Ihrem Spürsinn, Elektromikroskopen und chemischen Analyseverfahren entgeht (fast) nichts – den Lebensmitteltechnikern, Biologen und Chemielaborenten der Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt (CVUA). Rund 7700 Lebensmittel-, Trinkwasser und Tabakproben untersuchten sie 2019 in den modernen Labors, in Nachbarschaft zur Hochschule. Jährlich informieren Amtschefin Mirjam Zeiher und ihre Kollegen bei einem Pressegespräch über die Arbeit und spektakuläre Funde dieser Spezialbehörde, die für den Regierungsbezirk Tübingen zuständig ist.

Blaue Kunststoffstückchen in einem Baquette

Die „Sprünasen“ erhalten von Kontrolleuren der Unteren Umweltbehörden der Landkreise die Proben von Lebensmitteln, untersuchen diese und stuften 2019 nur zehn Proben als gesundheitsgefährdend ein. Entdeckt wurden unter anderem ein metallisch aussehender Fremdkörper in einer Kräuterbutter und zwei scharfkantige, blaue Kunststoffstückchen in einem Baguette sowie eine Glasscherbe in einer Apfelsaftflasche.

In dieser Kichererbse entdeckten die CVUA-Kontrolleure den gemeinen Erbsenkäfer.
In dieser Kichererbse entdeckten die CVUA-Kontrolleure den gemeinen Erbsenkäfer. | Bild: CVUA Sigmaringen

Käfer in den Erbsen

Außerdem standen Themen wie erhöhte Keimzahlen in Schlagsahne, die Qualität von deutschen Apfelsäften, Schimmelpilzgifte in Granatapfelsäften oder Getreideflocken und diverse Schädlingsbefälle in Hülsenfrüchten, Ölsamen und Schalenobst im Fokus. Solche Schädlinge sorgen bei Verbrauchern für viel Ärger, sind oftmals schwer zu erkennen. So erhielt die CVUA Proben von Bio-Kichererbsen, die im Inneren kleine, schwarze Punkte aufwiesen. „Es waren weder Fraßlöcher an den Verpackungen noch typische Spuren wie Kot, Eier oder Spinnfäden zu erkennen“, schilderte Dr. Gregor Vollmer die Detektivarbeit. Bei einer eingehenden Untersuchung stellte sich heraus, dass das schwarze Innere keine Verschmutzungen, sondern Exemplare des Gemeinen Erbsenkäfers waren, die sich tief in die Kichererbsen hineingebohrt hatten. Die Krabbeltiere wurden durch die relativ warme Lichtquelle des Mikroskopes wohl aufgeweckt, berichtete Dr. Vollmer, dass die Käfer während der Untersuchung aus ihren Erbenshöhlen krabbelten.

1432 Rechtsverstöße entdeckt

Insgesamt ermittelten die CVUA-Mitarbeiter bei ihren Untersuchungen 1432 Rechtsverstöße, also bei rund 19 Prozent aller Proben, wobei die Hälfte davon Verstöße gegen die Kennzeichnungspflicht betraf, das heißt die Etikettenaufschrift war zu klein und unleserlich oder die Zutaten auf dem Etikett entsprachen nicht dem Inhalt. In mehr als 500 Proben wurden mikrobiologische Verunreinigungen entdeckt, die für den Verbraucher aber völlig harmlos waren. Gesundheitlich unbedenklich, aber laut EU-Verordnung verboten, ist beispielsweise das Aufhübschen von Spätzle-Nudeln durch Farbstoff. Kontrolleure entdeckten in einer Gaststättenküche 60 Kilogramm Spätzle und dazu eine Plastikflasche mit künstlichem Farbstoff, um den Nudeln das eiergelbfrische Aussehen zu verpassen. Bei asiatischen Nudeln ist dieses „Färben“ übrigens teilweise erlaubt.

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Listerien und Fall Wilke

Ein wichtiges Puzzleteil zur Aufklärung des Falls Wilke lieferten die CVUA. In einer Wurstaufschnittpackung dieses Herstellers wurden Listerien entedeckt. Listeria monocytogenes ist der Erreger, der die bei Menschen und Tieren vorkommende Erkrankung Listeriose auslösen kann. Während der Osterfeiertage ermittelten die Kontrolleure einen Listerienwert, der die Wahrscheinlichkeit schädlicher Auswirkungen auf die Gesundheit erhöht. Am selben Tag wurde das Produkt aus den Regalen genommen. Weitere Proben vergleichbarer Produkte des Herstellers wurden ebenfalls auf Listerien untersucht, aber keine nachgewiesen werden.

Trinkwasser aus Kleinanlagen

Im Bereich der Überwachung von Trinkwasser wurde 2019 im Rahmen eines Projekts im Regierungsbezirk Tübingen, Trinkwasser aus 53 Kleinanlagen, also aus Eigenwasserver-sorgungsanlagen oder Hausbrunnen untersucht. Unerfreulicherweise entsprachen davon rund die Hälfte aller Proben nicht den mikrobiologischen Anforderungen. Bei der chemischen Untersuchung dieser Proben auf Nitrat, Schwermetalle, andere Elemente sowie auf Desinfektionsnebenprodukte gab es glücklicherweise deutlich weniger zu beanstanden. Die Überwachung des eigenen Wasserreservoirs ist durch die Trinkschutzverordnung vorgeschrieben, und die Betreiber müssen die Ergebnisse den Gesundheitsämtern melden sowie die Beprobungskosten zahlen. Der CVUA-Projektversuch wurde hingegen vom Land finanziert.

Tabakwaren ein Schwerpunkt

Am CVUA Sigmaringen werden auch Tabakwaren untersucht. Trotz oder gerade weil seit Jahren der Anteil der Raucher in Deutschland rückläufig ist, gilt es immer wieder neuartige Tabakprodukte zu kontrollieren. So standen wie im Vorjahr nikotinhaltige Li-quids für E-Zigaretten, aber auch vermehrt sogenannte „Chewing bags“ im Fokus, ein rauchfreies Tabakerzeugnis, das als Alternative zu Kautabak beworben wird.

 

„Hersteller haben selbst hohe Prüfstandards“

Das CVUA-Team machte bei dem Pressegespräch immer wieder klar, dass ihre Kontrollarbeit für die Lebensmittelsicherheit wichtig ist, und trotz mancher Funde in Deutschland die Qualität der Lebensmittelprodukte sehr hoch ist. „Die Hersteller haben selbst hohe Prüfstandards bei ihren Eigenkontrollen, wobei es natürlich immer wieder schwarze Schafe gibt“, resümierte Amtsleiterin Mirjam Zeiher. Sie hofft im Übrigen, dass die CDUA weitere Stellen genehmigt bekommt.

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