Berta Rudolf, ehrenamtliche Leiterin der Gedenkstätte Abraham a Sancta Clara in Kreenheinstetten, hat sich auf einem Holzklotz positioniert. „Meine Worte treffen gut, sind sie manchmal eine Rut.“ Auswendig trägt sie ein paar Zeilen des Predigers vor.

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Schon als Kind hielt der kleine Hans Ulrich Megerle, Sohn des Traubenwirts, gerne Reden – am liebsten auf „Haagpfoschta“. Als Geistlicher des Augustinerordens trug er den Namen Abraham a Sancta Clara und wurde durch seine fesselnden Predigten im ganzen deutschsprachigen Raum berühmt. Schließlich brachte er es sogar zum kaiserlichen Hofredner in Wien.

Berta Rudolf gibt auf dem imitierten „Haagpfoschta“ eine Kostprobe aus Abraham a Sancta Claras Werk.
Berta Rudolf gibt auf dem imitierten „Haagpfoschta“ eine Kostprobe aus Abraham a Sancta Claras Werk. | Bild: Christine Braun

Wer einmal eine Führung von Berta Rudolf erlebt hat, verlässt das kleine Museum in der Pfarrscheune nicht mit rauchendem Kopf. Sie weckt Begeisterung, indem sie Geschichten um die Fakten herum erzählt und Bilder im Kopf entstehen lässt.

Zum Beispiel wenn sie selbst auf die „Kanzel“ steigt und Abraham nachahmt. Vielleicht sind es auch die Gemeinsamkeiten mit dem bekanntesten Kreenheinstetter, die die Zuhörer damals wie heute faszinieren: die Sprache der beiden enthält Witz, zeichnet Wortbilder in leuchtenden Farben und nimmt kein Blatt vor den Mund.

Als Kennerin einen Namen gemacht

Berta Rudolf hat sich als Leiterin der Gedenkstätte und Kennerin Abrahams einen Namen gemacht. 2008 trat die gebürtige Kreenheinstetterin, zunächst in einem fünfköpfigen Team, die Nachfolge von Thomas Trzebitzky an. Doch schon vorher folgte sie den Spuren des Barockpredigers und organisierte Reisen zu seinen Lebensstationen unter anderem in Wien und Graz. Große Unterstützung bei der Buchführung erhält sie von Pfarrer i.R. Hans Haiber.

Blick in die kleine Gedenkstätte.
Blick in die kleine Gedenkstätte. | Bild: Christine Braun

Jetzt sei es für beide an der Zeit, aufzuhören. Der Grund? Du musst aufhören, wenn du gut bist!, sagt die 70-Jährige lachend. „Schön wäre es, wenn sich bis Ende 2020 jemand findet, der meine Nachfolge antritt.“ Und was sollte eine Nachfolgerin oder ein Nachfolger mitbringen?

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Rudolf: „Vor allem Begeisterung für Abraham und sein großes schriftliches Werk. Außerdem Spontanität und Neugierde.“ Immer wieder stöbere sie in Antiquariaten und stocke den Buchbestand auf. Da es keine festen Öffnungszeiten gibt, stehe sie den rund 250 Besuchern pro Jahr auf Anfrage zur Verfügung. Und das könne durchaus spontan sein. Größere Gruppen oder wissenschaftlich Interessierte melden sich aber in der Regel vorher an.

Darüber hinaus nehme sie an den Sitzungen des Literaturnetzwerks Oberschwaben und der Jahrestagung des Literaturarchivs Marbach teil, wo sie immer wieder Anregungen fürs Museum erhalte. So kam sie auch auf die Idee einer Hörstation, die sie 2009 im Museum realisierte. „Am schönsten sind die zahlreichen Begegnungen“, schwärmt sie.

Schenkungen für das Museum

Immer wieder wenden sich Menschen an sie, die dem Museum etwas schenken wollen. Wie der Ordinariatsrat aus Freiburg, der der Leiterin eine Erstausgabe von „Judas der Ertz-Schelm“ aus dem Jahr 1689 überreichte. Oder das Ehepaar aus Landshut, welches das Original von „Mercks Wienn!“, ebenfalls aus dem 17. Jahrhundert, vorbeibrachte mit den mahnenden Worten seiner Mutter: „Hütet mir ja den Abraham!“

Das Abraham-Denkmal an der Kirche gleich neben dem Museum. Berta Rudolf kennt nicht nur seine Texte, sondern auch seine Posen ganz genau.
Das Abraham-Denkmal an der Kirche gleich neben dem Museum. Berta Rudolf kennt nicht nur seine Texte, sondern auch seine Posen ganz genau. | Bild: Christine Braun

Gerne erinnert sie sich an die Pfarrfeste, an denen Kinder auf einem Holzklotz Sprüche des Predigers vortrugen. Oder an den Abraham-Slam 2016, bei dem die Teilnehmer eigene Texte in der Manier des Kanzelredners zum Besten gaben. Alle fünf Jahre organisiert sie darüber hinaus eine Veranstaltung am Todestag des Predigers.

Gedenken soll erhalten werden

„Das Gedenken an Abraham sollte auch in Zukunft erhalten werden. Denn er ist der Größte unter uns“, zitiert Berta Rudolf den Philosophen Christian Wolff. Sie meint die enorme Sprachgewandtheit, die Abraham a Sancta Clara und dadurch Kreenheinstetten bekannt machten. An der Nachfolge Interessierte dürfen sich gerne bei ihr melden.