Positiv vermerkten die Kreisräte, dass die Personalkosten im Landratsamt im Jahr 2019 knapp 290 000 Euro niedriger als erwartet sind. Mit ein Grund dafür dürfte sein, dass es an Mitarbeitern fehlt. Auf die Kreisverwaltung kommt ein Personalproblem zu: „Eine hohe Anzahl erfahrener Führungskräfte wird in den nächsten Jahren ausscheiden“, stellte Renate Brunke, Fachbereichsleiterin Personal, in der Sitzung des Verwaltungs- und Sozialausschusses des Kreistags fest.

Hoher Altersdurchschnitt bei Führungskräften

Der hohe Altersdurchschnitt von 51 Jahren in dieser Mitarbeitergruppe werde dazu führen, dass 70 Prozent der Führungskräfte innerhalb der nächsten zehn Jahre altershalber ausscheiden werden. Bei der gesamten Belegschaft beträgt das Durchschnittsalter 47 Jahre. Zwar bemühe man sich, die Anzahl der Führungsstellen zu reduzieren, indem man deren Leistungsumfang erhöhe, aber das ganze Problem ließe sich dadurch nicht lösen, ist die Personalchefin überzeugt. Dazu kommen noch 30 000 Überstunden, die im Jahr 2019 angefallen sind. Auch die Summe der Resturlaube ist beträchtlich.

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Aktuell 37 Stellen unbesetzt

Und wenn dann besondere Herausforderungen wie die Corona-Pandemie auf die Behörde zukommen, dann wird alles noch enger. 70 Mitarbeiter mussten dem Fachbereich Gesundheit in diesem Jahr zugeordnet werden. Das bedeutet: Deren ursprüngliche Aufgaben müssen von Kollegen miterledigt werden. Eigentlich ein Unding in einer Behörde, in der 37 Stellen sowieso schon unbesetzt sind. Die Verbleibquote ist mit elf Jahren deutlich schlechter als die 17 Jahre im Bundes- und Landesdurchschnitt. Positiv wirkt sich aus, dass der Krankenstand im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen ist und unter dem Durchschnitt in Bund und Land liegt. Doch wie an neues Personal kommen?

Wirtschaft hat oft mehr zu bieten

„Es wird immer schwieriger und dauert länger, Stellen anforderungsgerecht zu besetzen“, machte Renate Brunke die große Herausforderung deutlich. Und: „Gute Leute wollen Entscheidungsfreiräume und die wollen gestalten“, weiß man im Landratsamt. Doch wie kann man diese Forderungen erfüllen, wenn auf der anderen Seite die Wirtschaft bei der Personalgewinnung oft mehr zu bieten hat als die öffentliche Verwaltung? Da sind Flexibilität und Kreativität gefragt. Werbekampagnen sollen helfen und ganz wichtig sei auch das Stammpersonal. Denn: „Unsere Mitarbeiter sind die besten Botschafter für unsere Stellen“, weiß die Personalchefin.

Teamgrößen stehen in Frage

Im Landratsamt gibt es derzeit knapp 100 Führungsstellen. Viele Teams sind relativ klein und umfassen oft nur drei Mitarbeiter. Da denkt man nun an eine Umstrukturierung. Bei Teamgrößen unter fünf Mitarbeitern soll geprüft werden, ob ein eigenständiges Team überhaupt noch notwendig ist und ob man Entscheidungen delegieren kann. Auch sollen die Entscheidungs- und Kommunikationswege überprüft und optimiert werden. Das Ziel sind kurze Wege und damit auch die Einsparung von Ressourcen.

Viele Verbesserungen sind schon umgesetzt

Familienfreundliche Arbeitszeiten, die Möglichkeit eines Sabbatjahres, ein Eltern-Kind-Zimmer, das gut angenommen wird, gebührenfreie Mitarbeiterparkplätze, ein Zuschuss zum Jobticket der Bahn, all das gibt es bereits. Für die Kinder der Mitarbeiter hat man sogar ein Ferienprogramm organisiert, das in diesem Jahr wegen Corona leider abgesagt werden musste. Es gibt Beratungs-, Sport- und Fitnessangebote. Auch die Möglichkeit des Home-Office wird geboten. Bei der Digitalisierung sei man auf dem richtigen Weg. „Wir haben da viel getan“, stellte Brunke fest und machte deutlich, dass eben das Vorhandensein digitaler Standards auch ein Argument für die Personalgewinnung sei. In diesem Sommer hat man eine Markt- und Zielgruppenanalyse auf den Weg gebracht und die Befragung der Mitarbeiter zu ihrem Arbeitsplatz konnte mit über 50 Prozent eine gute Teilnehmerquote erzielen. Die Auswertung läuft und soll bei den weiteren Schritten zur Personalgewinnung eingearbeitet werden.

Aggressive Kunden nehmen zu

Kreisrat Philip Schwaiger (CDU, Sigmaringendorf) kennt als Bürgermeister die Problematik, jüngere Mitarbeiter zu gewinnen. „Da braucht es einen langfristigen Prozess“, ist er überzeugt und er weiß auch: „Zuckerln kommen gut an“. Wenn man aber an seinem Arbeitsplatz um seine körperliche Unversehrtheit fürchten muss, dann ist das nicht sonderlich motivierend. Im Landratsamt hat man deshalb im Jahr 2019 ein Notfallkonzept zur Gewaltprävention und zum Umgang mit Bedrohungen erarbeitet und eingeführt. Hintergrund waren Meldungen, nachdem Mitarbeiter eine zunehmende Bedrohung durch aggressive Kunden wahrgenommen hatten. 2018 gab es dazu Meldungen. In diesem Jahr kam es erstmals zu einem Übergriff mit körperlicher Bedrohung.

Kreistag berät am 19. Oktober

Der Personalbericht wurde vom Verwaltungs- und Sozialausschuss zustimmend zur Kenntnis genommen und steht auch für die Kreistagssitzung am 19. Oktober auf der Tagesordnung.

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