Beim größten industriellen Arbeitgeber im Kreis Sigmaringen, der Unternehmensgruppe Zollern, läuft seit Monaten ein Restrukturierungs- und Kostensenkungsprogramm. Hintergrund sind die massiven Marktveränderungen in der Automobil-, Luftfahrt- und Maschinenbauindustrie. In den Werken im Laucherthal und Herbertingen arbeiten derzeit 2100 Menschen. Das Unternehmen befindet sich hälftig jeweils im Besitz der Unternehmensgruppe Fürst von Hohenzollern und der Merckle-Gruppe. Nun informiert die Geschäftsleitung, dass man das Werk in Aulendorf im Landkreis Ravensburg, in dem aktuell 84 Beschäftigte arbeiten, mit Wirkung zum 1. August einen neuen Eigentümer hat. Das Geschäftsfeld Maschinenbauelemente wurde an die Firma Audita onsult GmbH verkauft, eine Gesellschaft für Wirtschaftsprüfung und Unternehmensberatung mit Sitz in Hannover.

Neuer Eigentümer will Geschäftsbetrieb unverändert fortführen

Der Erwerber besitzt unter anderen mit seiner Beteiligung an der Exxellin Linear GmbH & Co. KG in Sachsen-Anhalt seit 2008 ein Unternehmen mit komplementärem Tätigkeitsfeld im Bereich der Linearführungstechnik. Audita und Exxellin sind inhabergeführte Unternehmen. Zukünftig wird die bisherige Zollern Maschinenbauelemente GmbH & Co. KG unter Lintec Aulendorf GmbH & Co. KG firmieren. „Der Erwerber plant, den Geschäftsbetrieb unverändert fortzuführen“, ergänzt Raik Flämig, Sprecher der Zollern-Gruppe, auf die SÜDKURIER-Frage, ob durch den Eigentümerwechsel womöglich Jobs gefährdet sind.

Investitionspaket umfasst 60 Millionen Euro

Gleichzeitig informiert Zollern, dass man für die Werke im Laucherthal und Herbertingen ein großes Investitionsprogramm beschlossen habe und in den nächsten drei Jahre mehr als 60 Millionen Euro an den Standorten investieren werde. Neben Rationalisierungsinvestitionen am Hochlohnstandort Deutschland, sind insbesondere Investitionen für neue Produkte und Prozesse auf der Basis der laufenden strategischen Forschungs- und Entwicklungsprojekte geplant.

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Hierzu zählt für das Geschäftsfeld Antriebstechnik unter anderem die Erweiterung der mechanischen um die elektrische Antriebstechnik und die Nutzung digitaler Technologien für Condition Monitoring und After Sales. Im Geschäftsfeld Feinguss wird in Fertigungsanlagen zur Produktion von einkristallinen und gerichtet erstarrten Komponenten für die Luftfahrtindustrie und für die Energietechnik in einem neuen Werksgebäude investiert. Im Bereich Stahlprofile wurden in den vergangenen Jahren bereits umfangreiche Investitionen getätigt.

Fokussierung des Unternehmens ist entscheidend

Die strategischen Investitionen und die Fokussierung des Unternehmens sind für Dr. Klaus F. Erkes, Vorsitzender der Geschäftsführung, ein wichtiger Schritt für die Weiterentwicklung des Unternehmens. „Unsere Märkte haben sich in den vergangenen Jahren drastisch verändert, und die auf politischer Ebene forcierten Maßnahmen zur Dekarbonisierung beschleunigen den Strukturwandel in unseren Industrien weiter. Wichtige Kunden haben teilweise existenzielle Restrukturierungs- und Konsolidierungsprozesse durchlaufen und dabei ihre Entwicklungs- und Produktionsstandorte in Billiglohnländer verlegt. Beschleunigt wurde dieser Prozess durch die Corona-Pandemie. Aus diesem Grunde waren wir selbst gezwungen, schnelle und auch schmerzhafte Kostensenkungsprogramme durchzuführen.“ Dies hat es nach Angaben von Geschäftsführer Erkes ermöglicht, die Firmengruppe mit positiven Ergebnissen durch die Pandemie zu führen. Um die Zukunft des Unternehmens zu sichern, müsse sich Zollern künftig verstärkt fokussieren, gibt der Firmenlenker als Strategie vor. Vor diesem Hintergrund wurde das Geschäftsfeld Gleitlagertechnik bereits im Jahr 2019 in ein Joint Venture mit der österreichischen Miba AG eingebracht.