"Auf dem Weg zur Schule rutscht Leonie aus und es haut sie kräftig hin. Dabei wird es ihr schwarz vor Augen und sie ist ganz benommen. Nur noch ein leises Wimmern ist zu vernehmen." Oder: "Ein Stein in einem Schneeball verletzt Heide am Kopf", oder: "Bei einem Ausrutscher auf Eis stürzt Larissa und verletzt sich am Ellbogen, sie beginnt zu weinen und hält ihren Arm".

Solche Szenarien wurden an der Leibertinger Grundschule Wildensteinschule angenommen und der folgende Erste-Hilfe-Einsatz vorgeführt von Dritt- und Viertklässlern. Zehn Kinder, neun Mädchen und ein Junge, erlernten die Hilfsmaßnahmen im Notfall in der außerunterrichtlichten Betreuungszeit im Rahmen der AG Streitschlichter im Wechsel mit der Erste-Hilfe-Ausbildung zusammen mit der Schulsozialarbeiterin Julia Budamert. Sie wurde fachmännisch unterstützt von Hubert Jäger, dem Schulkoordinator des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), Kreisverband Sigmaringen. Die Kinder ließen sich über ein Dreivierteljahr zum sogenannten "Juniorhelfer" ausbilden.

In der Ersthelfer-AG an der Wildensteinschule in Leibertignen zeigten die Juniorhelfer der Klassen 3 und 4 ihr Können bei einem angenommenen Schulunfall: nach einem Ausrutscher auf einer Eisplatte auf dem Schulhof hält sich eine Schülerin ihren Arm weinend fest – die Juniorhelfer sind zur Stelle (von links): Juna Stadtmüller, Elisa Biselli und Melina Reutebuch.
In der Ersthelfer-AG an der Wildensteinschule in Leibertignen zeigten die Juniorhelfer der Klassen 3 und 4 ihr Können bei einem angenommenen Schulunfall: nach einem Ausrutscher auf einer Eisplatte auf dem Schulhof hält sich eine Schülerin ihren Arm weinend fest – die Juniorhelfer sind zur Stelle (von links): Juna Stadtmüller, Elisa Biselli und Melina Reutebuch. | Bild: Walter Hubbuch

Das ganze Kennenlernen "mutig den ersten Schritt zur Hilfe in Notsituationen zu wagen", so Jäger, sei notwendig vor dem Hintergrund der vielen Unfälle im Schulalltag. Er nannte die Zahl 1,7 Millionen, was pro Tag 4000 im ganzen Bundesgebiet ausmache. Das Besondere an der Aktion ist, dass sie eine Pilotfunktion habe und zwar deshalb, weil nicht nur das DRK und die Schule, sondern auch der Landkreis Sigmaringen, vertreten durch dessen erstem Landesbeamten Rolf Vögtle, und dem Sponsor Anton Langer, Gründer der Ilmenseer Firma Langer-Group, diesen Erstweg initiiert hatten. Leibertingen sei ein Vorreiter in Sachen Juniorhelfer, so Jäger. Sein Fazit: "Es ist toll, dass so etwa an einer so kleinen Schule funktioniert!" Es solle sich an anderen Schule im Kreis und Bund auch so gut entwickeln, wie in Leibertingen zu sehen sei.

Anlass des Präsentationsnachmittags war für die Kinder, den Eltern und Gästen ihr aktuelles Können in der Schulaula vorzuführen. Sie begeisterten die Erwachsenen mit ihrer Zielstrebigkeit und Ruhe im Umgang mit der jeweiligen Problemlage. Es wurde verbunden, ein Gelenk stillgelegt, getröstet, beruhigt, Atemfunktion getestet, die stabile Seitenlage der Verunfallten gezeigt und vieles mehr. Die Juniorhelfer freuten sich über den großen spontanen Beifall.

Neben einem Armbändchen "Juniorhelfer" bekam jeder Teilnehmer an der AG noch diesen Aufkleber, um damit zu zeigen, wer er ist und was er kann. Die Teilnehmer an der AG freuten sich riesig.
Neben einem Armbändchen "Juniorhelfer" bekam jeder Teilnehmer an der AG noch diesen Aufkleber, um damit zu zeigen, wer er ist und was er kann. Die Teilnehmer an der AG freuten sich riesig. | Bild: Walter Hubbuch

In den jeweiligen Schlussworten der Verantwortlichen kam zum Ausdruck, dass ein solcher Weg vermehrt gegangen werden sollte. Jäger: "Ich bin guten Mutes, dass ihr, wenn was passiert, hingeht und eingreift". Sponsor Anton Langer überreichte den jungen Akteuren einen DRK-Rucksack und stellte fest: "Beeindruckend, wie Ihr euch mit eurem Tun identifiziert habt". Rektor Hubert Stekeler war ebenfalls sehr angetan über die Vorführung des Gelernten: "Alle Achtung, Respekt! Wir sind ganz stolz auf Euch. Wenn was passiert, haben wir ein gutes Gefühl, daß wir euch haben". Sein Dank galt besonders den drei Trägern der Aktion, dem Sponsor Anton Langer, dem DRK in der Person von Hubert Jäger und der Sozialarbeiterin Budamert.

Nach der Präsentation waren die Juniorhelfer erleichtert und zufrieden, dass alles so gut geklappt hat. Sie werden ihre Augen nicht verschließen, wenn etwas passiert.