20 Thalheimer nutzten am Wochenende die Möglichkeit, sich bei einem Rundgang über den Fortschritt der Umbauarbeiten im ehemaligen Rat- und Schulhaus zu informieren. Das umgebaute Haus soll in den nächsten Jahrzehnten den Thalheimer Vereinen, der Ortsverwaltung und der Dorfgemeinschaft als zentraler Veranstaltungsort zur Verfügung stehen. Die Teilnehmer zeigten große Interesse an Details und stellten viele Fragen, die Architekt Reinhold Gindele beantwortete. Der Planer und Bauleiter betonte, dass die Arbeiten an dem rund 1,9-Millionen-Euro-Projekt termingerecht im Spätherbst abgeschlossen sein werden. Vor einiger Zeit haben die Innenausbauarbeiten begonnen.

Gebäude wurde 1844 errichtet und ist ein Dokument handwerklichen Könnens

Der neue Anbau mit Fahrstuhl und Treppenhaus soll sich harmonisch in das Erscheinungsbild des historischen Rathauses einfügen.
Der neue Anbau mit Fahrstuhl und Treppenhaus soll sich harmonisch in das Erscheinungsbild des historischen Rathauses einfügen. | Bild: Steinmüller, Hermann-Peter

Architekt Gindele zeigte sich dankbar, dass sich die Mehrheit der Thalheimer für den Erhalt des Gebäudes aus dem Jahr 1844 entschieden haben. Es handle sich nicht nur um eine für das Dorf wichtige kulturhistorische Einrichtung, sondern ebenso um ein Dokument des handwerklichen Könnens der Bauleute aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Der Architekt machte das im Erdgeschoss an den erhaltenen Zwischenwänden deutlich. Diese Bereiche werden freigelegt bleiben.

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Steine wurden direkt vom Steinbruch geholt

Weil es damals noch keine genormten Mauersteine gegeben habe, hätten die Maurer auf behauene Steine direkt aus einem Steinbruch zurückgreifen müssen. Gindele nimmt an, dass das Material für die Wände aus einem der Steinbrüche in Buchheim oder Neuhausen stammen: „Ohne die fantastische Handwerksarbeit früherer Generationen könnten wir das Gebäude heute nicht so umbauen und für die Bedürfnisse des 21. Jahrhunderts herrichten.“

Gebäude ist nach Umbau barrierefrei

Hinter dem Gerüst sind schon Details der Fassadengestaltung zu erkennen. Die Eingangsbereiche zur Gemeindebackstube (links) und zur Besenwirtschaft erhalten moderne Glastüren.
Hinter dem Gerüst sind schon Details der Fassadengestaltung zu erkennen. Die Eingangsbereiche zur Gemeindebackstube (links) und zur Besenwirtschaft erhalten moderne Glastüren. | Bild: Steinmüller, Hermann-Peter

Der auffallendste Tribut an die Moderne ist der bereits fertiggestellte Anbau mit dem Treppenhaus und einem Personenaufzug, der das Gebäude barrierefrei auch für Bürger mit Behinderung zugänglich macht. Dieser Anbau, ist wie der Planer betonte, so konzipiert, dass er sich architektonisch an das alte Gebäude anpasst und dennoch seinen Charakter als modernes Bauwerk bewahrt. Für den Planer, der sich selbst als „Freund historischer Bauwerke“ bezeichnet, ist es wichtig, möglichst viel Tageslicht in die Gestaltung der Räumlichkeiten einzubeziehen.

Eine weitere Herausforderung für den Planer ist der Umstand, dass jeder der neuen Räume einem anderen Zweck dienen soll und trotzdem auch multifunktional nutzbar ist. Im Erdgeschoss finden die Chorsänger einen 45 Quadratmeter großen Probenraum vor. Er ist durch eine Tür mit der Gemeindebücherei verbunden. Der Planer erläuterte: „In der Bücherei wird es 62 Quadratmeter Regalfläche geben, auf der rund 6500 Bücher Platz finden.“ Auf der gegenüberliegenden Gebäudeseite befinden sich die neu geplante Besenwirtschaft, die 150 Jahre alte Gemeindebäckerei und eine fast 17 Quadratmeter große Teeküche.

Besucher haben großes Interesse an Detailplanung

Die Besucher, wie hier beim Planstudium Sandra Mann, Lissy Kehrmüller, Rainer Liehner und Egon Hafner (von links), zeigten sich sehr an Details interessiert.
Die Besucher, wie hier beim Planstudium Sandra Mann, Lissy Kehrmüller, Rainer Liehner und Egon Hafner (von links), zeigten sich sehr an Details interessiert. | Bild: Steinmüller, Hermann-Peter

Der größte Anteil am Platzkuchen ist im ersten Stock mit zwei Sälen von 75 und 105 Quadratmetern den Gymnastikfans und den Mitgliedern der Dorfkapelle vorbehalten. Einige der älteren Besucher erinnerten sich noch daran, dass hier früher die Klassenzimmer waren. Ein Blickfang verspricht der Dachboden zu werden. Denn die Dachbalken aus dem 19. Jahrhundert werden in die Raumgestaltung einbezogen. Hier werden die Ortsverwaltung, der Ortschaftsrat, der Theaterverein, die Landjugend und die Köhlernarren Platz finden. Besonders vielseitig nutzbar soll sich der Sitzungsaal erweisen. Ortschaftsrat Rainer Liehner: „Dieser Raum ist für kleinere Familienfeiern vorgesehen. Das angelieferte Essen in wird in der Teeküche vorbereitet und kann mit dem Fahrstuhl bequem nach oben gebracht werden.“