Adolf und Ruth Riester haben eine Schreinerei. Er ist Schreiner- und Wagnermeister, einer der letzten seiner Zunft, sie ist Schreinerin. Sie arbeiten in der direkt angrenzenden Werkstatt und wenn sie nicht am Schaffen sind, dann sind sie eben in ihrem Garten. Mithin auch mehr Arbeit als Freizeit und Hobby, aber eben auch Spaß und Ausgleich.

Kleines Paradies aufgebaut

Neben den Auftragsarbeiten werden in der Werkstatt natürlich auch Dinge zum privaten Gebrauch hergestellt. Aber nicht nur im Garten kommen die selbst gedrechselten und geschnitzten Kunstwerke, Utensilien und Dekoartikel aus Holz zum Einsatz. Irgendwann hatte auch die Sache mit dem Schild auf der Treppe Hand und Fuß.

Ruth und Adolf Riester am Eingang zum Garten. Treffender könnte ein Spruch für die beiden Gartenfreunde wohl nicht sein.
Ruth und Adolf Riester am Eingang zum Garten. Treffender könnte ein Spruch für die beiden Gartenfreunde wohl nicht sein. | Bild: Uwe Steinbächer

Riesters fertigten einen langförmigen Klotz und beschrifteten ihn schön mit den beiden Aufschriften. Meist ist darauf zu lesen "Wir sind im Garten". Und dort haben sich die Riesters ein kleines Paradieses aufgebaut. Passiert man den ersten Rosenbogen, hängt da ein Herz mit einem treffenden Spruch. "Erst hatte ich einen Garten, dann hatte der Garten mich." Man kann es kaum besser ausdrücken.

Enkelin Karolin (7) präsentiert eines der 13 Hühner, die neben dem Hahn auch einen Platz im Garten gefunden haben.
Enkelin Karolin (7) präsentiert eines der 13 Hühner, die neben dem Hahn auch einen Platz im Garten gefunden haben. | Bild: Uwe Steinbächer

Die Rückzug- und Wohlfühloase der Familie, die sich nach und nach vergrößert und verändert hat, ist "kein perfekter Garten, sondern ein Naturgarten", darauf legen sie wert. Tatsächlich ist die Vielfalt besonders, das Nebeneinander von Parzellen verschiedener Nutzung. Da ist die Spielecke mit Trampolin für die Enkeltochter, da sind die Hühnerställe aus denen Karolin (7) sich ein schwarzes Huhn greift und es vorführt, Obstbäume, Rosen, Pfingstrosen und viele weitere Blumenarten, Kräuter, Gemüse und eine große, gemütliche Sitzecke.

Der Borretsch, das Gurkenkraut, nimmt einen größeren Teil des Kräuterbeets ein. Die Bienen lieben den Duft und sie finden hier auch den nötigen Nektar.
Der Borretsch, das Gurkenkraut, nimmt einen größeren Teil des Kräuterbeets ein. Die Bienen lieben den Duft und sie finden hier auch den nötigen Nektar. | Bild: Uwe Steinbächer

Die hat massive und über 20 Jahre alte Bänke aus Teakholz und als Abgrenzung zum Treibhaus auch eine Wand aus Weinreben, durch die stets eine leichte Brise streift und für etwas natürliche Abkühlung sorgt. "Mir sind besonders die über 50 Rosenbüsche wichtig, meine Frau mag besonders die Pfingstrosen", sagt Adolf Riester. Die blühen aktuell zwar nicht mehr, aber die Riesters haben schon auch so gepflanzt, dass im Jahreslauf immer etwas Blüten trägt.

50 Rosenbüsche im Garten

Fast alle Rosen haben ein selbst angefertigtes hölzernes Schildchen mit dem Namen der Rose und dem des Züchters. Daneben blühen aktuell die stark duftenden Phlox (Flammenblumen) in rot, weiß und lila, die Große Chinesische Glockenblume, die Malve, die man auch Stockrosen nennt und die Ringelblumen, um mal einige der aus der bunten Pracht zu nennen.

Der Rhabarber wächst in großen Tonnen. Die Pflanze ist so geschützt und die Stängel werden über einen Meter hoch.
Der Rhabarber wächst in großen Tonnen. Die Pflanze ist so geschützt und die Stängel werden über einen Meter hoch. | Bild: Uwe Steinbächer

"Wir probieren alles aus", sagen die Riesters und wie zum Beweis wächst da direkt neben dem Treibhaus der Selbstversorger, das mit Gurken, Paprika, Auberginen, Tomaten und sogar Ingwer ("Klappt nicht immer") gefüllt ist, auch der Sprössling eines Mammutbaumes.

Im Vordergrund blüht ein Sprößling des Mammutbaumes, im Hintergrund liegt die Baumscheibe eines alten Exemplars, das Riesters vom Förster erhalten haben.
Im Vordergrund blüht ein Sprößling des Mammutbaumes, im Hintergrund liegt die Baumscheibe eines alten Exemplars, das Riesters vom Förster erhalten haben. | Bild: Uwe Steinbächer

Dahinter steht die Baumscheibe eines alten Exemplars, das ihnen der Förster überlassen hat. "In 30 Jahren hat der einem Meter Durchmesser erreicht", erzählt Adolf Riester. Damit die eigenen Pflanzen gut und gerade wachsen, hat er sogar ein besonderes Patent erfunden und angemeldet. Seine verstellbaren Metallringe stützen die jungen Pflanzen und ermöglichen in der jeweils notwendigen Höhe ein schönes, sicheres Wachstums.

Einstein oder ein Stein? Das ist hier die Frage.
Einstein oder ein Stein? Das ist hier die Frage. | Bild: Uwe Steinbächer

Regional und natürlich ist aber grundsätzlich die Riester'sche Gartenphilospohie. "Wir suchen Sorten aus, die in unsere Gegend passen", sagt Rosenfreund Adolf Riester im Hinblick auf die geografische Lage 800 Meter über dem Meeresspiegel. "Ich habe praktisch keine Edelrose", die würden bei dem Klima nicht überleben.

Rote Johannisbeeren kennt man, weiße findet man nicht so oft. Riesters wollen auch das zeigen. Der Geschmack ist gleich.
Rote Johannisbeeren kennt man, weiße findet man nicht so oft. Riesters wollen auch das zeigen. Der Geschmack ist gleich. | Bild: Uwe Steinbächer

Sie haben noch viel anderes im Garten, etwa den Schweizer Birnenbaum, die Elsbeere, den quasi ausgestorbenen Speierling, rote und weiße Johannisbeeren, Kakteen. Das alles wollen sie auch zeigen und laden immer mal wieder Schulklassen ein. "Die Kinder sollen doch sehne wie das aussieht, wie es wächst", ist ihnen wichtig.

Die Dahlien blühen wunderschön. Auch sie haben ihren Platz im großen Garten der Riesters gefunden.
Die Dahlien blühen wunderschön. Auch sie haben ihren Platz im großen Garten der Riesters gefunden. | Bild: Uwe Steinbächer

"Gartenbaufirmen würden das hier perfekt anlegen, aber das wäre dann nicht unsere Handschrift. Unser Garten ist in 40 Jahren so gewachsen", sind die Leibertinger stolz auf das Geschaffene. Kein Wunder, dass der Holzklotz mit der Aufschrift "Wir sind im Garten" oft vor der Tür liegt.

Gartensteckbrief

Von Ruth Riester

  1. Was sind Ihre Lieblingspflanzen? Da sind die Interessen klar verteilt. Ich mag neben meinen Linsen und Bohnen besonders Pfingstrosen und mein Mann ist Liebhaber von Rosen.
  2. Was gefällt Ihnen nicht an der Gartenarbeit? Das Unkrautjäten mag ich nicht besonders, aber wer mag das schon?
  3. Was ist günstig, was eher teuer in Ihrem Garten? Günstig ist für uns die Deko, da das Holz eh' im Haus ist. Das Teuerste sind vermutlich die Blumenerde und bestimmte Samen.