Ein halbes Jahrhundert nach seinem spurlosen Verschwinden ist ein Traditionsstück aus den Anfängen der Kleinkinderbetreuung in Sigmaringen überraschend wieder aufgetaucht: Beim Ausräumen der ehemaligen Kaserne Nonnenhof oberhalb von Laiz, die in den zurückliegenden 20 Jahren von der Landkreisverwaltung als „Grünes Zentrum“ genutzt worden war, fand sich in den Kellerräumen das etwa 1,50 Meter hohe Holzrelief mit einer wunderschönen Schutzengeldarstellung, informiert die Stadtverwaltung Sigmaringen.

Relief stammt aus Werkstatt für christliche Kunst

Mit Unterstützung von Diplomarchivarin Birgit Meyenberg vom Staatsarchiv und der 95-jährigen Sigmaringerin Hannelore Zekorn, geborene Schloeder, konnte Kreisarchivar Dr. Edwin Ernst Weber anhand historischer Quellen ermitteln, dass es sich bei dem Kunstwerk um eine Schöpfung der Werkstatt für christliche Kunst der Familie Marmon in Gorheim aus dem Jahr 1909 handelt.

Feierliche Übergabe am 15. März 1910

Das Relief war von der frommen Familie Leuze in der Karlstraße in Auftrag gegeben und am 15. März 1910 der über viele Jahrzehnte von den Schwestern der christlichen Liebe betreuten „Kinderbewahranstalt“ oder „Verwahrschule“ in der Zimmerackerstraße, dem ersten und ältesten Kindergarten in der Stadt Sigmaringen, feierlich übergeben worden. Das Schutzengelrelief zierte fortan als Supraporte den Eingang der „Verwahrschule“ bis zur Aufgabe des Kindergartenbetriebs 1968 und dem Abriss des Gebäudes 1971 für den Neubau des benachbarten Josefinenstifts. Das Kunstwerk galt seither als verschwunden.

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Übergabe im Rathaus

Landrätin Stefanie Bürkle übergab jetzt das Schutzengelrelief im Rathaus Sigmaringen an Bürgermeister Marcus Ehm, der zugesagt hat, das Traditionsstück an geeigneter Stelle in einem der städtischen Kindergärten öffentlich anzubringen.