Die Zahl 13 hat der Fluggemeinschaft Leibertingen am Wochenende viel Glück gebracht. Berthold Riester konnte als Cheforganisator des 13. Familiendrachenfests am Montag seine Begeisterung nicht verbergen: „Wir schätzen, dass am Samstag 3000 und am Sonntag weitere 5000 Besucher bei uns auf dem Segelflugplatz waren.“ Das sei Rekord.

Mit LED-Leuchten in den Abendhimmel

Besonders erfreut zeigte sich Riester über die vielen Eltern, die mit ihren Kindern zum Drachenfest gekommen waren. Am Samstagabend fand das Stelldichein der bis zu 30 Meter langen Fluggeräte seinen optischen Höhepunkt. Die Drachen erhoben sich, versehen mit LED-Leuchten, in den langsam dunkler werdenden Leibertinger Himmel.

Das Smiley-Dreigestirn aus der Schweiz grinste am Samstagabend vom Himmel über dem Segelflugplatz.
Das Smiley-Dreigestirn aus der Schweiz grinste am Samstagabend vom Himmel über dem Segelflugplatz. | Bild: Hermann-Peter Steinmüller

Wer ein solches Drachenfest bewerten will, muss sich mit der Szene der Drachenfans beschäftigen. Das sind Menschen, die nicht nur mit sehr viel Geduld und handwerklichem Geschick ihre Drachen bauen.

Bei Anbruch der Nacht erhoben sich die beleuchteten Drachen in den dunkler werdenden Himmel.
Bei Anbruch der Nacht erhoben sich die beleuchteten Drachen in den dunkler werdenden Himmel. | Bild: Hermann-Peter Steinmüller

Sie sind auch Wochenende für Wochenende im In- und Ausland unterwegs, um an den diversen Drachentreffen teilzunehmen. Drachen zeigen, Freunde und Bekannte treffen und auf günstigen Wind für die Himmelsreise der Giganten hoffen – diese Dinge bestimmen solche Wochenenden.

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Zu dieser Szene gehört Imo Knaupp aus Friedrichshafen. Der Monteur ist bis Ende Oktober an jedem Wochenende auf Achse. Sein am weitesten entferntes Ziel ist ein Treffen mit Gleichgesinnten in Dänemark. Der Drachenfreund vom Bodensee besitzt mehrere große Drachen, darunter ein Exemplar in Radform mit Flammen.

250 Arbeitsstunden für einen Drachen

Knaupp sagt dazu: „Allein für diesen Drachen habe ich 250 Arbeitsstunden aufgewendet.“ Doch damit nicht genug. Vor jedem Start muss das Flugobjekt erst wieder zusammengesetzt werden. Das nehme je nach Windverhältnissen 45 bis 60 Minuten in Anspruch.

Für viele Familien war das Drachenfest ein Anziehungspunkt.
Für viele Familien war das Drachenfest ein Anziehungspunkt. | Bild: Hermann-Peter Steinmüller

Tamara Wiora ist in der Nähe von Bad Saulgau zu Hause. Sie ist ebenso wie ihr Mann Wolfgang vom Drachenfieber erfasst. Wie sie in Leibertingen berichtete, stand in der Vorwoche das Drachentreffen in der Nähe von Passau auf dem Programm und am kommenden Wochenende sind die Wioras in Gerstetten zu finden. „Unsere Reisesaison ist hauptsächlich im Spätsommer und im Herbst“, erzählte die Rentnerin. Die übrigen Wochenenden im Jahr gehörten aber auch überwiegend den Flugdrachen.

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Entsprechende Workshops werden besucht oder zu Hause gilt es, an eigenen Drachen zu nähen. Beim Leibertinger Treffen hatten die Bad Saulgauer drei ihrer Flugobjekte dabei. Wiora: „Das sind unser Phönix-Vogel, die Drumbox und unser japanischer Kampfdrache.“ Sie bedauert, dass es in Leibertingen zu keinen Drachenkämpfen kam. Das sei in Gerstetten anders: „Dann versuchen die Drachenbesitzer, gegenseitig ihre Drachen zum Landen zu zwingen.“

Selbst wenn die Flugdrachen an sich harmlos sind und nicht wie ihre märchenhaften Namensvettern mit Feuer um sich speien, gibt es Sicherheitsvorschriften, an die sich auch die Fluggemeinschaft als Veranstalter zu halten hat.

Dieser riesige Schmetterling gehörte zu den Attraktionen des 13. Leibertinger Familiendrachenfests.
Dieser riesige Schmetterling gehörte zu den Attraktionen des 13. Leibertinger Familiendrachenfests. | Bild: Hermann-Peter Steinmüller

Berthold Riester: „Die Leinen, an denen die Drachen befestigt sind, dürfen nicht länger als einhundert Meter sein.“ Für längere Schnüre bräuchte der Veranstalter eine kostenpflichtige Genehmigung. Riester: „Die brauchen wir aber nicht, für unsere Meetings reichen die einhundert Meter aus.“ Längere Leinen würden von den Drachenfans gerne verwendet, um mehrere Großdrachen hintereinander steigen zu lassen.

Alle Flugobjekte können starten

Der Wind erwies sich übrigens als Freund der Drachengemeinde und erlaubte den Aufstieg aller Flugobjekte.

Tanzende Lichter brachten den Segelflugplatz Leibertingen bei einbrechender Dunkelheit zum Leuchten.
Tanzende Lichter brachten den Segelflugplatz Leibertingen bei einbrechender Dunkelheit zum Leuchten. | Bild: Günther Brender