Das Therapiezentrum „Hausen im Tal“ in der Dorfmitte von Thalheim gelegen, wird im kommenden Jahr um einen Anbau erweitert. Mit der Erteilung des kommunalen Einvernehmens durch den Gemeinderat ist eine erste Hürde auf dem planungsrechtlichen Bürokratie-Parcours genommen. Das Thalheimer Therapiezentrum ist die kleinste Einrichtung dieser Art in Baden-Württemberg. Hier machen Menschen ihren Entzug vor allem von Rauschgift. 

Vorgaben für die Wohnqualität

Der Leiter des Therapiezentrums Hans Günter Knör betont im Gespräch, dass es bei dem Anbau nicht um eine Kapazitätserweiterung gehe. Knör: „Wir werden weiterhin maximal 29 Plätze anbieten können. Jetzt geht es einfach nur darum, die neuen Vorgaben für die Wohnqualität in unserer Einrichtung zu erfüllen.“ Beispielsweise sollen die Suchtkranken in Zukunft in Einzelzimmern mit Nasszellen untergebracht werden. Bisher stehen Mehrbettzimmer zur Verfügung. Außerdem sind in dem geplanten Gebäudetrakt noch Nebenräume wie ein Gemeinschaftsraum, eine Sauna und ein Fitnessbereich vorgesehen. Dafür muss das Therapiezentrum 1,5 Millionen Euro aufbringen. Dazu der Geschäftsführer: „Langfristig sollen die Kosten durch die Tagessätze bezahlt von der Deutschen Rentenversicherung gedeckt werden.“ Kurz- und mittelfristig müssen sich die Thalheimer das Geld als Kredit bei den Banken besorgen.

Im Durchschnitt 20 Plätze belegt

Die 29 Plätze gliedern sich in 21 Betreuungsmöglichkeiten für die Intensivphase und acht weitere Plätze für die „Adaptionsphase“, bei der es um die gesellschaftliche und berufliche Wiedereingliederung geht. Zusätzlich zu dem Therapieangebot in Thalheim betreibt das Therapiezentrum in Sigmaringen eine betreute Wohngruppe für ehemalige Probanten, die sich derzeit bereits wieder in Ausbildung oder einem Berufsverhältnis befinden. Diese Wohngruppe bietet Platz für neun Personen. In Thalheim sind im Jahresdurchschnitt immer 20 Plätze belegt. Die Patienten werden von 14 Vollzeitmitarbeitern betreut. Dazu gehören der Hausmeister, ebenso wie das Küchenteam und die medizinische Betreuung. Mit dem Neubau will das Therapiezentrum auf die Durchschnittsbelegung wieder anheben. Knör: „Normalerweise kann man bei uns innerhalb von ein paar Wochen einen Platz bekommen. Aber gegenwärtig haben wir eine Warteliste von zwei bis drei Monaten.“ Der Geschäftsführer geht jedoch davon aus, dass es sich bei diesen Wartezeiten nur um „eine vorübergehende Erscheinung“ handle.

Keinerlei Straftaten vonseiten der Patienten

Die Bewohner des Therapiezentrums, so beschreibt es Knör, sind alle suchtkrank und wollen sich mit dem Aufenthalt in Thalheim aus der Rauschgiftszene lösen. „Bei uns steht im Vordergrund, dass es sich um kranke Menschen handelt, die Hilfe benötigen“, beschreibt der Geschäftsführer. Einige der Bewohner haben vor ihrem Aufenthalt im Rahmen von Beschaffungskriminalität Straftaten begangenen. In den 36 Jahren, seit das Zentrum von Hausen im Tal nach Thalheim umgezogen ist, habe es, so betont Knör, im Dorf noch keinerlei Straftaten durch Heimbewohner gegeben: „Im Gegenteil, wir sind im Dorf bestens integriert.“

Gut integrierte Einrichtung

Diese Auffassung spiegelte sich auch im Gemeinderat und einen Tag später im Thalheimer Ortschaftsrat wieder. Ortsvorsteher Hubert Stekeler sagte im SÜDKURIER-Gespräch: „Das Therapiezentrum ist eine gut integrierte Thalheimer Einrichtung.“ Auch der Ortschaftsrat sehe in dem geplanten Neubau einen wesentlichen Beitrag zur Zukunftssicherung für die Einrichtung. Seit rund zwei Wochen würden, so berichtet der Ortsvorsteher, die Nachbarn wie bei jedem Bauvorhaben angehört, auch da habe es keine kritischen Stimmen gegeben. Den Anstoß für die Gemeinderatsdiskussion hatte die Anfrage eines Ratsmitglieds gegeben, ob die Nachbarn mit dem Projekt einverstanden seien. Armin Reitze reagierte mit der Feststellung, dass sich Verwaltung und Ratsgremium nur mit den baurechtlichen Aspekten zu befassen hätten und für mögliche nachbarschaftliche Einwendungen nicht zuständig seien.

Aktiv am Dorfleben beteiligt

Das gute Miteinander im Dorf rührt aus Sicht von Hans Günter Knör auch daher, dass sich die Einrichtung und ihre Menschen aktiv am dörflichen Leben beteiligten. Er nennt dafür Beispiele: „Wir mähen den Rasen im Kindergarten und helfen beim Heckenschneiden im Naturbad.“