Die von der grün-schwarzen Landesregierung geplante Ausweisung eines dritten Unesco-Biospährenreservates in Oberschwaben-Allgäu, das dem Moorschutz dienen soll, sorgt schon im Vorfeld für Diskussionen. Eine Allianz von Landeigentümern und -bewirtschaftern übt scharfe Kritik, die sie via Pressemitteilung an Stuttgart formuliert hat.

Starke Einschränkungen für Land- und Waldbesitzer befürchtet

Nach Angaben der Allianz sei völlig unklar, was das Biosphärenreservat, das bis zu 150 000 Hektar umfassen könnte, überhaupt bringen soll. In Oberschwaben habe man schon mehrere tausend Hektar an Naturschutz- und Landschaftsschutzgebieten, erklärt Franz Schöneberger, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Allgäu-Oberschwaben, dass man nicht gegen Naturschutz sei, aber „keine Papiertiger aus Stuttgart oder Brüssel“ brauche, die nur Nachteile bringen und der Natur nicht helfen würden. Es gebe in einem Biosphärenreservat starke Einschränkungen und strenge Auflagen für Reiter, Jäger, aber auch für Windkrafträder, Land- und Forstwirtschaft, heißt es in der Stellungnahme der „Allianz“, die mit „Fluch der guten Tat“ überschrieben ist.

Unesco gibt Kriterien für Anerkennung vor

Tatsächlich gibt es Kriterien, damit die Unesco ein Areal als Biosphärenreservat ausweist. So muss in einer Kernzone, die drei Prozent der Fläche umfasst, die Natur sich selbst überlassen werden. In einer die Kernzone umgebenden Pflegezone gelten die Vorgaben des Naturschutzes. Und den größten Teil der Gebietskulisse bildet dann die sogenannte Entwicklungszone, in der Acker und Wald bewirtschaftet werden dürfen. Die „Allianz“ fordert, dass die Landesregierung sich zunächst mit allen Beteiligten und Betroffenen darüber unterhalten sollte, was man für die Region überhaupt erreichen wolle und ob ein Biosphärenreservat dafür überhaupt der richtige Weg sei. „Hier wird der zweite Schritt vor dem ersten gemacht“, heißt es in der Erklärung.

CDU-Abgeordneter Burger weist Kritik zurück

Klaus Burger, Landtagsabgeordneter (CDU): „Jetzt schon, zu einem Zeitpunkt, bei dem wir noch ganz am Anfang des Prozesses stehen, ...
Klaus Burger, Landtagsabgeordneter (CDU): „Jetzt schon, zu einem Zeitpunkt, bei dem wir noch ganz am Anfang des Prozesses stehen, Ängste zu schüren ist fahrlässig.“ | Bild: CDU BW

Diesem Vorwurf widerspricht der CDU-Landtagsabgeordnete Klaus Burger: „Jetzt schon, zu einem Zeitpunkt, bei dem wir noch ganz am Anfang des Prozesses stehen, Ängste zu schüren ist fahrlässig“ Er weist im SÜDKURIER-Gespräch darauf hin, dass Baden-Württemberg schon die zwei höchst erfolgreichen Unesco-Biosphärengebiete „Schwäbische Alb und „Schwarzwald“ habe und sieht für diese Regionen auch dank Fördermitteln erhebliche Entwicklungsmöglichkeiten. Für die Landwirtschaft ergäben sich Chancen in der Direktvermarktung von Produkten, die in einem Biosphärengengebiet geschaffen oder gewachsen sind. Burger weist daraufhin, dass die Kommunen das letzte Wort haben und über einen Betritt ihrer Gemeinden zum Biosphärenreservat entscheiden.

Bürgermeister von Ostrach sieht Chancen und Risiken

Christoph Schulz, Bürgermeister der Gemeinde Ostrach: „Das Gegenteil ist der Fall, denn dieses Projekt wird nicht von oben ...
Christoph Schulz, Bürgermeister der Gemeinde Ostrach: „Das Gegenteil ist der Fall, denn dieses Projekt wird nicht von oben angeordnet, sondern durch die Zustimmung von unten legitimiert.“ | Bild: Volk, Siegfried

Das bestätigt Christoph Schulz, Bürgermeister der Gemeinde Ostrach, auf deren Gemarkung sich ein Teil des Pfrunger-Burgweiler Riedes befindet. Da man sich erst am Beginn des Diskussionsprozesses befinde, wundert sich Schulz über den Vorwurf der Allianz, dass die Politik „den zweiten vor dem ersten Schritt“ mache: „Das Gegenteil ist der Fall, denn dieses Projekt wird nicht von oben angeordnet, sondern durch die Zustimmung von unten legitimiert.“ Der Rathauschef sieht Chancen und Risiken bei dem Vorhaben. Bei einer Informationsfahrt in das Biosphärenreservat „Schwäbische Alb“ habe er sich ein Bild von der Entwicklung des Areals machen können, dessen Kernbereich jahrzehntelang als Truppenübungsplatz genutzt wurde. Ermöglicht wurde dies durch viele Fördermittel, die in solche Gebietskulissen fließen. So verwundert es ihn nicht nicht, dass bei der aktuell geplanten Erweiterung des Biosphärenreservates „Schwäbische Alb“ gleich 42 weitere Gemeinden mitmachen wollen.

Weitere Flächen im Landkreis Sigmaringen könnten in Gebietskulisse passen

Nachvollziehen kann er die Ängste der Allianz-Kritiker, dass nach einer Ausweisung von Flächen als Biosphärenreservates womöglich die Vorgaben für die Land- und Forstwirtschaft verschärft werden. Dabei verweist Christoph Schulz auf das Bürgerbegehren „Rettet die Biene“, wo nachträglich gefordert wurde, in den ausgewiesenen Schutzgebieten den Einsatz von Pestiziden zu verbieten, obwohl man den Bewirtschaftern zuvor versichert hatte, kein Verbot auszusprechen.

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„Die Forderung ist zwar nicht umgesetzt worden, wirkt aber als Signal bis heute nach“, so der Ostracher Bürgermeister. Er könnte sich aus naturschutzfachlichen Gründen übrigens vorstellen, dass das Biosphärenreservat „Oberschwaben Allgäu“ durchaus auch weitere Kreisgemeinden betreffen könnte. So verfüge Pfullendorf mit dem „Taubenried“ auch über Moorflächen und Illmensee würde mit seinen drei Seen durchaus in die Gebietskulisse passen.

In Baden-Württemberg gibt es bislang zwei Biosphärengebiete

Der Begriff „Biosphärenreservat“ steht für das modellhafte Miteinander von Ökonomie, Ökologie und Sozialem. Baden-Württemberg hat sich bewusst gegen den Ausdruck „Reservat“ und sich stattdessen für den Begriff „Biosphärengebiet“ entschieden. In Zusammenhang mit dem Begriff wird nach deren Vorgaben der Begriff Unesco-Biosphärenreservat verwendet. In Baden-Württemberg wurde 2008 als erstes Areal das 85 270 Hektar große Biosphärenreservat „Schwäbische Alb“ ausgewiesen, das weite Teile der Mittleren Schwäbischen Alb und ihres Vorlandes umfasst und seit Mai 2009 als Biosphärenreservat der Unesco anerkannt ist. Seit 2016 gibt mit dem Biosphärengebiet „Schwarzwald“ eine zweite, 63 000 Hektar umfassende Gebietskulisse, die im Juni 2017 von der Unesco als Biosphärenreservat anerkannt wurde.