Die Arbeiten sind bereits in vollem Gange, da werden Stühle hinausgetragen und verladen sowie Ziegel gen Dach befördert. Die Burg Wildenstein wird seit wenigen Tagen instand gesetzt und modernisiert, der Landesverband des Deutschen Jugendherbergswerks (DJH) investiert dafür aktuell rund 2,2 Millionen Euro. Und das ist erst der Anfang, wie Geschäftsführer Karl Rosner berichtet: Nachdem von 2001 bis 2010 bereits 1,4 Millionen Euro investiert wurden, sind jetzt insgesamt 1,8 Millionen Euro für die Instandsetzung sowie 2,5 Millionen Euro für die Modernisierung geplant, verteilt auf mehrere Jahre. Für die Verantwortlichen vor Ort bedeutet das vor allem viel Arbeit, auch organisatorisch.

Denn normalerweise sind auch im Winter einige Schulklassen und Gruppen in der Jugendherberge zu Gast. Und für die elf festangestellten Mitarbeiter haben sich sonst nur vor Weihnachten zwei Wochen Urlaub etabliert, wie Beatrice Lier sagt. Sie leitet mit ihrem Mann Thomas Heinrich die älteste Jugendherberge Baden-Württembergs. Jetzt hat die Jugendherberge einschließlich Burgeschenke erstmal geschlossen. Und die Liste der Aufgaben für die nächsten Monate ist lang: "Renovierungen von Innenräumen, Dächern und Mauern sind nötig und Auflagen des Brandschutzes sind zu erfüllen", führt der DJH aus. Dafür werden teils Wände eingerissen und Räume neu eingeteilt, jedes soll künftig ein Waschbecken haben. Weil es wegen der historischen Baustruktur keine Möglichkeit für einen zweiten Fluchtweg gibt, soll ein Überdruck-System im Brandfall für Sicherheit sorgen, erklärt Lier. Dafür brauche es auch entsprechende Türen, teils Fenster, sowie Batterieräume für die Notstromversorgung. Dadurch wird sich die Zimmerzahl zeitweise um 13 reduzieren. Außerdem wird die Küche umgebaut und neu eingerichtet, auch Sanitäranlagen werden erneuert.

Historische Wandmalereien etwa im Speisesaal sollen mit Glas geschützt werden.
Historische Wandmalereien etwa im Speisesaal sollen mit Glas geschützt werden.

Ein ehrgeiziges Projekt, sagt Rosner, daher auch die vorübergehende Schließung – ohne Küche und Speisesaal sowie mit Umbauarbeiten im Herrenhaus sei an Normalbetrieb schwer zu denken. Hier gehen sonst pro Abend rund 130 warme Mahlzeiten über den Tisch.

"Wir sind aber kein Museum"

Besonderes Augenmerk gilt bei den Arbeiten der historischen Wandmalerei im Speisesaal, die in Absprache mit dem Denkmalamt künftig mit einem Schutzglas versehen werden soll. Es handelt sich laut DJH um die ältesten Renaissancemalerein im Süden Deutschlands, zu sehen sind besonders Blumenranken sowie Tiere. Im Personalraum ist eine Sage zu sehen. Zum Schutz soll es auch Fenster geben, die die Luftfeuchtigkeit regeln. Gefördert werden diese Maßnahmen vom Landesdenkmalamt, dem Denkmalschutz-Sonderprogramm des Bundes sowie der Denkmalstiftung Baden-Württemberg. "Wir sind aber kein Museum", stellt Lier klar. Daher müsse man bereits bei der Planung einen Kompromiss finden – und stets die Abläufe im Blick behalten.

Kompromissbereit sind auch die Mitarbeiter, die trotz fünf Monaten Baustelle keine Kurzarbeit fürchten müssen: Sie nehmen sich bereits im ersten Quartal 2018 zwei Wochen Urlaub und packen sonst mit an – es wird noch mehr Reinigung nötig sein, außerdem werden die Zimmer neu eingerichtet. Was von den alten Möbeln noch intakt war, wird nach Namibia gespendet. Die neuen Möbel liefert die Stiftung Liebenau – etwas heller sollen sie werden, aber nicht ultra-modern.

Hier empfängt Beatrice Lier sonst Gäste, jetzt wird die Rezeption kurzzeitig verlegt.
Hier empfängt Beatrice Lier sonst Gäste, jetzt wird die Rezeption kurzzeitig verlegt.

Für den Fall, dass die Bauarbeiten länger dauern, haben Rosner und die Herbergsleitung vorgesorgt: "Wir haben einen Puffer eingebaut", sagt Lier, und notfalls könnten sie auch mit einem Teil der Räume starten. Bei den Arbeiten drohen nämlich Überraschungen: Die Decken sind etwa noch mit Stroh gefüllt, bereits jetzt bröselt ab und zu etwas herab. "Das sind Maßnahmen, die man gerne schiebt, weil sie zeitlich schwer absehbar sind", gesteht DJH-Landeschef Rosner. Viel Spielraum gibt es für das nächste Jahr aber nicht: Die Jugendherberge ist bis Ende der Sommerferien fast ausgebucht. Danach könnten bereits die nächsten Arbeiten anstehen: Die Scheune soll zum Veranstaltungsraum werden und auch für die Rezeption gebe es günstigere Plätze. "Es gibt viel Änderungs- und Wunschpotential", sagt Rosner. Die Kosten würden dabei immer davon rennen, aber im Verband getragen – die Burg Wildenstein sei ein Leuchtturm-Projekt, daher stünde eine Aufgabe wegen teurer Baumaßnahmen überhaupt nicht zur Debatte.

Die Küche aus dem Jahr 1972 wird komplett neu eingerichtet samt Boden und Decke.
Die Küche aus dem Jahr 1972 wird komplett neu eingerichtet samt Boden und Decke.

Burg Wildenstein

Die Burg Wildenstein bei Leibertingen wurde 1077 erstmals erwähnt und war im 15. sowie 16. Jahrhundert Sitz der Freiherren und späteren Grafen von Zimmern. Während dieser Zeit erhielt die Burg die aktuelle Gestalt, die Wandmalereien werden beispielsweise auf 1538 und 1540 datiert. Von 1627 bis 1971 war die Burg im Besitz der Grafen und späteren Fürsten von Fürstenberg, die ab 1922 die Vorburg verpachteten – hier entstand die älteste Jugendherberge in Baden-Württemberg. 1971 kaufte das Deutsche Jugendherbergswerk, Landesverband Baden-Württemberg, die Burg für 100 000 DM, wie Leiterin Beatrice Lier berichtet. Im Folgejahr wurde sie generalsaniert, was noch einmal 1 Million DM gekostet habe. Die Jugendherberge unter Leitung von Lier und ihrem Mann Thomas Heinrich verbucht mit 162 Betten rund 35 000 Übernachtungen pro Jahr und ist damit laut Lier der größte Übernachtungs-Betrieb im Landkreis.