Das Bildungshaus der Gemeinde Leibertingen hat bei einem Tag der offenen Tür sein Montessori-Konzept vorgestellt. Zu dem Bildungshaus für Drei- bis Zehnjährige gehören das Kinderhaus Sonnenschein Kreenheinstetten, das Kinderhaus St. Josef Leibertingen, das Kinderhaus Wunderfitz Thalheim und die Wildensteinschule Leibertingen. In diesen Einrichtungen wird im Sinne der Montessori-Pädagogik gearbeitet.

Die Zusammenarbeit dieser Einrichtungen mit den gleichen Grundsätzen soll für die Kinder eine Kontinuität ermöglichen. So dürfen zum Beispiel die Kindergartenkinder im Vorfeld ihrer Einschulung die Wildensteinschule besuchen und sich mit der Umgebung vertraut machen. Sie verbringen zahlreiche Stunden in der Schule, knüpfen Kontakte mit Schülern. Zudem besuchen Dritt- und Viertklässler im Rahmen von speziellen Projekten die Kinderhäuser.

Bestandsschutz für das Modell Bildungshaus

Die Wildensteinschule bot den Besuchern Einblicke in die verschiedenen Bereiche des Schullebens. Reger Betrieb herrschte den ganzen Nachmittag lang. Besonderes Interesse zeigten Eltern, deren Kinder im Herbst eingeschult werden. Zu diesem Thema fanden viele Gespräche statt. Von Rektor Hubert Stekeler war zu erfahren, dass das Modell Bildungshaus für die Wildensteinschule Bestandschutz hat, aber neue Bildungshäuser nicht mehr entstehen.

Augenmerk auf Einzelpersonen und Materialien

Auch das Kinderhaus Sonnenschein in Kreenheinstetten präsentierte sich am Tag der offenen Tür interessierten Besuchern. Leiterin Martina Fritz erklärte, warum die Einrichtung nicht „Kindergarten“ heißt, obwohl der Träger die Gemeinde Leibertingen ist. Fritz führte aus, dass Maria Montessori, die Begründerin der Montessori-Pädagogik, ihre Einrichtung auch „Kinderhaus„ genannt habe. In der Montessori-Pädagogik lege man ein besonderes Augenmerk auf die Einzelpersonen und die Materialen, mit denen Kinder sich gut entwickeln können.

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Kinderhaus ist keine reine Montessori-Einrichtung

Martina Fritz erzählte, von ihrer Montessori-Ausbildung habe nicht nur das Kinderhaus, sondern auch die eigene Familie profitiert. „Ich habe mich selber und den Blick auf manche Dinge geändert. Ich könnte mir die Arbeit ohne Montessori im Kinderhaus nicht mehr vorstellen.“ Allerdings ist das Kinderhaus Sonnenschein keine reine Montessori-Einrichtung. Es gibt immer noch eine Bauecke, eine Puppenecke und einen Bewegungsraum.

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Übungen für das tägliche Leben

Damit Eltern und Verwandte in die Aktivitäten im Kinderhaus einbezogen werden, gibt es Aktionen wie den Oma-Opa-Tag oder Hospitationstage, an denen Eltern den Alltag dort begleiten können. „Es fällt vielen zunächst auf, dass es hier leiser zugeht“, erzählte Fritz. „Wir Erzieher geben auch selbst ein Beispiel mit unserem Verhalten.“ So lernten die Kinder spielerisch Abläufe für den Alltag und strukturiertes Vorgehen, die Selbstorganisation werde gefördert. Das Grundprinzip von Montessori sei, dass man Kinder für das Leben stark machen wolle. Dazu biete das Kinderhaus vielerlei Materialien für sogenannte Übungen. Diese gebe es in verschiedenen Bereichen. Übungen für das tägliche Leben seien beispielsweise: etwas eingießen oder sortieren, eine Kerze anzünden, Dinge farblich ordnen. Dabei lernten die Kinder gewisse Abläufe kennen. Jede Übung habe ihren festen Ablauf, erklärte die Leiterin.

Erzieherinnen leiten Kinder an

„Eltern sind oft erstaunt, was wir von den Kindern alles verlangen“, erzählte Martina Fritz weiter. Die Kinder dürfen sich aus den Materialsätzen aussuchen, womit sie sich beschäftigen möchten – je nach ihren Vorlieben. Sie werden von den Erzieherinnen bei der Arbeit begleitet oder durch Vormachen angeleitet. Dabei erwerben sie sich ganz nebenbei Grundlagen, Grundwissen und Fertigkeiten, die sie auch später sehr gut im Alltag und in der Schule brauchen, ist Martina Fritz überzeugt. Bei den älteren Kindern hätten viele bereits Lesen gelernt und auch dafür gebe es Angebote: Einrichtungsgegenstände oder Materialien seien mit kleinen Schildern versehen. „Das geschieht auf freiwilliger Basis und ganz individuell“ versichert Fritz.

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Ortsvorsteher lobt gut funktionierendes Kinderhaus

Für Ortsvorsteher Guido Amann ist das Kinderhaus eine Herzensangelegenheit. Er freue sich sehr über die gut funktionierende Einrichtung, betonte er. „Die Erzieherinnen sind sehr engagiert und flexibel. Das Kinderhaus hat sich gut entwickelt und hat eine gute Belegungszahl.“

Die sechsjährige Ellen Kliemann besucht die Waldgruppe. Dort gefällt es ihr sehr gut, erzählte sie. Gerne halte sie sich in der Sitzecke auf und schmökere in einem Buch.