Das Szenario ist erschreckend. Kriminelle Hacker haben es geschafft, durch das Eindringen in die Computeranlagen der Energieversorger Baden-Württemberg oder die gesamte Bundesrepublik von der Stromversorgung abzuschneiden. Wie gut ist der Landkreis auf ein solches Ereignis vorbereitet? Was kann der einzelne Bürger tun, damit die Folgen für ihn und seine Familie nicht allzu einschneidend werden? Um diese Fragen drehte sich in Altheim ein Vortrag, zu dem der Ortschaftsrat ins Bürgerhaus eingeladen hatte. Referent war Kreisbrandoberinspektor Bernhard Gall. Der ausgebildete Berufsfeuerwehrmann ist seit März neben Kreisbrandmeister Michael Hack für die organisatorische Bewältigung von Katastrophenereignissen zuständig. Sein grundsätzlicher Appell an die Bürger besteht in der Aufforderung, selbst alles Mögliche zu tun, um für Ernstfall vorbereitet zu sein.

Auf reges Interesse stieß der Vortrag zum Selbstschutz im Katastrophenfall im Altheimer Bürgerhaus.
Auf reges Interesse stieß der Vortrag zum Selbstschutz im Katastrophenfall im Altheimer Bürgerhaus. | Bild: Steinmüller, Hermann-Peter

Zu den folgenreichsten vorstellbaren Katastrophenfällen in Friedenszeiten zählen die Zivilschützer den flächendeckenden, lang andauernden Stromausfall. Gall begründete das so: „Selbst beim Unfall in einem Kernkraftwerk können die Rettungsorganisationen noch handeln, weil anhand der Windrichtung die betroffenen Regionen absehbar sind.“ Bei einem flächendeckenden Stromausfall kommen nach einiger Zeit selbst die Rettungsorganisationen und die Katastrophenschutzeinheiten der Feuerwehr an ihre Grenzen.

Ohne Strom bricht Chaos aus

Bei einem solchen „Blackout“ fährt spätestens nach einigen Tagen auch der Rest dessen, was den modernen Alltag ausmacht, auf den Nullpunkt. Der Sigmaringer: „Es beginnt damit, dass die Supermärkte nicht mehr betriebsfähig sind.“ Die strombetriebenen Ladenkassen funktionieren nicht mehr. Wahrscheinlich würden noch nicht einmal die Eingangstüren aufgehen. Wer jetzt keine Vorräte zu Hause hat, könne eben nicht noch rasch etwas einkaufen, warnte der Beamte. Im Extremfall könnte es in dieser Situation sogar zu Plünderungen kommen. Natürlich kann in dieser Lage auch niemand mehr per Karte bezahlen. Der Gang zum Geldautomaten ist sinnlos, weil die elektronischen Bargeldauszahler ebenfalls mit Strom betrieben werden. Das Schreckensszenario setzt sich fort, wenn die Kanalisation und die Kläranlagen ausfallen. Die Trinkwasserversorgung werde ebenfalls zusammenbrechen. Der Blackout, so Gall, mache auch vor den Tankstellen nicht halt. Es gäbe im Landkreis zwar einige Notfalltankstellen. Dort werde Treibstoff aber nur an die Katastrophenhelfer der Polizei, Feuerwehr, des THW und der Rettungsorganisationen abgegeben. Privatleute hätten im Ernstfall keine Chancen, an Benzin oder Diesel zu kommen.

Bernhard Gall appelliert an die Eigenverantwortlichkeit im Katastrophenfall.
Bernhard Gall appelliert an die Eigenverantwortlichkeit im Katastrophenfall. | Bild: Steinmüller, Hermann-Peter

Die Hilfsmöglichkeiten der öffentlichen Hand sind aber begrenzt, beispielsweise gibt es zu wenig Feldküchen, um die gesamte Kreisbevölkerung mit Essen zu versorgen. Deshalb sei die Eigenvorsorge für den Katastrophenfall absolut erforderlich. Gall beschrieb die Rolle der Politik und der Hilfsorganisationen mit dem Schlagwort von der „Hilfe zur Selbsthilfe“. Selbsthilfe für den Notfall bedeutet das Anlegen von Vorräten. Denn selbst wenn Lebensmittel oder Wasser zu Betroffenen gebracht werden können, werde es Tage dauern, bis die Hilfe überall ankommt.

In Bonn gibt es das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe. Die Bonner haben unter dem Titel „Ratgeber für Notfallvorsorge und richtiges Handeln in Notsituationen“ einen Ratgeber veröffentlicht, der eine Checkliste enthält. In dieser Checkliste sind alle Gegenstände und Lebensmittel aufgeführt, die idealerweise in jedem Haushalt vorhanden sein sollten, wenn die öffentliche Infrastruktur aufgrund einer Katastrophe zusammenbrechen sollte. Als eine der wichtigsten Maßnahmen bezeichnete es Bernhard Gall, genügend Trinkwasser etwa in Form von Mineralwasser für zwei Wochen im Vorrat zu haben. Konkret bedeutet das pro Tag und Person zwei Liter. Ein anderer Tipp des Fachmanns: „Lassen Sie die Badewanne voll laufen.“ Das so gesammelte Wasser könne mit Wasseraufbereitungstabletten in geeigneten Behältern für längere Zeit aufbewahrt und genutzt werden.

Lautsprecher ersetzen Sirenen

Aus Sicht des Katastrophenschutzes kann im Kreis Sigmaringen noch einiges optimiert werden. Beispielsweise bedauerte es Bernhard Gall, dass die Sirenen in nahezu allen Gemeinden abgebaut worden sind. Die Bevölkerung müsse deshalb per Lautsprecherwagen informiert und aufgefordert werden, das Radio einzuschalten. Das sei, so formulierte es der Referent, zum einen eine Frage der vorhandenen Kapazitäten an Lautsprecherwagen. Zum anderen sieht Gall auch ein praktisches Problem. Wegen der modernen schalldichten Fenster sei es nicht gewährleistet, dass die Lautsprecherdurchsagen überall gehört würden. Mögliche Schwierigkeiten sieht Gall auch bei der Funkkommunikation zwischen den Hilfskräften.