20 Euro. So viel kostet derzeit ein Ferkel, das acht bis zehn Kilo auf die Waage bringt. So wenig Geld bekommen Ferkelerzeuger derzeit für ihre Tiere, was bedeutet, dass die Schweinebauern bei jedem Ferkel 40 bis 50 Euro Verlust machen. Bei Mastschweinen sieht es ähnlich düster aus. 1,23 Euro pro Kilo Schlachtgewicht bekommt ein Mäster von seinem Schlachter. 1,80 Euro bräuchte ein Landwirt, um wenigstens seine Kosten zu decken.

Landesbauernverband spricht von existenzbedrohender Situation

Der gesamte Markt für Schweinefleisch ist zusammengebrochen und die Preise auf einem historischen Tiefstand. „Für die Schweinehalter ist die Situation katastrophal und existenzbedrohend“, resümierte Joachim Rukwied, Präsident des Landesbauernverbandes, das Wirtschaftsjahr 2021. „Die Lage ist genau so“, pflichtet Katja Schäfer dem Verbandschef bei. Die junge Frau hat Anfang des Jahres den gleichnamigen „Schäferhof“ in Illmensee-Neubrunn übernommen und hält auf ihrem Betrieb rund 800 Schweine, darunter 83 Muttersauen, in einem geschlossenen System. Das heißt, auf dem Schäferhof werden die Ferkel geboren und gemästet und dann in einer Konstanzer Metzgerei geschlachtet.

Direktvermarktung als wichtiges Standbein

Dank dieser Vermarktungsstrategie kann Katja Schäfer ihre wirtschaftliche Situation noch als stabil bezeichnen, auch weil sie das Futter für ihre Tiere selbst anbaut und nicht die enorm gestiegenen Kosten für Getreide und Futtermittel verkraften muss. Ökonomisch betrachtet, wäre es für die Schweinehalterin lukrativer ihr Getreide direkt zu verkaufen und nicht als Tierfutter zu nutzen. Und rein theoretisch wäre es für Mastbetriebe möglich, die aktuelle Preisflaute auszusitzen, ihre Bestände auszustallen und später wieder ins Geschäft einzusteigen. „Bei einem Zuchtbetrieb wie wir es sind, geht das nicht“, erklärt Schäfer.

Nebeneinkommen ist unerlässlich

Trotz ihrer vielen hundert Schweine käme die Jungbäuerin finanziell nicht über die Runden, wenn sie nicht ein Nebeneinkommen hätte. In der landwirtschaftlichen Schule Biberach ist sie stundenweise als Lehrkraft tätig. Ein weiteres kleines Zusatzeinkommen, das aber zeitaufwändig ist, bringt die Direktvermarktung auf dem Schäferhof, bei der Kunden Fleisch vorbestellen und später auf dem Hof abholen können. „Ziemlich mau“, beschreibt sie die Perspektive für Landwirtschaft im Allgemeinen und nur die Liebe zur Tierhaltung und dem Beruf hält viele Bauern noch auf ihrem Hof, obwohl sie rein kaufmännisch eigentlich aufgeben müssten.

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Die historisch niedrigen Erzeugerpreise sind nur ein Problem. Auflagen, Bürokratie, gestiegene Pachtpreise und knapper werdende landwirtschaftliche Flächen kommen hinzu. Und eine große Furcht treibt die Schweinehalter um – die Angst vor der afrikanischen Schweinepest, die aus Osteuropa eingeschleppt immer weiter in den Süden von Deutschland vordringt. „Wenn die ASP hier runterkommt, dann wird es ganz kritisch“, ist Katja Schäfer überzeugt.

Deutschlandweit will jeder zweite Betrieb aufgeben

Der Landesbauernverband zieht eine ernüchternde Bilanz für das Wirtschaftsjahr, auch weil die Nachfrage nach Schweinefleisch aufgrund geschlossener Restaurants und Kantinen sowie abgesagter Feste eingebrochen und der verregnete, kühle Sommer die Grillsaison getrübt hat. Bei den Schweinehaltern ist das Unternehmensergebnis nach Angaben des Verbandes um 58,6 Prozent auf 25 547 Euro je Arbeitskraft gesunken. Ohne die mittlerweile bei der Politik erreichten Überbrückungshilfen, „würden etliche schweinehaltenden Familienbetriebe die Krise nicht überstehen“, mahnte Bauernchef Rukwied. Nach seinen Angaben gab es vor zwei Jahrzehnten in Baden-Württemberg noch 20 000 Schweinehalter und aktuell noch 1800. Allein 2021 hätten 6,6 Prozent der Betriebe aufgegeben und laut einer Umfrage, will deutschlandweit jeder zweite Betrieb in den nächsten zehn Jahren aufhören.