1250 Jahre Altheim sind 1250 Jahre Geschichte einer kleinen, aber hellwachen Dorfgemeinschaft. Das wird am übernächsten Wochenende vom 24. bis zum 27. August deutlich werden. Am Sonntag feiern die 245 Altheimer ihr Jubiläum mit einem Dorffest. Bereits am Freitagabend wird beim Festakt im Bürgerhaus unter anderem die extra für diesen Anlass verfasste Dorfchronik der Öffentlichkeit übergeben.

Altheim, der kleinste Ortsteil der Gesamtgemeinde Leibertingen, wurde 768 zum ersten Mal urkundlich erwähnt.
Altheim, der kleinste Ortsteil der Gesamtgemeinde Leibertingen, wurde 768 zum ersten Mal urkundlich erwähnt. | Bild: Hermann-Peter Steinmüller

Dorfjubiläum! Dieser Begriff steht seit fast drei Jahren fest im Terminkalender der Organisatoren im 15-köpfigen Projektteam. Das berichten Ortsvorsteher Helmut Straub und seine Frau Martina. Beide haben sich zusammen mit den anderen Mitgliedern des Projektteams intensive Gedanken darüber gemacht, wie das Jubiläumsjahr und besonders das bevorstehende Jubiläumswochenende gestaltet werden könnte.

Das ehemalige Gasthaus "Hirschen" verkörpert den Alltag in Altheim, als der Wirtshausbesuch noch zum gesellschaftlichen Leben gehörte.
Das ehemalige Gasthaus "Hirschen" verkörpert den Alltag in Altheim, als der Wirtshausbesuch noch zum gesellschaftlichen Leben gehörte. | Bild: Hermann-Peter Steinmüller

Dabei wurden Ideen entwickelt, bei denen es zunächst einmal darum geht, das Dorfjubiläum in der Region bekannt zu machen. Martina Straub betont: "Wir haben uns beispielsweise für eine eigene Briefmarke entschieden." Dieses Postwertzeichen im Wert eines Briefportos zu 70 Cent und gedruckt in einer Auflage von 2000 Exemplaren wurde bereits im vergangenen Jahr zum ersten Mal beim Wildensteiner Jahrmarkt zum Kauf angeboten.

500 Bierdeckel mit Logo und Programmablauf

500 Bierdeckel mit dem Logo des Dorffests auf der Vorder- und dem Programmablauf auf der Rückseite machen Gäste der regionalen Gastronomie auf das Fest aufmerksam. Außerdem hat der Förderverein Dorfgemeinschaft als Träger der Veranstaltung 200 Tonbecher ebenfalls mit dem Logo der Veranstaltung in Auftrag gegeben. In den Nähstuben entstanden mittelalterliche Kleidung und einige Straßenfahnen.

160 Seiten über kleine Gemeinde

Das Hauptwerk, das noch in Jahren an das Jubiläumsfest 2018 erinnern soll, ist aber die Dorfchronik. Unter dem Titel Dorfchronik Altheim 2018 verbirgt sich in der 160 Seiten starken und bebilderten Paperback-Ausgabe nicht nur ein Rückblick auf die Dorfgeschichte, sondern ebenso eine Momentaufnahme des heutigen Alltags in der kleinen Gemeinde. Außerdem enthält das Buch noch eine CD mit einer Radiosendung über Altheim aus dem Jahr 1987.

Die Wallfahrts- und Pfarrkirche St. Pankratius mit ihrem barocken Marienaltar stammt in ihrer heutigen Form aus dem Jahr 1859.
Die Wallfahrts- und Pfarrkirche St. Pankratius mit ihrem barocken Marienaltar stammt in ihrer heutigen Form aus dem Jahr 1859. | Bild: Hermann-Peter Steinmüller

In seinem Grußwort setzt Helmut Straub einem inzwischen verstorbenen Mitbürger ein Denkmal. Es geht um Johann Schmon. Vor einigen Jahren sagte der damals fast 90-jährige Altheimer bei einem Seniorennachmittag: "Denket au dra, dass mir 2018 a Dorfjubiläum feiere kennet." Straub gesteht heute in seinem Grußwort, dass ihm die 1250-jährige Wiederkehr der ersten urkundlichen Erwähnung im Jahr 768 gar nicht bewusst gewesen sei.

Das neue Bürgerhaus zeugt vom bis heute lebendigen Selbstbewusstsein der Altheimer.
Das neue Bürgerhaus zeugt vom bis heute lebendigen Selbstbewusstsein der Altheimer. | Bild: Hermann-Peter Steinmüller

Heimathistoriker Armin Heim setzt sich in seinem Beitrag mit dem großen Rahmen der Altheimer Dorfgeschichte auseinander. Die Mitte des 19. Jahrhunderts vom damaligen Ortspfarrer Josef-Anton Eitenbenz vorgefundenen Wallreste und die fünf von dem Geistlichen beschriebenen Grabhügel sind heute nicht mehr vorhanden. Über die mittelalterlichen Urkunden sind die Herrschafts- und Besitzverhältnisse dokumentiert. Wobei es sich bei den Herren in der Regel um Klöster und Adelshäuser handelte.

Die Dorfkirche St. Pankratius ist bis heute ein geistlicher und architektonischer Mittelpunkt der Gemeinde Altheim.
Die Dorfkirche St. Pankratius ist bis heute ein geistlicher und architektonischer Mittelpunkt der Gemeinde Altheim. | Bild: Hermann-Peter Steinmüller

Interessant sind die besonderen Beziehungen zwischen Altheim und dem heute zu Sauldorf gehörenden Nachbardorf Hölzle. Beide gehörten lange zu einer gemeinsamen Gemarkung. Das änderte sich erst 1686, als Hölzle, das damals noch "Weilheim" hieß, von den Grafen von Castell an die Grafen von Fürstenberg verpfändet wurde. Altheim selbst blieb österreichisch. 1810 kam Altheim zu Baden. Seit 1975 bildet das kleine Dorf zusammen mit Thalheim, Kreenheinstetten und Leibertingen die Gesamtgemeinde Leibertingen.

Menschen, Kirche, Gaststätten

Der ehemalige Leibertinger Bürgermeister Heinrich Güntner beschreibt die Altheimer als "selbstbewusst und konstruktiv". Gudrun Möhrle hat sich mit der Kirchengeschichte auseinandergesetzt. Werner Fischer listet die Flurnamen auf. Der ehemalige Ortsvorsteher und Förster Christoph Möhrle schildert die wirtschaftliche und ökologische Entwicklung im Gemeindewald. Beiträge unter anderem von Robert Ritter über die Schulgeschichte, von Martina Straub über das Gasthaus "Hirschen" und von Ute Stump über das Rössle-Haus sind weitere Arbeiten, die das Buch lesenswert machen.