Gibt es den kinderfreundlichen St. Nikolaus wirklich? Diese Frage haben sich schon Generationen von Buben und Mädchen gestellt. Spezialisten für die Antwort sind in Leibertingen die Mitglieder der Katholischen Landjugendbewegung (KLJB). Denn die Gruppe verhilft dem heiligen Mann und seinem Begleiter, dem Knecht Ruprecht, seit über 30 Jahren zum leibhaftigen Auftritt in den Wohnstuben braver Kinder. Natürlich sind die Leibertinger in Fragen Nikolaus sehr traditionsbewusst. Denn der heilige Bischof von Myra hat aus Leibertinger Sicht mit seinem modernen amerikanischen Gegenüber, dem Weihnachtsmann, nichts zu tun. Darin sind sich die jungen Leute einig, die sich im Clubraum der KLJB im Pfarrhaus versammelt haben.

Nikolaus ist nicht der Weihnachtsmann

Unter ihnen der 17 Jahre alte Schüler Moritz Tobian. Er hat als Nikolaus am Donnerstagabend seine kleine Runde durch Leibertingen angetreten. Vom Weihnachtsmann will der Schüler aber nichts wissen. Deswegen wird er sich vor dem Betreten der Wohnzimmer nicht mit dem „Hohoho“ des Weihnachtsmannes bemerkbar macht. Es wird sein erster Auftritt als Nikolaus sein. Dabei ist Moritz Tobian familiär vorbelastet: „Schon mein Vater Uli Tobian war vor ein paar Jahrzehnten als Nikolaus im Dorf unterwegs.“ Doch das hat mit der Entscheidung des Sohnes in diesem Jahr nichts zu tun. Moritz Tobian: „Ich bin gefragt worden und habe ja gesagt, schließlich muss die Tradition in unserem Dorf aufrecht erhalten werden.“

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Denn die KLJB hatte in diesem Jahr ein großes Problem. Davon erzählt Selina Riester. Sie koordiniert die Einsätze des vorweihnachtlichen Duos. Die Beiden, die bisher in die Rollen des Nikolaus und des Ruprechts schlüpften, sind in diesem Jahr nicht greifbar. Selina Riester: „Paul Schmid studiert und Marc Riester ist auf Fortbildung.“ Deswegen steckte gestern Abend Moritz Tobian im roten Bischofskostüm.

St. Nikolaus und Knecht Ruprecht waren für ihre Hausbesuche bestens angezogen und ausgerüstet. Bilder: Hermann-Peter Steinmüller
St. Nikolaus und Knecht Ruprecht waren für ihre Hausbesuche bestens angezogen und ausgerüstet. Bilder: Hermann-Peter Steinmüller | Bild: Steinmüller, Hermann-Peter

Etwas komplizierter gestaltete sich der Fototermin mit dem Knecht Ruprecht. Timo Riester, der für das SÜDKURIER-Bild ins Räuberzivil des Nikolaus-Begleiters schlüpfte, ist eigentlich nur der Ersatz-Ruprecht. Der eigentliche Ruprecht ist in diesem Jahr eine Frau. Die 21 Jahre alte Maschinenring-Mitarbeiterin Julia Jäger war verhindert und damit hatte Timo seinen ersten und vermutlich letzten Auftritt als Ersatzbegleiter in diesem Advent.

Pro Familie etwa eine halbe Stunde

Selina Riester hat die Einsatzleitung übernommen und die für Donnerstag geplanten vier Hausbesuche vorbereitet. Die Zahl Vier hört sich im ersten Augenblick nicht nach einem stressigen Abend für Tobian und Jäger an. Doch dieser Eindruck täuscht, wie Selina Riester berichtet. Pro Familie rechnet die Organisatorin mit rund einer halben Stunde. „Das kommt darauf an, wie viele Kinder im Haushalt sind und ob sie etwas für den Nikolaus vorbereitet haben“, schildert die junge Frau. In den vergangenen Jahren habe sich der Nikolausabend zu einem kleinen Familienfest entwickelt. Großeltern, Tanten, Onkel und sonstige Verwandte erleben den Auftritt der beiden KLJBler mit.

Die Einsatzleiterin muss nicht nur die Uhrzeiten abstimmen. Es gelte, so berichtet sie, im Vorfeld praktische Details abzuklären. Wo werden die Geschenke von den Kindern unbemerkt an die vorweihnachtlichen Besucher gegeben, sei einer der wichtigsten Punkte. Neben Spielsachen sind Nüsse und Schokolade nach KLJB-Erfahrung noch immer die Geschenkerenner an diesem Abend.

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Natürlich bekommt der Nikolaus auch einen Zettel, auf dem die Eltern aufgeschrieben haben, wie brav oder eben nicht brav der Nachwuchs war. Riester: „Ich weiß vom bisherigen Nikolaus, dass böse Streiche nur selten aufgelistet werden“. Die besuchten Kinder sind zwischen zwei und sechs Jahre alt. Sollte ein Kind wirklich Angst bekommen, seien, so Riester genügend Familienmitglieder zum Trösten da.