Die St.-Martins-Kirche der Erzabtei Beuron war voll besetzt. Grund hierfür war das berühmte Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach, aufgeführt durch einen Projektchor, hochkarätigen Gesangssolisten und einem professionellen Instrumentalensemble unter der Gesamtleitung von Volker Timotheus Bals. Zu Gehör gebracht wurden von den sechs Kantaten des Oratoriums die Kantaten eins bis drei sowie die Sechste.

Pater Landelin Fuß an der Orgel war einer der Mönche, die beim Konzert mitwirkten, im Hintergrund der Projektchor.
Pater Landelin Fuß an der Orgel war einer der Mönche, die beim Konzert mitwirkten, im Hintergrund der Projektchor. | Bild: Susanne Grimm

Neben den professionellen Gesangssolisten Anna Major (Sopran), Kerstin Wagner (Alt), Akinobu Ono (Tenor und Arien) und Hildebrand Haake (Bass) sowie einem Ensemble aus international renommierten Instrumentalisten, haben mit Pater Sebastian Haas-Sigel (Ordo Sancti Benedicti – OSB) als Evangelist und Pater Landelin Fuß OSB an der Orgel auch Beuroner Mönche an dem Projekt mitgewirkt. Der eigens zu diesem Anlass eingerichtete Ad-hoc-Chor mit Sängern, die das Werk schon einmal einstudiert und aufgeführt hatten, entfaltete bei dem Werk die ganze chorische Sangeskunst, die tief unter die Haut ging.

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Es sei schon lange der Wunsch gewesen, die von Bach so grandios vertonte Weihnachtsgeschichte in Beuron aufzuführen, hatte Bals als Projektinitiator im Vorfeld gesagt. Der versierte Kirchen- und Konzertmusiker, Chorleiter und Instrumentallehrer ist dem Kloster seit Jahren als Oblate (Obl.), also Angehöriger einer Ordensgemeinschaft, und Stimmbildner eng verbunden.

Zwiegespräch mit Gott

Vor Beginn der Aufführung ging der Hausherr der Abtei, Erzabt Tutilo Burger, auf die Bedeutung der einzelnen Kantaten ein. Dabei bezeichnete er den Komponisten als „fünften Evangelisten“, weil dieser die Weihnachtsgeschichte auf seine Weise neu gedeutet und „die darin enthaltene Botschaft fast sinnlich erfahrbar gemacht hat“. „Dieses herrliche Konzert ist wie eine Zwiesprache mit Gott“, hob der Erzabt hervor. Das populärste aller geistlichen Vokalwerke von Johann Sebastian Bach bestach insbesondere durch die feierlichen Eröffnungs- und Schlusschöre, die mit allen Facetten des chorischen Singens einhüllte, mitriss und die Zeit vergessen ließ. Prägend für Bachs berühmteste geistliche Komposition ist die musikalisch erzählte Weihnachtsgeschichte mit Rezitativen und punktuell gesetzten Chorälen sowie Arien der Gesangssolisten.

Eigenständig vorbereitet

Die großartige Leistung des Projektchors kann dabei nicht hoch genug eingeschätzt werden, denn die Chormitglieder, unter denen sich auch einige Mönche der Erzabtei befanden, haben sich eigenständig auf diese Aufführung vorbereitet und sich nur ein einziges Mal, nämlich am Tag der Aufführung, zur Generalprobe zusammengefunden. Mit stehendem, lange nicht endenden Applaus feierte dann auch das begeisterte Publikum in der Kirche zu Recht die Akteure für ihre Leistungen.

Bodo Ramelow, Ministerpräsident von Thüringen, hat das Bachoratorium in Beuron privat besucht, hier zusammen mit Ina Schultz aus Hohentengen.
Bodo Ramelow, Ministerpräsident von Thüringen, hat das Bachoratorium in Beuron privat besucht, hier zusammen mit Ina Schultz aus Hohentengen. | Bild: Susanne Grimm

Unter die Zuhörer hatte sich übrigens auch ein bekannter Politiker gemischt, den keiner erwartet hatte. Bodo Ramelow, Ministerpräsident von Thüringen, war als Privatperson in Beuron und hat das kulturelle Ereignis inkognito sichtlich genossen. Zumindest dachte er das. Erkannt wurde er von Ina Schultz, eine in Hohentengen wohnende Thüringerin. Als Landsfrau hat sich Ina Schultz die Gelegenheit nicht nehmen lassen, den Ministerpräsidenten anzusprechen und als enge Mitarbeiterin der grünen Landtagsabgeordneten Andrea Bogner-Unden zum Stand der aktuellen Koalitionsverhandlungen zu befragen.