wieso ist der Jahrmarkt noch immer beliebt?

Nach 43 Jahren ist der Markttermin am dritten Sonntag im September fest im Bewusstsein vieler Menschen in der Region und vor Ort verankert. Manche teilen ihre Jahresplanung ein, in „vor dem Markt“ und „nach dem Markt“. Dazu kommt die Mischung aus mittelalterlichem Flair, der Vorführung alter Handwerkstechniken und dem Sortiment.

Fragen: Hermann-Peter Steinmüller