Ein schon zum Tode verurteilter Hund und ein Leibertinger Hundefan, der kurz vor der deutschen Meisterschaft im Turnierhundsport mit diesem Hund einen Herzinfarkt erlitt. Und trotzdem gewann das Gespann aus Uwe Reitler und dem Mischlingshund Toni in Wesel den Meistertitel. Das Duo startete für den Hundesportverein (HSV) in Fridingen. Schon im Sommer hatten sie den südwestdeutschen Meistertitel geholt. Damit hat sich die siebenjährige Arbeit von Reitler mit dem Rüden gelohnt. Reitler ist ein erfahrener Hundefachmann, der Lehrgänge gibt und als Turnierrichter unterwegs ist.

Im Tierheim fasste ihn niemand an

Toni ist ein Mischling, ein Straßenhund aus Osteuropa. „Wir gehen davon aus, dass mein Hund neun oder zehn Jahre alt ist“, sagt Reitler. Die beiden lernten sich 2012 im Tierheim von Spaichingen kennen. Der Leibertinger war auf der Suche nach einem Ersatzhund für seinen damaligen Meisterschaftshund Nico, der für den Turniersport zu alt geworden war. Auf der Suche nach einem Nachfolgehund brachten ihn Hinweise von Bekannten auf Toni. Der Rüde gehörte damals einer kranken Frau. Reitler: „Immer, wenn sie in die Klinik musste, brachte sie den Hund in das Tierheim.“ Sonst habe Toni an einer Rollkette in einer Garage gelebt. Im Tierheim habe der Hund als gefährlich gegolten und ein Veterinär habe geraten, den Rüden einzuschläfern.

Annäherung trotz großer Bedenken

Doch für Reitler war von der ersten Begegnung im Tierheim an klar, dass er diesen Hund haben wollte. Er erinnert sich: „Niemand konnte den Hund anfassen. Ich saß in einem eingezäunten Bereich des Tierheims. Die Mitarbeiter ließen den Hund trotz erheblicher Bedenken in diesen Bereich.“ Doch der Hund lag bald neben seinem neuen Herrn.

Aufbau von Vertrauen dauerte lange

Es dauerte dennoch gut zwei Jahre, bis Reitler bei Toni Vertrauen in sein Umfeld aufbauen konnte. Selbst in der Familie in Leibertingen glaubte der Rüde zunächst, seinen neuen Herrn beschützen zu müssen. „An Turnierhundesport war in diesen zwei Jahren überhaupt nicht zu denken.“ Doch 2015 zeigten sich erste Erfolge. In Salem bestanden Reitler und Toni die Begleithundeprüfung. Jetzt, vier Jahre später ist mit der deutschen Meisterschaft der sportliche Höhepunkt erreicht.

Trotz Herzinfarkt weiter gearbeitet

Doch fast hätte das Schicksal einen Strich durch die Planungen Reitlers gemacht. Im Sommer erlitt der 63-jährige Reitler einen Herzinfarkt. Doch er ließ nicht locker. Noch während der Reha-Phase nahm er das Training wieder auf. Mit dem Erfolg in Wesel ist für Reitler und Toni das Rentenalter im Turniersport vorerst erreicht – es sei denn, dass es im nächsten Jahr gesundheitlich gut läuft.