Wohl nur einmal im Jahr erlebt die Beuroner Klosterkirche einen so stimmungsvollen Höhepunkt. Wenn am Ende des Benefizkonzerts des Heeresmusikkorps Ulm alle Besucher aufstehen und gemeinsam unter den Klängen der Militärmusiker das alte Adventslied „Macht hoch die Tür“ anstimmen, liegt weihnachtliche Vorfreude in der Luft. Das war in diesem Jahr nicht anders. Die Barockkirche war am Freitagabend voll von Zuhörern.

Für viele von ihnen gehört der Besuch des Benefizkonzerts zum jährlichen Pflichtprogramm. Immerhin besteht das Militärorchester aus Profimusikern mit internationaler Erfahrung. Die Blasmusiker traten am Freitag zum ersten Mal in Beuron unter Hauptmann Dominik M. Koch auf. Er ist ein Vollblutmusiker, der auf zahlreiche Erfolge der von ihm bei Wettbewerben vorgestellten sinfonischen Blasorchester zurückblicken kann.

„Tochter Zion“ bildete das feierliche Eingangsportal für den Konzertabend. Die Händel-Melodie hat seit ihrer Entstehung in der Mitte des 18. Jahrhunderts nichts von ihrer fröhlichen und optimistischen Grundstimmung verloren. Leicht und fast spielerisch vorgetragen wurde die beliebte Adventsmelodie zu einem akustischen Aperitif vor dem leckeren, mehrgängigen Menü.

Das Heeresmusikkorps Ulm gab am Freitag in der Beuroner Abteikirche das traditionelle Benefizkonzert. Das Publikum war sehr angetan von den musikalischen Darbietungen.
Das Heeresmusikkorps Ulm gab am Freitag in der Beuroner Abteikirche das traditionelle Benefizkonzert. Das Publikum war sehr angetan von den musikalischen Darbietungen. | Bild: Steinmüller, Hermann-Peter

Die Musiker verzichteten darauf, auf dieser Welle weiter in ein dann vielleicht ins Kitschige abgleitendes Abendprogramm zu reiten. Sie stellten mit dem zeitgenössischen Titel „Hymn to a Blue Hour“ nicht nur einen zeitlichen, sondern auch einen musikalischen Kontrapunkt in den Mittelpunkt. Der US-amerikanische Komponist John Mackey hat mit dieser Komposition den Wunsch vieler Menschen beschrieben, die sich nach einem hektischen und möglicherweise unerfreulichen Alltag nach Ruhe und Geborgenheit sehnen. Dieses Bedürfnis nach Entspannung drückte der 1973 in Ohio geborene Komponist mit einer eher ruhigen Notenfolge aus.

Doch mit Amazing Grace, der romantischen Melodie, mit der die Gnade Gottes beschrieben wird, waren alle Gefühle wieder frei. Die uniformierten Bläser verhalfen dem bekannten Lied zu einem hellen Klang, der der Melodie einen seidenen, golddurchwirkten Schal umlegte, der wie bei einer hübschen Frau deren Schönheit noch mehr betonte.

Wieder etwas stiller, behutsamer, feinfühliger wurde die Musik beim „Song for Japan„, einem zeitgenössischen Werk. Helle Trompetenstöße der Musiker, die extra dafür auf die Orgelempore gekommen waren, konnten den fast wehmütigen Unterton dieser Komposition allenfalls auflockern oder je nach persönlichem Empfinden erst unterstreichen. Mit hellen Glöckchen „For the Love of Johann“ meldete sich die Vorweihnachtszeit akustisch zurück. Klar wie das gefrorene Eis eines kalten Wintertages und doch getragen von einer erwartungsvollen Feierlichkeit, fand das Musikstück nach einem Thema von Johann Sebastian Bach seinen wohlverdienten Platz im Konzert.

Hauptmann Dominik M. Koch dirigierte zum ersten Mal in Beuron. Er ist seit Oktober stellvertretender Leiter des sinfonischen Blasorchesters der Bundeswehr.
Hauptmann Dominik M. Koch dirigierte zum ersten Mal in Beuron. Er ist seit Oktober stellvertretender Leiter des sinfonischen Blasorchesters der Bundeswehr. | Bild: Steinmüller, Hermann-Peter

Wie breit gefächert das künstlerische Portfolio des Profi-Blasorchesters ist, unterstrichen die Ulmer mit einer Arbeit von Richard Wagner. Sein Stück „Elsas Zug zum Münster„ aus dem „Lohengrin„ war schwere Kost – und trotzdem kam die majestätische Würde, gleich einer Prozession der Töne, zur Geltung. Mit „Herbei oh ihr Gläubigen“ und der englischen Weihnachtsmelodie „Joy to the World“ waren die Heeresmusiker wieder auf dem adventlich-frohen und optimistischen Boden der vorweihnachtlichen Zeit angekommen. Der intensive Beifall zeigte, dass die Soldaten wieder einmal den Nerv des Publikums getroffen hatten.

Nach dem Konzert waren die Besucher zu Plätzchen, Tee und Punsch in der alten Holzbrücke eingeladen. Viele nutzten die Möglichkeit, um Bekannte zu treffen oder Gespräche zu führen. Der Eintritt zum Konzert war kostenlos. Die Soldaten baten die Zuhörer beim Verlassen der Abteikirche lediglich um eine Spende. Das Geld ist je zur Hälfte für den Verein der Freunde der Erzabtei und für das Soldatenhilfswerk der Bundeswehr bestimmt.