Bei einer Protestversammlung vor dem Haupteingang des Werks und einer anschließenden Demonstration zum Feuerwehrgerätehaus machten die Mahle-Mitarbeiter ihrem Unmut über das bisherige Tarifangebot des Arbeitgeberverbandes Luft.

Mit dieser Teilnehmerzahl zeigte sich Betriebsratsvorsitzender Hubert Biselli zufrieden: "Wir arbeiten im Schichtbetrieb rund um die Uhr. Deswegen konnten die Kollegen der Frei- und der Nachtschicht nicht an dem Streik teilnehmen." Von den Mitarbeitern der anderen Schichten hätte sich die überwiegende Mehrheit an dem zeitlich befristeten Aufstand beteiligt.

Aus Albstadt war der Zweite Bevollmächtigte der IG-Metall Albstadt, Michael Föst, nach Leibertingen gekommen. In seiner Rede vor den streikenden Mahle-Mitarbeitern betonte der Gewerkschaftsfunktionär die gute wirtschaftliche Lage der Branche im Allgemeinen und die des Mahle-Konzerns im Besonderen. Vor diesem Hintergrund sieht die IG-Metall keinen Anlass, von ihrer Fünf-Prozent-Forderung zurückzutreten.

Im Gespräch mit dem SÜDKURIER erläuterte Föst: "Die Arbeitgeber haben ihr Angebot von einer generellen Lohnerhöhung um 0,9 und einer Einmalzahlung von 0,3 Prozent zwar auf 2,1 Prozent erhöht, allerdings festgeschrieben auf zwei Jahre." Rechne man dieses Angebot aber um, kämen im Endeffekt kaum mehr als die anfangs gebotenen 0,9 Prozent für ein Jahr heraus. Seine Schlussfolgerung ist nüchtern und knapp: "Das Arbeitgeberangebot hat sich nicht geändert."

Deutlich wandte sich Föst gegen die Aussage des Arbeitgeberverbandes, das durchschnittliche Jahreseinkommen läge bei brutto 61 000 Euro. Bei Mahle betrage das Durchschnittseinkommen mit rund 35 000 Euro deutlich weniger. Föst: "Hier wurde das Meistergehalt zum Durchschnittseinkommen erklärt."

 

Aktionstag

Die IG-Metall hatte den gestrigen Freitag zum "Mahle-Aktionstag" erklärt. Was das bedeutet, erläuterte Michael Föst: "An allen 30 Standorten des Konzerns in Deutschland sind die Kollegen heute zum Warnstreik aufgerufen." Föst wie Hubert Biselli zeigten sich überzeugt, dass angesichts der guten Auftragslage speziell der Warnstreik in Leibertingen dem Arbeitgeber "wehtäte".