Der Tourismus ist eine wichtige Grundlage der regionalen Wertschöpfung. Das war die Botschaft der beiden Redner beim Neujahrsempfang der Gemeinde Leibertingen. Bürgermeister Armin Reitze und der Geschäftsführer der Donaubergland GmbH in Tuttlingen, Walter Knittel, betonten, dass Investitionen in den Fremdenverkehr auch Verbesserungen für die Menschen vor Ort mit sich brächten. 

Die beiden Redner des Empfangs, Walter Knittel (links) und Armin Reitze, betonten die Bedeutung des Tourismus für die örtliche Infrastruktur.
Die beiden Redner des Empfangs, Walter Knittel (links) und Armin Reitze, betonten die Bedeutung des Tourismus für die örtliche Infrastruktur. | Bild: Steinmüller, Hermann-Peter

Für eine Flächengemeinde wie Leibertingen sei der jährliche Neujahrsempfang eine besondere Begegnungsmöglichkeit für Bürger aus Leibertingen, Kreenheinstetten, Thalheim und Altheim. Mit dieser Feststellung leitete Armin Reitze seine Rede ein. Schätzungsweise 140 Gäste waren der Einladung zum Neujahrsempfang gefolgt. Kurz vor Beginn der Veranstaltung mussten noch weitere Stühle in den Saal geschafft werden, weil die Plätze nicht für alle Gäste ausreichten.

Blick auf Bevölkerungsentwicklung

Im Mittelpunkt der Ausführungen von Armin Reitze stand eine Bestandsaufnahme der aktuellen Situation der Gemeinde. Zufrieden zeigte er sich mit der Bevölkerungsentwicklung. „Seit einigen Jahren pendelt sich die Einwohnerzahl bei durchschnittlich 2100 Bewohnern ein.“ Das Statistische Landesamt spreche nun nicht mehr von einem drohenden Bevölkerungsrückgang, sondern prognostiziere ein leichtes Anwachsen der Einwohnerzahl bis 2035.

Nach dieser Vorhersage sollen im Standesamt der Gemeinde in 15 Jahren 2149 Bürger aktenkundig sein. Wie schwierig es ist, diese Entwicklung vorherzusagen, machte Reitze am Beispiel der schwankenden Geburtenraten der vergangenen zwei Jahre deutlich: „2018 konnten wir 30 Geburten verzeichnen. 2019 waren es 17.“ Gegenwärtig werden in den drei kommunalen Kinderhäusern 80 Jungen und Mädchen betreut. Die Wildensteinschule besuchen 70 Kinder. Vor dem Hintergrund der Geburtenraten sprach Reitze von einer „Stabilisierung der Grundschule“.

Kein Nachfolger für Dr. Horst Hipp in Sicht

Als Rückschläge des abgelaufenen Jahres verzeichnete der Rathauschef die Schließung des Dorfladens in Kreenheinstetten und den Tod des Landarztes in Thalheim. Armin Reitze sagte, er habe keine Hoffnung, einen Nachfolger für Dr. Horst Hipp zu finden.

Appell an Immobilienbesitzer

Als positive Ereignisse nannte Reitze die Gründung einer Ersthelfergruppe des Deutschen Roten Kreuzes und die Fortführung der Gaststätte „Traube“. Als es um das Thema Strukturpolitik ging, appellierte er an die Immobilienbesitzer, sich Gedanken über die Nutzung freier Wohnraumkapazitäten für Mietwohnungen zu machen. Manchmal fehle es einfach nur am Mut, etwas Neues zu wagen, sagte Reitze.

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Walter Knittel: Tourismus neu definieren

„Tourismus im Donaubergland – was bringt‘s denn für uns?“ Unter dieser Überschrift standen die Ausführungen von Walter Knittel. Der gebürtige Leibertinger leitete 20 Jahre lang das Freilichtmuseum in Neuhausen und kümmert sich seit sechs Jahren hauptberuflich um die Weiterentwicklung der Donaubergland Marketing und Tourismus GmbH in Tuttlingen. Der Fremdenverkehrsfachmann plädierte dafür, den Begriff „Tourismus“ neu zu definieren. Tourismus in der Region habe einen völlig anderen Charakter als beispielsweise auf Mallorca.

Die Donaubergland GmbH

Die Donaubergland GmbH ist der Zusammenschluss aller Gemeinden und Städte aus dem Kreis Tuttlingen und einiger Kommunen aus dem Kreis Sigmaringen. Die Kernaufgabe ist die Förderung des Fremdenverkehrs.

Arbeit auch außerhalb der Feriensaison

Den anderen Charakter des Fremdenverkehrs skizzierte der Geschäftsführer anhand der engen Kooperation der Donaubergland GmbH mit der Gastronomie und der Industrie. Knittel stellte fest: „Viele der Gäste in den Hotels und Gasthäusern sind Geschäftsreisende. Sie kommen das ganze Jahr über.“ Damit gebe es für die Gastronomie auch Arbeit außerhalb der Urlaubs- und Freizeitsaison.

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Viele Freizeitmöglichkeiten in der Region

Früher, so erinnerte der Touristiker, seien Urlauber in den Beherbergungsbetrieben der Region auf die Möglichkeiten im Schwarzwald oder am Bodensee hingewiesen worden. „Bei uns war touristisch gesehen nichts los.“ Die inzwischen geschaffenen Freizeitmöglichkeiten kämen aber nicht nur den Touristen zugute. Sie erhöhten auch die Lebensqualität für die Einheimischen.

Quartett des Musikvereins Kreenheinstetten umrahmt Neujahrsempfang

Der Neujahresempfang wurde von einem Quartett des Musikvereins Kreenheinstetten festlich umrahmt. Im Anschluss an den offiziellen Teil bestand die Möglichkeit zum Gedankenaustausch bei einem Stehempfang.