Zu einem „Tag der Anwälte“ wurde der vierte Verhandlungstag gegen vier Mitglieder einer Rockergruppe aus dem Kreis Sigmaringen, die vor dem Landgericht Hechingen wegen Brandstiftung und Drogenhandel angeklagt sind.

Während der Observation vom Zoll festgenommen

Eröffnet wurde die Verhandlung wie bereits bisher unter starken Sicherheitsvorkehrungen mit der Vernehmung eines Kriminalhauptkommissars, der am 4. März diesen Jahres den Auftrag hatte, ein aus Holland kommendes Fahrzeug zunächst zu observieren und dann die beiden Insassen (34 und 24 Jahre) festzunehmen. Der Beamte berichtete, dass mit der Beobachtung des Fahrzeugs bereits auf der Autobahn 8 begonnen wurde, die dann über die Bundesstraße 464 und die Autobahn 81 fortgesetzt worden sei. Im Bereich Geisingen sei der Wagen überraschend von einer mobilen Zollkontrolle angehalten und die Insassen festgenommen worden. Das Ganze sei keine abgesprochene Aktion gewesen. Mit Blick auf die völlig überraschende Festnahme der beiden Angeklagten durch die mobile Zollkontrolle stellte der Beamte fest: „So etwas habe ich noch nie erlebt“.

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Marihuana angeblich in Köln übernommen

Für eine Wende im Verfahren sorgte der Verteidiger des 24-Jährigen mit einem Teilgeständnis seines Mandanten. Der Anwalt teilte dem Gericht mit, dass das beschlagnahmte Marihuana (9,6 Kilogramm) entgegen der Anklage nicht in den Niederlanden, sondern erst in Köln eingeladen worden sei. Diese Darstellung wurde vom 34-jährigen Angeklagten und dessen Verteidiger bestätigt. Demnach habe der 24-Jährige in Köln nur geholfen, die Pakete mit dem Marihuana im Auto zu deponieren ohne dabei zu wissen, woher das Rauschgift komme und wohin es kommen soll.

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Zusammenarbeit mit der niederländischen Polizei

Für große Aufmerksamkeit sorgte die Aussage eines weiteren Kriminalbeamten, der mit technischer Unterstützung eines Kollegen die eigens übersetzten Abhör-Protokolle vortrug und erläuterte. Dieser Beamte erklärte, dass man über die Staatsanwaltschaft auf der Grundlage einer genehmigten europäischen Ermittlungsanordnung mit der niederländischen Polizei zusammen gearbeitet habe. Der 34-Jährige habe damals in Rotterdam gewohnt und sei dann von den niederländischen Kollegen observiert und identifiziert worden. Dabei habe sich dann heraus gestellt, dass der 24-Jährige auch bereits bei den niederländischen Kollegen aktenkundig gewesen sei. Deshalb habe man auch den 24-Jährigen in die Ermittlungen einbezogen.

In den Niederlanden ein Kilo Marihuana gefunden

Bei der Durchsuchung eines Hauses, in dem sich der 24-Jährige gemeinsam mit einem Albaner aufgehalten hatte, hätten die niederländischen Kollegen ein Kilogramm Marihuana gefunden. Der Anwalt des 24-Jährigen erhob heftige Vorwürfe gegen das Gericht, weil diese Details nicht in den Akten stehen würden und er sie daher überhaupt nicht überprüfen könne.

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Über die Verortung des Handys seines Mandanten erhielt der Anwalt keine Auskunft von dem Beamten. Der Verteidiger vertrat jedoch die Ansicht, dass dies elementare Dinge seien, die einfach in die Akten gehörten, weshalb er sich damit nicht zufrieden geben werde. Der Beamte erklärte sein Verhalten mit aller Deutlichkeit: „Das sind einsatztaktische Maßnahmen und dazu werde ich nichts sagen‘“.

Beamter: Rauschgift in den Niederlanden übernommen

Die im Wortlaut vorgetragenen Gespräche aus der Telefon-Überwachung beweisen nach Meinung dieses Kriminalbeamten jedoch, dass das Rauschgift bereits in den Niederlanden von den Angeklagten übernommen worden sei. Der Beamte begründete dies auch mit dem sogenannten Zeitfenster, wonach seiner Meinung in Köln nicht ausreichend Zeit für die Aufnahme des Marihuana gewesen sei. Der Beamte sicherte zu, bei der Fortsetzung der Verhandlung dafür den Nachweis mit der Abfahrtszeit ab Rotterdam zu erbringen. Auch diesbezüglich reklamierte der Verteidiger des 24-Jährigen mit dem Hinweis: „Der Beamte will uns nicht darlegen, aus welchen Erkenntnissen er das schöpfen will“. Es gebe nämlich überhaupt keinen Grund aus einer solchen Funkzellen-Ortung ein Geheimnis zu machen. Es sei ihm völlig fremd, dass daraus ein Geheimnis gemacht werde.

Kokain an mehreren Stellen im gestoppten Auto

Der Beamte berichtete auch, dass der Wagen, der auf der Autobahn gestoppt wurde, an mehreren Stellen mit Kokain kontaminiert gewesen sei. Dies sei ein Beweis dafür, dass mit diesem Fahrzeug auch Kokain transportiert worden sei. Auf Befragen räumte der Beamte ein, dass es im Zusammenhang mit dem derzeitigen Verfahren vor dem Landgericht noch weitere Ermittlungen und Strafverfahren und sogar eine Verhaftung stehen würden. Hierbei ginge es um zwei Kilogramm Marihuana. Im Zuge dieser laufenden Ermittlungen sei ihm auch ein Abnehmer namentlich bekannt.

Urteil wird am 29. Oktober erwartet

Die Verhandlung wird am Donnerstag, 29. Oktober mit der erneuten Zeugenbefragung des Kriminalbeamten fortgesetzt. Dazu wird der Beamte auch eine Wegzeit-Berechnung ab Rotterdam vorlegen und Auskunft darüber geben, wie lange eine Kontaminierung feststellbar sei. Im Anschluss soll die Beweisaufnahme geschlossen und plädiert werden sowie am späten Nachmittag die Urteilsverkündung erfolgen.

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