In der Galerie Wohlhüter sind aktuell die Arbeiten der beiden Künstler Sati Zech und Armin Göhringer zu sehen. Zur Ausstellungseröffnung kamen zahlreiche Interessierte. Laudatorin war Barbara Regina Renftle, Leiterin der Stiftung "S BC – pro arte" in Biberach. Sie hatte bereits 2014 die Arbeiten der beiden Künstler in einer Ausstellung gezeigt und damit sozusagen eine "Ausstellungsehe" gestiftet, erzählte sie den Zuhörern. Und die sei nach fünf Jahren noch genauso lebendig und harmonisch, wie zu Beginn.

Laudatorin Barbara Regina Renftle von der Galerie der Stiftung "S BC – pro arte" zusammen mit den Künstlern Armin Göhringer und Sati Zech (von links).
Laudatorin Barbara Regina Renftle von der Galerie der Stiftung "S BC – pro arte" zusammen mit den Künstlern Armin Göhringer und Sati Zech (von links). | Bild: Michelberger, Isabell

Stoffcollagen erinnern an mittelalterliche Notenschriften

Von Sati Zech, die in Karlsruhe aufwuchs, in Berlin studierte und nun dort lebt, sind ihre sogenannten Bollenarbeiten besonders bekannt. Unregelmäßig zugeschnittene Rechteckbahnen von hellem Leinen mit weißer bis beige-farbener Grundierung fügen sich aneinander und sind zu einer neuen Form zusammengenäht. Darauf leuchten rote unregelmäßige Kreis- und Ellipsensegmente in unterschiedlicher Größe und mit unterschiedlichem Abstand zueinander. Sie lassen an mittelalterliche Notenschriften denken, in der jede Stoffbahn mit ihren kräftigen Farbakzenten einen Takt oder ein musikalisches Motiv zum Opus beisteuert. „Mein Thema ist vor allem Kommunikation und Annäherung“, erklärte Sati Zech im Gespräch mit dem SÜDKURIER. Die Stoffcollagen seien bildhauerisch konstruiert. Der Rhythmus der Farbflecke stehe für gestaute oder fließende Kommunikation, für die Erreichbarkeit oder Nicht-Erreichbarkeit des anderen durch Sprache.

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Kommunikation als Thema

In der Galerie Wohlhüter zeigt Zech auch ihre neuesten dreidimensionalen Arbeiten aus Ton oder schwarzem Leder. Hier befasst sie sich ebenfalls mit dem Austausch zwischen den Menschen. In der Arbeit „Frühstück bei Tiffany“ recken sich fingerartige Wülste nach oben, die sich einander zuwenden, sich gemeinsam in eine Richtung recken oder voneinander weg weisen. Dazwischen sind zwei kleine Lederbälle, die stets neu platziert werden können: Sprachbälle, die man sich zuwerfen kann.

Spiel mit Gegensätzen

Armin Göhringers Holzskulpturen entstehen aus einem Block, so unwahrscheinlich dies dem Betrachter teilweise vorkommen mag. Ebenso unglaublich erscheint es, dass Göhringer, der aus dem Schwarzwald stammt und in Offenbach studierte, die Formen, selbst die filigransten Stellen, mit der Kettensäge herausarbeitet. Seine Skulpturen sind geprägt von Gegensätzlichkeiten: von schwer und leicht, von Massivität und Lichträumen. Mit den Zug- und Druckkräften, welche dem Holzstamm eigen sind und stets variieren, je nach dem, wo und wie der Baum gewachsen ist, arbeitet der Künstler und nutzt sie für seine Formgebung. Unter den jüngeren Arbeiten finden sich Wandreliefs, die er mit Büttenpapier überzieht, sodass es sich wie eine anschmiegsame Haut auf das Holz legt. Erstaunlich ist es, wie sich die schmalen Stege des Holzes ineinander winden – vor allem, wenn man bedenkt, dass dies alles aus einem Stück herausgearbeitet ist.

Ein Wandrelief von Armin Göhringer, das er mit der Kettensäge aus einem Holzstück herausgearbeitet hat.
Ein Wandrelief von Armin Göhringer, das er mit der Kettensäge aus einem Holzstück herausgearbeitet hat. | Bild: Michelberger, Isabell

Laudatorin betont gegenseitige Wirkungssteigerung der Werke

Mit den Arbeiten von Sati Zech und Armin Göhringer zeige die Galerie Wohlhüter zwei unverwechselbare zeitgenössische Positionen, führte Barbara Regina Renftle aus. Sie hätten „trotz ihrer sperrigen, eigenwilligen Charaktere doch in ihrer Ausdruckskraft und ihrer zugrundeliegenden Gesinnung so viel Gemeinsames". Sie würden sich sogar gegenseitig zu maximaler Wirkung steigern. „So etwas passiert nicht oft in Doppelausstellungen und in dieser Intensität nur ganz selten“, beschrieb sie.