Zu einer Wanderung auf dem Kunstweg zwischen Buchheim und Thalheim hatte das Landratsamt und die Volkshochschule Tuttlingen eingeladen. Roland Heinisch, Mitarbeiter des Kreisarchivs und Kulturamts Tuttlingen, führte die 25-köpfige Gruppe vom Aussichtsturm Buchheimer Hans zu zwei Kunstwerken in der freien Landschaft.

Das Kunstwerk „Sarg II“ von Willi Bucher ist nach 21 Jahren in der freien Natur eingewachsen und stark eingefallen. Doch die Verwitterung ist bei allen Kunstwerken erwünscht. <em>Bilder: Isabell Michelberger</em>
Das Kunstwerk „Sarg II“ von Willi Bucher ist nach 21 Jahren in der freien Natur eingewachsen und stark eingefallen. Doch die Verwitterung ist bei allen Kunstwerken erwünscht. Bilder: Isabell Michelberger

Danach durften die Kunstinteressierten der Galerie Wohlhüter in Thalheim einen Besuch abstatten, das Skulpturenfeld besichtigen und dort bereits einen Blick auf die neueste Ausstellung mit Arbeiten von Hans Michael Franke und Sam Szembek werfen, die erst am kommenden Sonntag eröffnet wird.

Melanie Riegger (zweite von links) begrüßte die Kunstweg-Wanderer von Roland Heinisch (dritter von links) in der Galerie Wohlhüter in Thalheim.
Melanie Riegger (zweite von links) begrüßte die Kunstweg-Wanderer von Roland Heinisch (dritter von links) in der Galerie Wohlhüter in Thalheim.

Bevor die kleine Rundwanderung am Buchheimer Hans startete, erklärte die Heimatforscherin Erika Kiene der Gruppe die Baugeschichte des Buchheimer Wahrzeichens. Diese reicht zurück bis ins 13. Jahrhundert, als an der Stelle die Kirche St. Stephanus stand. Ebenso machte sie auf das Wandrelief von Oskar Steidle (1921-1988) aufmerksam, das an der Außenmauer zu bestaunen ist. Es zeigt die Abnahme Jesu vom Kreuz. Von Steidle sind einige Arbeiten in der Region zu bestaunen. Unter anderem schuf er den Heiligen Nepomuk auf der Meßkircher Ablachbrücke.

Die Heimatforscherin Erika Kiene (rechts) beschreibt das Kunstwerk von Oskar Steidle, das sich an der Außenwand des Buchheimer Hans befindet.
Die Heimatforscherin Erika Kiene (rechts) beschreibt das Kunstwerk von Oskar Steidle, das sich an der Außenwand des Buchheimer Hans befindet.

Die Buchheimer Bürgermeister-Stellvertreterin Elisabeth Wachter begleitete die Wandergruppe zu den Arbeiten von Hans-Jürgen Kossack und Willi Bucher, die seit 21 Jahren auf der Gemarkung des Orts in der freien Natur stehen. Roland Heinisch beschrieb auf unterhaltsame Weise die Idee des Land Art "Grenzraum"-Projekts, bei dem sich 1997 zehn Künstler beteiligten. Jeder der Künstler habe sich auf seine eigene Weise dem Thema Grenze genähert, sei es die geografische, die politische oder die kulturelle Grenze, die Grenze zwischen Leben und Tod oder diejenige, die unser Denken einschränkt. "Das Spezielle bei Hans-Jürgen Kossack sind Vergänglichkeit, Tod, Gewalt und Krieg", erläuterte Heinisch. Kossacks fünf Steinstelen sind in Kreisform angeordnet. Die Verwitterung hinterließ auf ihren Oberflächen eine interessante Patina, welche die morbiden Gegenstände wie Schädelteile unterstreicht. Ein weiteres Werk Kossacks stehe in Mühlheim an der Donau. Es ist ein Denkmal für die schwedischen Reiter, die im Dreißigjährigen Krieg dort brutal massakriert wurden. "Es ist ein ganz besonderer Ort", bestätigte auch Ludwig Henzler, Stadtarchivar von Mühlheim.

Künstler Paul Szembek (rechts) führt die Gäste in der Galerie Wohlhüter über den Galeriegarten und das Skulpturenfeld. Dabei erläuterte er die einzelnen Kunstwerke. Auf der Erde liegt eine Arbeit von Gert Riel.
Künstler Paul Szembek (rechts) führt die Gäste in der Galerie Wohlhüter über den Galeriegarten und das Skulpturenfeld. Dabei erläuterte er die einzelnen Kunstwerke. Auf der Erde liegt eine Arbeit von Gert Riel.

Ein paar Meter entfernt hatten die "Blickschaften" des dieses Jahr verstorbenen Gegi Hermann gestanden. Ein Baumstamm mit Blickscharten, die die Ansicht auf die Landschaft fokussierten. "Die Möglichkeit ist gegeben, sensibel auf einzelne kleine Gegebenheit in der fremden Landschaft einzugehen und sich damit vertraut zu machen", zitiert Heinisch den Künstler. Als Schießscharten interpretiert weisen die Sehschlitze im Stamm einer Schwarzpappel auf die Funktion des Schutzes.

Der "Sarg II" von Willi Bucher stand vor 21 Jahren noch erhaben auf der Wiese. Jetzt ist er ziemlich morsch, eingefallen und fast zugewachsen. Beim Anblick des Sarges soll sich der Mensch bewusst werden, dass er Zeit hat, jedoch nicht unbegrenzt.

In der Galerie Wohlhüter führte Künstler Sam Szembek durch die neue Ausstellung, die Arbeiten von ihm und seinem verstorbenen Kollegen und Freund Hans Michael Franke zeigt. Er gab der Gruppe Einblick in das Schaffen der beiden. Als Abschluss zeigte Szembek das Skulpturenfeld.