Auf dem Weg von Leibertingen nach Thalheim stehen Gebilde aus Metall und Holz auf den Wiesen, welche die Blicke anziehen und die Umgebung auf eine neue Art erleben lassen. Dass Kunstwerke, die mitten in der Natur stehen, die Landschaft aufwerten, das ist für die Thalheimer und die Bewohner der Region zur Selbstverständlichkeit geworden. Grund dafür sind die Aktivitäten der Galerie Wohlhüter, die seit 25 Jahren in ihren Räumen und außerhalb der Galerie Kunst präsentiert und sich mittlerweile in der überregionalen Kunstszene einen Namen gemacht hat. Autos mit verschiedensten Kennzeichen reihen sich in der Thalheimer Kreuzstraße, wenn sonntags zu Vernissagen geladen wird. Auf der Art Karlsruhe wurde die Galerie bereits zweimal mit Preisen bedacht. 2016 für die beste „one-artist-show“ mit Werner Schmidt, 2019 mit dem Loth-Preis für Skulptur mit Jörg Bach.

Arnold Stadler war ebenso des Öfteren mit Lesungen in der Galerie Wohlhüter vertreten.
Arnold Stadler war ebenso des Öfteren mit Lesungen in der Galerie Wohlhüter vertreten. | Bild: Michelberger, Isabell

Angefangen habe alles mit den „Kunstfreunden Wildenstein“, blickt Galerist Werner Wohlhüter auf die Gründung seiner Galerie vor 25 Jahren zurück. „Wir waren damals ein Verein von kunstinteressierten Leuten aus der Umgebung, die Ausstellungen und Kulturveranstaltungen organisierten“, erzählt er. Sie hätten sogar einen Kunstpreis für Kleinplastik ausgelobt. Er habe damals mit seiner Frau bereits den Großteil der Organisation übernommen und viele interessante Künstlerinnen und Künstler kennengelernt. „Ihr seid dazu prädestiniert, das businessmäßig zu machen“, sei er von mehreren Seiten ermutigt worden. Als auch seine Frau Gerlinde dem Vorhaben zugestimmt habe, gründeten sie im Jahr 1994 ihre Galerie in Thalheim.

Im Jahr 2009 eröffneten Gerlinde und Werner Wohlhüter die Sommerausstellung in ihrer Galerie, in der sie die Arbeiten nahezu aller Künstler zeigten, die sie vertreten.
Im Jahr 2009 eröffneten Gerlinde und Werner Wohlhüter die Sommerausstellung in ihrer Galerie, in der sie die Arbeiten nahezu aller Künstler zeigten, die sie vertreten. | Bild: Michelberger, Isabell

Natürlich hätten einige Bedenken geäußert und gefragt: „Wie könnt ihr das machen? In der Zeit der Rezession und dann noch auf dem Land?“ Doch Werner Wohlhüter dachte sich: „Auf was sollen wir warten?“ „Es war mir und meiner Frau klar, dass es kein einfaches Unternehmen sein würde“, beschreibt Werner Wohlhüter den Prozess der Entscheidungsfindung. Durch die bisherige Kultur-Tätigkeit habe er jedoch in etwa gewusst, was auf sie zukomme. Die erste Ausstellung bestückten die Galeristen mit Arbeiten von Joseph Beuys, die sie von einem befreundeten Galeristen ausleihen konnten. Das habe damals für Furore gesorgt. Gleich im ersten Jahr organisierten sie mehrere Ausstellungen und steigerten sich schnell auf sechs bis sieben Ausstellungen pro Jahr.

Bei den Ausstellungseröffnungen geben sich sowohl die Künstler als auch die Kulturschaffenden gerne ein Stelldichein wie hier (von links): Hans-Jürgen Kossack, Bruno Effinger und Willi Bucher, dessen Larven im Hintergrund zu sehen sind.
Bei den Ausstellungseröffnungen geben sich sowohl die Künstler als auch die Kulturschaffenden gerne ein Stelldichein wie hier (von links): Hans-Jürgen Kossack, Bruno Effinger und Willi Bucher, dessen Larven im Hintergrund zu sehen sind. | Bild: Michelberger, Isabell

Bereits vor der Galeriegründung fuhr das Galeristen-Ehepaar viel umher, um sich Ausstellungen sowohl in Galerien und in Museen als auch auf Kunstmessen anzuschauen. „Wir haben unsere Künstler immer ausgesucht“, erläutert Werner Wohlhüter, denn sie mussten in das Konzept der Galerie passen und ein hohes Qualitätskriterium erfüllen.

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Ihre Entscheidung für eine Galerie haben Gerlinde und Werner Wohlhüter nie bereut oder in Zweifel gezogen. „Wir sind kunstinteressiert und kommen dadurch mit vielen interessanten Leuten zusammen“, beschreibt der Galerist. Zu den Künstlern der ersten Stunde zählen u.a. Jörg Bach, Willi Bucher, Josef Bücheler, Armin Göhringer, Jürgen Knubben, Gert Riel und Rudolf Wachter. Darüber hinaus gab es immer wieder Lesungen und Musikveranstaltungen in der Galerie.

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Im Jahr 1998 erfolgte der Galerieanbau, der von Leader gefördert wurde. 2001 wurde der Anbau von der Architektenkammer Baden-Württemberg für „Beispielhaftes Bauen“ ausgezeichnet. Der Anbau sorgte für einen zusätzlichen großen und lichten Galerieraum. „Für die Künstler war es toll, jetzt in der Halle auszustellen“, berichtet Wohlhüter vom Feedback. Sie bot nun weitere interessante Möglichkeiten der Präsentation.

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Nach wie vor ist Skulptur und Raum ein Schwerpunkt der Galeriearbeit. „Es ist schön, dass uns die Künstler seit vielen Jahren begleiten“, bestätigt Gerlinde Wohlhüter. Daraus seien viele Freundschaften gewachsen. Immerhin zählt die Galerie etwa 40 Künstlerinnen und Künstler, die sie betreut. Die Besucherinnen und Besucher sowie der lebendige Austausch empfinde sie als Geschenk. „Es ist so lang und doch so kurz“, blickt sie auf die vergangenen 25 Jahre zurück. „Eine schöne und bereichernde Aufgabe“, lautet ihr Resümee.

„Wohlhüters bleiben ihren Künstlern treu“

D.A. Marbach gehört zu den ersten Künstlerinnen und Künstlern, deren Arbeiten in der Galerie Wohlhüter zu sehen waren. Ihre Arbeiten sind hauptsächlich Malerei und Objekte aus dem neuen Material E.V.A., mit dem Bestreben, zeitgenössisch zu arbeiten. Und sie arbeitet auch mit dem Computer. D.A. Marbach wurde 1954 in Stuttgart geboren und war nach dem Studium als Lehrerin beschäftigt.

Wann haben Sie zum ersten Mal in der Galerie Wohlhüter ausgestellt?

Im Jahr 1998 hatte ich dort meine erste Einzelausstellung.

Wie kam der Kontakt zustande?

Wir bekamen regelmäßig eine Einladung zu den Ausstellungseröffnungen zugeschickt, sodass wir Lust bekamen, hinzufahren. Die erste Fahrt zur Galerie war jedoch abenteuerlich, da noch nichts ausgeschildert war. Wir sind eine Weile durch die Gegend gefahren, bis wir die Wohlhüters gefunden hatten. Nachdem wir etliche Male bei den Vernissage-Terminen zu Gast waren, habe ich mich beworben.

Welche Bedeutung hat die Galerie Wohlhüter für Sie?

Für Kunstschaffende wie mich ist eine Galerievertretung sehr wichtig. Eine Galerie ist die Schnittstelle zwischen Künstlern und Käufer. Galerien bieten die Arbeiten immer wieder neuen Interessenten an. Ich konnte in der Folge regelmäßig meine Arbeit zeigen, oft in Gemeinschaftsausstellungen. Es ist schön, dass Gerlinde und Werner Wohlhüter ihren Künstlern treu bleiben.

Fragen: Isabell Michelberger