Die an 364 Tagen im Jahr unscheinbare Dorfwiese gegenüber dem Bürgerhaus in Kreenheinstetten erwacht am Sonntag, 1.¦September, für einen Tag wieder zum Leben und mausert sich zum „Dorfanger“. An diesem Tag treffen sich 32 der stärksten Männer und Frauen zu den 20. Schwäbischen Highlandgames in dem Leibertinger Ortsteil. Ab 13.30 Uhr werden Traktoren gezogen, Strohballen gerollt oder ein riesiger Stein mittels einer eigens dafür konstruierten Vorrichtung meterweit in Richtung Himmel gezogen. Natürlich darf als Höhepunkt der jährliche Publikumsrenner nicht fehlen.

Beim „Schlampatscha“ stehen sich zwei Teilnehmer auf einem Balken gegenüber. Unter ihnen breitet sich Moorwasser in einem provisorischen Schwimmbecken aus. Die beiden Akteure auf der Stange schlagen sich mit Sandsäckchen so lange, bis einer von ihnen das Gleichgewicht verliert und ein unfreiwilliges Bad nimmt. Im Rahmen der Jubiläums-Spiele wird das Programm um den Festabend am Freitag erweitert. Ehrengäste sind aktuelle und frühere Teilnehmer der Highlandgames.

Als 1999 die erste Auflage der Schwäbischen Highlandgames auf der Kreenheinstettener Veranstaltungsagenda stand, konnte sich noch keiner der Organisatoren vorstellen, dass 20 Jahre später die Highlander und ihre Freunde noch immer ihre urigen Wettkämpfe auf dem Dorfanger austragen. Ortsvorsteher Guido Amann, der damals wie heute zu den Organisatoren gehörte, erinnert sich: „Die ersten Highlandgames wurden vom Förderverein für den Bau des Bürgerhauses organisiert, um Geld für das geplante Bauwerk zu generieren.“ Die Spiele entwickelten sich in den folgenden Jahren zu einem festen Bestandteil des regionalen Veranstaltungskalenders. Als das Bürgerhaus gebaut war und die jährlichen Spiele am jeweils ersten September-Sonntag noch immer Teilnehmer und Besucher auf den Heuberg lockten, trat die Festgemeinschaft aus allen örtlichen Vereinen an die Stelle des inzwischen aufgelösten Bürgerhaus-Fördervereins.

Die Grundkonzeption der Highlandgames hat sich in den Jahren nicht geändert. Guido Amann: „Wir konnten schottisches Brauchtum nicht eins zu eins auf die Alb übertragen.“ Aber die Auftritte einer Dudelsack-Gruppe zu Beginn und in der Pause verbreiten immer noch eine Tonwolke aus dem schottischen Hochland. Dennoch sind die Spiele in jedem Jahr etwas anders. Das liegt am Einfallsreichtum der Organisatoren. Die Wettkämpfe bestehen aus sechs Disziplinen, die aus den Programmen der Vorjahre entnommen sind. Spannend wird es beim siebten Wettbewerb. Die Kreenheinstetter lassen sich dafür Jahr für Jahr etwas Neues einfallen. Die Teilnehmer erfahren jedoch erst am Samstag vor dem Veranstaltungssonntag, was da auf sie zukommt. Bis dahin ist die siebte Disziplin ein streng gehütetes Geheimnis.

Ein weiteres Standbein des Erfolgs ist die breite Unterstützung der Veranstaltung durch die Dorfbewohner. Zur Organisationsgruppe, die überwiegend aus jungen Leuten besteht, gehören Mitglieder, meist sind es Männer, die mit schwerem Gerät, Handwerkszeug oder mit Motorsägen umgehen können. Auf den Bauernhöfen des Dorfs gibt es die benötigten Geräte. Diese Maschinen kommen besonders beim Aufbau des Wettbewerbs-Parcours zum Einsatz. Die ehrenamtlichen Helfer investieren viel Zeit und Energie in die Vorbereitungen und den Ablauf der Highlandgames.

Nur selten verirren sich Frauen in die Reihen der Teilnehmer. Wie in den Vorjahren wird auch in diesem Jahr Elisabeth Gröner aus Aldingen die ­einzige Frau sein, die sich an den Start traut. Sie bildet zusammen mit ihrem Mann ein Team.

Highlandgames

 

  • Die „Hochlandspiele“ haben ihre Heimat im schottischen Hochland. Ursprünglich, also schon zur Keltenzeit, waren es die Treffen von Familienclans zum Kräftemessen. Sinn war ursprünglich, den stärksten Mann zu finden, der dann sogar König werden konnte. Die „Scottish Highland Games Association“ organisiert bis zu 100 Events dieser Art pro Jahr. Highlandgames haben den Sprung in die Moderne geschafft. Es sind heute große Volksfeste, die auch viele Touristen anlocken. Dabei stehen Folklore und teilweise recht seltsam anmutende Disziplinen im Mittelpunkt.
  • Die bekanntesten schottischen Highlandgames finden, wie in Kreenheinstetten Anfang September, in der Ortschaft Braemar statt. Traditionsgemäß übernimmt die britische Königin die Schirmherrschaft und ist bei den Spielen Jahr für Jahr als Zuschauerin dabei.
  • Die Spiele werden nach schottischem Muster inzwischen weltweit ausgetragen. Es gibt sogar richtige Weltmeisterschaften. Frauen sind überall zum Mitmachen eingeladen. Es gibt insgesamt 50 verschiedene Highlandgames-Disziplinen. Die bekanntesten sind der Baumstammweitwurf, das Steinstoßen und das Hammerwerfen.
  • Die Schwäbischen Highlandgames sind eine schwäbische Version der schottischen Vorlage. Es gibt Dudelsackmusik und Baumstammweitwurf.