Damit Kulturfreunde nicht allzu sehr darben müssen in dieser begegnungsarmen und schwierigen Zeit des Lockdowns, stellen vier Bildungsträger im Landkreis Sigmaringen Woche für Woche interessante Angebote ins Netz. Von einem provokanten Vortrag über die Fasnacht, Konzerten mit eins bis zwei Interpreten, Gesprächsrunden zu aktuellen Themen bis zu Lesungen und Vorträgen zur Erinnerungskultur – das Programm der „Kulturellen Seelsorge“ in Corona-Zeiten ist äußert abwechslungsreich gestaltet. Jede Woche geht auf dem YouTube-Kanal des Landratsamtes Sigmaringen ein neues Video online, welches das Kreiskulturforum, die Evangelische und Römisch-Katholische Kirchengemeinde Sigmaringen sowie das Bildungszentrum Gorheim mit verschiedenen Akteuren organisieren.

Kulturschwerpunkt „Erinnern“ per Video

„Wir bekommen auf jedes Video positive und konstruktive Rückmeldungen„, berichtet Edwin Ernst Weber, Direktor des Stabsbereichs Kultur und Archiv beim Landratsamt Sigmaringen und zugleich Geschäftsführer des Kreiskulturforums. Während des ersten Lockdowns ab März vergangenen Jahres stellte Weber in regelmäßigen Abständen Texte ins Netz, die zum Nachdenken anregten, erbauten und gut unterhielten, um geistige Anregungen für das Überdauern der begegnungsarmen Zeit bereitzustellen. Seit November, mit dem zweiten Lockdown, geht es ihm sowie seinen Mitorganisatoren darum, einige der aufgrund von Corona ausgefallenen Veranstaltungen, unter anderem zum Kulturschwerpunkt „Erinnern“, per Video dem Publikum zu präsentieren und damit den Künstlern eine Online-Bühne zu bieten.

Eine szenische Lesung zum Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar 2021 gehört zum abwechslungsreichen Programm der „Kulturellen Seelsorge“.
Eine szenische Lesung zum Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar 2021 gehört zum abwechslungsreichen Programm der „Kulturellen Seelsorge“. | Bild: Kreiskulturforum/Riester

„Ich bin der Stadt Mengen dankbar, dass wir ihr Filmstudio im Rathaus nützen dürfen“, zeigt Edwin Ernst Weber sich froh. Oft würden drei bis vier Veranstaltungen hintereinander aufgenommen. Den Abschluss des Tages bilde meist ein Livestream wie beispielsweise die Diskussionsrunde zu „Corona und die Bürgerrechte“. Bei solchen Veranstaltungen ist es den Zuschauern möglich, vorab oder während der Veranstaltung Fragen zu schicken. „Wir verzeichnen stets eine enorm starke Besucherzahl“, berichtet Weber. Selten seien es unter 200 Zugriffe auf die Videos. Den Vortrag von Wulf Wager über „Hat die Fasnet eine Zukunft?“ riefen sogar über 1000 Personen auf.

An Themen mangelt es nicht

Die große Zahl der Internet-Besucher erklärt sich der Geschäftsführer des Kreiskulturforums damit, dass diese Veranstaltungen bequem zu jeder beliebigen Tageszeit angeschaut werden können. Darüber hinaus ist weder eine Autofahrt noch ein Fußmarsch zurückzulegen. An Themen werde es auch für die kommenden Wochen nicht mangeln. „Wir haben sogar eine längere Wunsch- und Warteliste“, schmunzelt er. „Insgesamt würden wir gerne mehr Musik einbinden“, ist er sich mit seinen Mitorganisatoren einig. Doch das sei unter Corona-Auflagen äußerst schwierig zu realisieren, vor allem wenn es sich dann noch um Singende oder Bläserinnen und Bläser handle. Im März sah das Programm des kreisweiten Kulturschwerpunkts ein Konzert mit Dorle Ferber in Wald vor, das mit Sicherheit ausfallen müsse. Eventuell könne es wie vorgesehen im April in Pfullendorf stattfinden, dann vielleicht als sogenannte Hybrid-Veranstaltung mit kleinem Publikum und Live-Mitschnitt.

Ausstellung konnte bisher niemand besuchen

Andere Formate zum Kulturschwerpunktthema „Erinnern“ ließen sich nur schwer als Video umsetzen, beschreibt Edwin Ernst Weber. Mit der Theaterpädagogin Lilo Braun und ihrer Theatergruppe waren ein paar Auftritte geplant. Die große Anzahl der Akteurinnen sei leider nicht Corona-konform. Ebenso tue es ihm um die momentane Ausstellung in der Kreisgalerie leid. „Seit November hängen die Arbeiten von Ferdinand Joesten und Peter Weydemann, doch noch niemand konnte sie sehen“, so Weber.

Hoffnung auf Nachholbedarf des Publikums

Der Direktor des Kreisarchivs hofft mit seinen Mitstreitern sehr, dass ab April wieder Veranstaltungen mit Publikum möglich sind. Auch hofft er, dass diese über das Jahr hinweg aufgrund des Nachholbedarfs gut besucht sein werden. Er habe den Eindruck, dass die Leute nach dem „social distancing“ (sozialen Distanzierung) hungrig nach Begegnung sind. Dann können die Akteure wieder in die Augen des Publikums schauen und mit ihm interagieren. Bis dahin bleibt zumindest die kulturelle Vertröstung über das Internet.

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