Mindestens zwei Erkenntnisse hat die Bürgerbefragung des Landratsamtes zur geplanten Biomüllsammlung gebracht: Die Mehrheit will sich nicht an einer Biomüllsammlung beteiligen und bei den Befürwortern wird ein Holsystem, in welcher Form auch immer, bevorzugt. Der Kreistag wird sich bei der öffentlichen Sitzung am 27. Juli mit den Ergebnissen befassen, eine Entscheidung soll im Herbst getroffen werden. Denn klar ist, der Kreis Sigmaringen wird ein Sammelsystem für Biomüll eingeführt. Dies machte Landrätin Stefanie Bürkle bei einem Pressegespräch deutlich. Der Kreistag hatte 2018 als letzter Landkreis in Baden-Württemberg, auch auf Druck des Stuttgarter Umweltministeriums, den entsprechenden Grundsatzbeschluss gefasst und spätestens 2023 wird die getrennte Biomüllentsorgung auch laut EU-Recht verpflichtend.

Umfrageteilnehmer geben zusätzlich 3500 Kommentare ab

Ein Ergebnis der repräsentativen Befragung der Kreisbevölkerung ist, dass 57 Prozent angegeben haben, sich nicht an einer Biomüllsammlung beteiligen zu wollen, während 41 Prozent sich vorstellen können, ihren Biomüll zu sammeln. Rund 3500 Umfrageteilnehmer gaben noch ihre Meinung zu der umstrittenen Thematik an, wobei diese Meinungsäußerungen an die Kreistagsmitglieder weitergeleitet wurden.

„93 Prozent haben einen eigenen Garten“

Von denjenigen sich nicht an der Bioabfallsammlung beteiligen wollen haben 93 Prozent einen Garten und 91 Prozent gaben an, zumindest teilweise selbst zu kompostieren. „Ob ein Haushalt somit bereit ist, eine Bioabfallsammlung zu nutzen, hängt in erster Linie, unabhängig von der Anzahl der darin lebenden Personen, von der Wohnsituation ab“, erläuterte Umweltdezernent Dr. Bernhard Obert. Die mögliche finanzielle Mehrbelastung ist für die Mehrheit der Gegner das entscheidende K.o.Kriterium.

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Befürworter würden 17,14 Euro zusätzliche Müllgebühr bezahlen

Ein anderes Bild zeigt sich für die Teilnehmer, die bereit wären eine Bioabfallsammlung zu nutzen. Für diese sind für 41 Prozent die Kosten das Wichtigste, für 38 Prozent der Klimaschutz und für 21 Prozent der Komfort. Sie wären bereit durchschnittlich 17,14 Euro pro Person und Jahr mehr an Müllgebühr zu bezahlen. 56 Prozent derer, die bereit wären eine Bioabfallsammlung zu nutzen, wären mit der Einführung eines Holsystems zufrieden, 35 Prozent bevorzugen ein Bringsystem.

Sammelstelle sollte in erreichbarer Nähe sein

Dies hängt stark von der Entfernung des Wohnortes zur Sammelstelle ab. „42 Prozent der potentiellen Teilnehmer gaben an, dass diese nicht weiter als ein Kilometer vom Wohnort entfernt sein sollte. 29 Prozent gaben an, dass die Entfernung nicht größer als zwei Kilometer sein sollte“, informierte Holger Kumpf, Leiter der Kreisabfallwirtschaft. Er ergänzte, dass der angelieferte Biomüll dann gewogen wird.

Bürger legen großen Wert auf die Freiwilligkeit des Sammelystems

Bei der Online-Umfrage haben den Teilnehmern beim Holsystem besonders gut der geringe Aufwand und die einfache Nutzung für eine Teilnahme gefallen. Als negativ wurden die hohen Kosten, der zusätzliche Platzbedarf für eine Tonne und mögliche Bedenken bezüglich Geruch und Hygiene benannt. Eine Mehrheit hat sich für ein freiwilliges Sammelsystem ausgesprochen.

Sammlung auf Recyclinghöfen und Containerstellplätzen möglich

„Beim Bringsystem wurden die Nutzung je nach Bedarf und die geringen Kosten als Vorteil gesehen. Nachteilig wurden die geringe Praktikabilität, hygienische Bedenken, der zusätzliche Verkehr und die daraus resultierenden zusätzlichen CO2-Emissionen gesehen. Nahezu gleich viele Teilnehmer haben sich für eine Sammlung auf den Recyclinghöfen und für eine Sammlung auf den Recyclinghöfen und an den Containerstellplätzen ausgesprochen“, so Holger Kumpf. „Egal ob Hol- oder Bringsystem war es vielen Bürgern wichtig, sich freiwillig für oder gegen die Teilnahme entscheiden zu können.“

Bürger in die Entscheidung der Kommunalpolitik einbeziehen

Die hohe Beteiligung ist für Landrätin Bürkle Beleg dafür, dass die Bürger ein hohes Interesse haben und für die Kommunalverantwortlichen gleichzeitig Ansporn und Verpflichtung, dass man bei dieser umstrittenen Thematik nicht über die „Köpfe der Bürger“ entscheidet. Klar ist, dass das System über dessen Einführung im Herbst letztlich entschieden wird, nicht starr, sondern stetig weiter entwickelt wird.