5,4 Millionen Euro hat der baden-württembergische Landesverband des Deutschen Jugendherbergswerks in den Erhalt und die Modernisierung von Burg Wildenstein investiert. Diese Zahl nannte am Freitag Landesgeschäftsführer Karl Rosner bei einem Pressegespräch im Speisesaal der Burg. Die beiden Architekten Wolff Stottele und Teresa Weimar berichteten über die besonderen Herausforderungen im baulichen Umgang mit einem Jahrhunderte alten Kulturdenkmal.

Hoch über dem Donautal thront Burg Wildenstein.
Hoch über dem Donautal thront Burg Wildenstein. | Bild: Bettina Frank

Malereien von 1540 im Speisesaal

Welche besonderen Schwierigkeiten und Probleme es in der Burg gibt, wurde gleich im Speisesaal deutlich. Auf der einen Seite erfüllt dieser Speisesaal seine alltägliche Aufgabe als Ort der gemeinsamen Mahlzeiten der Kinder und Erwachsenen, die in der Jugendherberge zu Gast sind. Andererseits zieren einen Teil der Wände wertvolle Malereien aus der Renaissance.

Der "Zwei-Burgen-Blick" vom Aussichtspunkt über St. Maurus mit Schloss Werenwag (links) und Burg Wildenstein (rechts) gehört zu den idyllischten Eindrücken des Oberen Donautals.
Der "Zwei-Burgen-Blick" vom Aussichtspunkt über St. Maurus mit Schloss Werenwag (links) und Burg Wildenstein (rechts) gehört zu den idyllischten Eindrücken des Oberen Donautals. | Bild: Steinmüller, Hermann-Peter

 

Diese Malereien seien in ganz Süddeutschland einmalig und müssten deshalb erhalten bleiben, haben eine Lösung gefunden, die beiden Belangen gerecht wird." Die wertvollen Malereien – sie stellen rankende Gewächse und Vögel dar – wurden in den Wintermonaten restauriert und sind jetzt hinter einer Glaswand in Sicherheit. Damit, so erklärt der Architekt, entstehe für die Nutzer des Speisesaals der Eindruck, in einem Wintergarten zu sitzen und in die Natur zu sehen. Dies sei auch die ursprüngliche Absicht des Künstlers um das Jahr 1540 gewesen.

Die neu gestalteten Zimmer der Jugendherberge wirken modern und einladend.
Die neu gestalteten Zimmer der Jugendherberge wirken modern und einladend. | Bild: Steinmüller, Hermann-Peter

Jetzt Duschen und Toiletten in den Zimmern

Im Mittelpunkt der Modernisierungsmaßnahmen stand die Aufwertung der Jugendherbergszimmer im Herrenhaus und in der Kommandantur. Jetzt verfügen die Räume über Duschen und Toiletten. Der bislang eher nostalgische Eindruck von Jugendherberge ist verschwunden. Herbergsmutter Beatrice Lier: "Viele Gäste nahmen in den letzten Jahren Einschränkungen in der Zimmerqualität hin, weil für sie der Aufenthalt in einer richtigen Burg wichtiger war."

Blickwinkel wie hier aus dem Exerziersaal auf die Vorburg lassen die Herzen von Burgenfreunden höher schlagen.
Blickwinkel wie hier aus dem Exerziersaal auf die Vorburg lassen die Herzen von Burgenfreunden höher schlagen. | Bild: Steinmüller, Hermann-Peter

Steinboden im Exerziersaal restauriert

Ebenfalls neu sind die Toiletten für die Burgschenke im Burghof und die Brandschutzvorrichtungen. Der Küchenbereich ist technisch modernisiert. Dächer wurden neu eingedeckt. Der Steinfußboden im Exerziersaal ist an den schadhaften Stellen mit Natursteinmaterial ausgebessert worden. Mit dem neuen Anstrich der Fassade rückten die Sanierer dem Grau zu Leibe. In jedem Fall, so versichern Stottele und Rosner, seien die Materialien in Zusammenarbeit mit dem Landesdenkmalamt ausgewählt worden.

März 2017: Bauarbeiten auf der Burg Wildenstein in Leibertingen.
März 2017: Bauarbeiten auf der Burg Wildenstein in Leibertingen. | Bild: Arndt, Isabelle

Sanierung noch lange nicht zu Ende

Nein, abgeschlossen ist mit dem Millionenaufwand das Projekt "Wildenstein" noch lange nicht. Darauf wies Rosner hin. Denn in der Vorburg wartet der Ostturm nach wie vor auf seine Ertüchtigung. Zusammen mit einigen anderen Maßnahmen geht der Stuttgarter von einem weiteren Betrag von "mindestens 600.000 bis 700.000 Euro" aus. Unter anderem wird der ehemalige Wohnbereich der Herbergseltern ebenfalls modernisiert und in Zimmer für die Jugendherberge umgewandelt. Einen Zeitplan für diese Arbeiten gibt es noch nicht. "Das kommt auf unsere Haushaltslage an", sagt Rosner.

Übernachten in einer richtigen Burg

  • Jugendherberge: Die Burg Wildenstein, hoch über dem Donautal auf der Gemarkung Leibertingen, besteht seit dem elften Jahrhundert. Die Festungsanlage dient seit 1922 als Jugendherberge. Derzeit verfügt Wildenstein über 151 Betten in 36 Zimmern. Nach der geplanten Sanierung des Ostturms stehen den Gästen wieder 161 Betten zur Verfügung. Die aktuellen Sanierungsarbeiten begannen im Sommer 2017 mit der Erneuerung von Dachflächen. Zwischen November 2017 und März 2018 war die Jugendherberge geschlossen. Seit April liefen die Sanierungsarbeiten neben dem Alltagsbetrieb. Bis auf wenige Kleinigkeiten sind die Arbeiten jetzt abgeschlossen worden. Beispielsweise soll die Beleuchtung im Exerziersaal noch umgestaltet werden, um das mächtige Dachgebälk in das Blickfeld der Besucher zu rücken.
  • Jugendherbergswerk: Wie Karl Rosner berichtet, verfügt das Jugendherbergswerk im Südweststaat derzeit über 47 Jugendherbergen. Zusammen mit der Burg Wildenstein befinden sich sieben historische Anlagen unter den genutzten Immobilien. Aus Kostengründen musste das Schloss Rechenberg bei Ellwangen als Übernachtungsmöglichkeit geschlossen werden. Zu Wildenstein meinte Rosner: "Die Burg ist unser Aushängeschild." Die Erhaltung dieses Aushängeschildes ist nach Aussage von Wolff Stottele eine "Gradwanderung zwischen den Anforderungen eines modernen Jugendherbergsbetriebs und der Substanzerhaltung eines denkmalgeschützten Gebäudes". (hps)