Seit dem 18. März, seinem ersten Tag im Homeoffice, platziert Edwin Ernst Weber fast täglich einen Beitrag auf der Homepage des Landratsamts Sigmaringen unter dem Stichwort „Ermutigung in Corona-Zeiten“. Es sind eigene Gedanken sowie Texte aus Literatur, Philosophie und Theologie, die Überlegungen und Diskussionsprozesse anregen sollen.

Viele Kulturschaffende liefern Beiträge für Homepage

Auf eine Bitte per Rundmail an seine Kultur-Partner und Mitstreiter, Anregungen zu schicken, habe er erstaunlich viel Resonanz bekommen. „Es ist beeindruckend, welche Ideen bei mir ankamen“, freut sich der Kreisarchivdirektor. Es meldeten sich etwa zehn bis 20 Lieferanten mit Beiträgen aller Art. Dadurch habe er sogar die Qual der Wahl gehabt. Der Sänger und Musiker Franz Wohlfahrt habe beispielsweise ein Kinderlied geschrieben und aufgenommen, der Barde Michael Skuppin ein Lied umgetextet und Johannes Hermann vom Zirkus Faustino ein Gedicht zugeschickt.

„Ich sehe es als meine Aufgabe, eine andere Sicht auf die Gesellschaft und auf unser Zusammenleben aufzuzeigen“

„Wir sehen, dass Kultur in dieser Zeit einen wichtigen Beitrag zu leisten hat“, erklärt Weber. Die Krise zeige zum einen, dass trotz allen Fortschritts das Leben gefährdet bleibe, eröffne jedoch zum anderen neue Perspektiven und richte den Blick darauf, was in unserem Leben wirklich wichtig sei. „Ich sehe es als meine Aufgabe, eine andere Sicht auf die Gesellschaft und auf unser Zusammenleben aufzuzeigen“, beschreibt er.

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Als Historiker sei er begrenzt optimistisch, denn er wisse, dass Krisen unterschiedliche Reaktionen in der Bevölkerung hervorrufen. Einerseits gebe es zahlreiche wenig rühmliche Beispiele, die von nacktem Egoismus und der Suche nach Sündenböcken zeugen, andererseits sei jedoch zu beobachten, dass sie auch einen Anstoß bilden zu Solidarität und Menschlichkeit. Deshalb habe er als Aufklärer Hoffnung.

Planungen für kreisweiten Kulturschwerpunkt 2020 „Erinnern“ laufen

Neben den Anregungen im Internet läuft die Planung für den kreisweiten Kulturschwerpunkt 2020 „Erinnern“. Im 75. Jahr nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und 30 Jahre nach der Wiedervereinigung gelte es, auf die Kultur des Erinnerns zurückzublicken und zu überprüfen, in welcher Weise die Geschichte dem heutigen Menschen einen Erkenntnisgewinn bringen kann. Möglicherweise sei es bald die letzte Gelegenheit, Zeitzeugen in den Rückblick einbinden zu können.

„Wir sollten die Geschehnisse in der Vergangenheit immer wieder offen befragen“, führte Weber bei der damaligen Mitgliederversammlung des Kreiskulturforums aus, auch wenn dies unbequem sein sollte.

Ausstellung „NS-Unrecht und Widerstand im Spiegel der Kunst“ soll nach Möglichkeit vor der Sommerpause eröffnet werden

„Vor der Sommerpause wird außer der angestrebten Eröffnung der Ausstellung ‚NS-Unrecht und Widerstand im Spiegel der Kunst‘ am 26. Juli in der Kreisgalerie vermutlich nichts stattfinden“, betont Edwin Ernst Weber heute. Bis Mai waren noch einige Führungen durch Betriebe der Region zum Kulturschwerpunkt 2019 „Handwerk und Industrie im Landkreis Sigmaringen„ geplant sowie Vorträge, beispielsweise über die Geschichte der Glasbläserei und die Siedlung Glashütte bei Wald. „Vielleicht können wir den ein oder anderen Vortrag später noch einschieben, doch vieles wird sich nicht nachholen lassen“, prognostiziert der Leiter des Kreisarchivs.

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Veranstaltungen müssen abgesagt oder verschoben werden

Es sei auch die Frage, ob sich das Publikum getraue, ab Herbst Veranstaltungen zu besuchen. In Bezug auf mögliche Verschiebungen denkt er auch an die Vorstellung des Buches „Starke Frauen“ von Maria Würfel über oberschwäbische Äbtissinnen zwischen der Reformation und Säkularisation. Dieses wird Anfang Mai ausgeliefert und hätte im Kloster Heiligkreuztal Mitte Mai mit klösterlicher Frauenmusik und einer Gesprächsrunde zu klösterlichem und weltlichem Frauenleben in der Barockzeit vorgestellt werden sollen. Vielleicht findet sich ein neuer Termin.

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Freiluft-Termine im Zusammenhang mit Kulturschwerpunkt geplant

Was den Kulturschwerpunkt „Erinnern“ für 2020 angeht, so seien bereits zwei Drittel der etwa 30 bis 40 Veranstaltungen terminiert. „Einige Partner sind noch verunsichert“, erklärt Weber, da es im Moment keine Planungssicherheit gebe. Es seien einige Freiluft-Termine mit Führungen eingeplant, die sich damit befassen, an wen Städte und Gemeinden mit Straßennamen, Denkmalen und Ehrenbürgerwürden erinnern.

„Es wird jedoch keine Bus-Exkursionen geben, das traue ich mich noch nicht“, betont Weber. Es sei jedoch wieder an eine Filmreihe im Kino in Mengen zu denken – mit Filmen, die sich mit dem Erinnern auseinandersetzen.

„Heimatfront – Bühnenbilder des Krieges“ soll 2021 gezeigt werden

Als Leiter der Kreisgalerie im Meßkircher Schloss hält er an den Ausstellungsplanungen in diesem Jahr fest. Ob die Ausstellung „NS-Unrecht und Widerstand im Spiegel der Kunst“ tatsächlich am 26. Juli eröffnet werden kann, das werde sich einen Monat davor entscheiden. Für das Jahr 2021 übernimmt er die Ausstellung „Heimatfront – Bühnenbilder des Krieges“, die ab September in der Kartause Ittingen/Kanton Thurgau gezeigt wird.

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Die Fotos von Claudio Hils gewähren Einblick in militärische Tabuzonen direkt vor unserer Haustür: Seine Fotografien von Ausbildungsstätten für Truppen und Sondereinsatzkommandos sind hauptsächlich auf der Schwäbischen Alb aufgenommen, stehen aber exemplarisch für den gesellschaftlichen Umgang mit Bedrohungen durch Krieg und Terror.

Programm für Kulturschwerpunkt „Erinnern“ soll Ende Juli vorgestellt werden

In einer weiteren Ausstellung sollen Künstlerinnen aus dem Landkreis Sigmaringen im Zentrum stehen. Das Programm zum neuen kreisweiten Schwerpunktthema wird Ende Juli vorgestellt und soll – vorbehaltlich des weiteren Verlaufs der Corona-Pandemie – von Herbst 2020 bis zur Sommerpause 2021 laufen.