„Wir sind bei der Betreuung auch im landesweiten Durchschnitt gut aufgestellt“, stellte Hubert Schatz, Fachbereichsleiter Jugend im Landratsamt, bei der jüngsten Sitzung des Jugendhilfeausschusses fest. Ein Problem rollt allerdings auf den Landkreis zu – der Fachkräftemangel in den Einrichtungen. „Es wird immer schwerer, Stellen zu besetzen und es fehlen männliche Mitarbeiter“, erläuterte Renate Fischer-Kuhn, die im Landratsamt die Kindertageseinrichtungen verantwortet. Auf manche Stellenausschreibungen gebe es gar keine Bewerbungen, wies die Fachfrau auch auf die Altersstruktur in den Kiga-Belegschaften hin. Demnach sind 14 Prozent aller Mitarbeiter älter als 55 Jahre und auch jeder achte Mitarbeiter zur Altersgruppe der 50-bis 55-Jährigen gehört. Und viele Kiga-Mitarbeiter arbeiten nur Teilzeit, sodass mehr Köpfe für die Vollzeitstellen benötigt werden.

Neuer Ausbildungsgang an der Bertha-Benz-Schule

Mit einem neuen Ausbildungsgang an der Bertha-Benz-Schule will man neue Fachkräfte gewinnen, der dreijährigen Ausbildung zur Erzieherin/zum Erzieher, kurz Pia. Schon jetzt werden an der Bertha-Benz-Schule angehende Erzieherinnen unterrichtet und der Pia-Bildungsgang soll keine Konkurrenz zum klassischen Ausbildungsmodell darstellen, bei dem zu Beginn ein einjähriges Vorbereitungsjahr absolviert werden muss, für das die Schüler kein Geld bekommen. Auch in den nächsten zwei Ausbildungsjahren erhalten die angehenden Erzieher, die jährlich nur zwei Monate praktisch in einem Kindergarten arbeiten, eine Ausbildungsförderung, ähnlich einem Bafög, von monatlich maximal 783 Euro. Erst im vieren Lehrjahr, dem sogenannten Anerkennungsjahr erhalten die Erzieherazubis quasi erstmals Geld für ihre Arbeit.

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„Ideal wäre eine Klasse mit 20 Schülern“

Die Pia-Schüler sind hingegen von Beginn an bei Kommunen angestellt und erhalten während ihrer dreijährigen Ausbildung eine monatliche Vergütung von 1000 Euro. Für den neuen Bildungsgang will man Ältere für den Erziehungsberuf gewinnen oder Teilnehmer, die schon einen anderen Beruf gelernt haben. Nach Angaben von Fischer-Kuhn hat das Kultusministerium schon eine Zusage wegen den Lehrern an der Bertha-Benz-Schule erteilt und die Kirchen, die bekanntlich Kindergärten betreiben, über das neue Modell informiert. „Ideal wäre eine Klasse mit 20 Schülern“, freut sich Landrätin Stefanie Bürkle, dass es gelungen ist, im Kreis Sigmaringen den Pia-Ausbildungsgang einzurichten. Unklar ist allerdings, in welchem Umfang die Pia-Schüler während ihrer Ausbildung auf den Betreuungsschlüssel in den jeweiligen Einrichtungen angerechnet werden. In Städten wie Konstanz werden diese Azubis überhaupt nicht in den offiziellen Personal-Betreuungsschlüssel einbezogen, wenn es um das Verhältnis zwischen Erzieher und Kindergartenkinder geht, das im Kreis Sigmaringen aktuell bei rechnerisch 8,2 Kindern liegt, bei den unter Dreijährigen sind es 3,3 Kinder je Fachkraft.